Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Trinkerfilm "Smashed": Ein glücklich versoffenes Paar

Von

Trinkerfilm "Smashed": Bis dass die Zirrhose uns scheidet Fotos
Sony Pictures

Charlie und Kate lieben sich - und den Suff. Als sie nüchtern weiterleben will, steht das Paar vor der Frage: Ist unsere Liebe zueinander so groß wie unsere Liebe zum Alkohol? Das Suchtdrama "Smashed" ist gewürzt mit einem Spritzer Liebesfilm und einem Schuss schwarzer Komödie. Guter Cocktail.

Liebe ist, wenn es dem Partner nichts ausmacht, dass der andere aus Versehen ins gemeinsame Bett gepinkelt hat. Bei Charlie und Kate ist die Liebe so groß, dass er nur einen kleinen Witz macht und einfach liegen bleibt, als er morgens im von ihr genässten Laken aufwacht. Beide sind viel zu verkatert, um womöglich gleich die Bettwäsche zu wechseln. Kate muss ohnehin zur Arbeit und mag sich über ihren kleinen Unfall lieber nicht zu viele Gedanken machen. Stattdessen auf den Schreck erst mal einen Schluck Bier, bevor es in die Dusche geht.

So schafft "Smashed" von James Ponsoldt gleich in der ersten Szene klare Verhältnisse: ein Alkoholikerfilm, offensichtlich, aber auch einer über eine große Liebe. Und ohne Angst vor ein bisschen bitterem, bösem Humor. Ponsoldt verschweigt nicht, wie viel Spaß es machen kann, betrunken zu sein, wenn er Kate und Charlie bei einer entfesselten Karaoke-Nacht zeigt. Und dass es auch eine amüsante Seite hat, wenn sich die Lehrerin Kate vor ihren Erstklässlern in den Papierkorb übergibt und es danach Glückwünsche regnet, weil das ja nur heißen kann, dass sie schwanger sein muss.

Nach der Sache mit dem Papierkorb dämmert es Kate (Mary Elizabeth Winstead), dass sie ein Problem haben könnte - noch dazu weil ein Arbeitskollege (Nick Offerman) sie vor der Schulstunde mit ihrem Flachmann gesehen hat und er ihr nun anbietet, sie zu einem Treffen der Anonymen Alkoholiker zu begleiten, die er selbst seit Jahren besucht. Sie möchte erst nicht, vielleicht kann sie ja selbst ein paar Gänge runterschalten. Erst als sie sich wenig später von einer Barbekanntschaft Crack aufschwatzen lässt und am nächsten Morgen unter einer Brücke neben einem Haufen Obdachloser aufwacht, begreift sie, dass sie es allein nicht schaffen wird.

Gemeinsames Trinkerglück?

Wie Kate danach mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker Schritt für Schritt in ein nüchternes Leben findet, ist der uninteressanteste Teil von "Smashed". Denn wie die AA-Methode immer nach dem gleichen 12-Schritte-Muster konzipiert ist, neigen auch Alkoholiker-Filme zum immer gleichen Schema: zunächst Skepsis beim ersten Treffen, dann traurig-gruselige Trinkergeschichten anderer Betroffener in der Runde, ein herzensguter Sponsor (in diesem Fall Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer), der unausweichliche Rückfall und schließlich die Erleuchtung.

Der Liebesfilm, der "Smashed" eben auch ist, ist da deutlich spannender. Kates Mann Charlie (Aaron Paul, bekannt aus "Breaking Bad") ist kein gewalttätiges Säufermonster, wie man sie aus solchen Filmen oft kennt. Er kann nicht ganz verstehen, warum Kate plötzlich so ein Problem mit dem Alkohol haben will. Er möchte sie unterstützen, denn er liebt sie, aber selbst mit dem Trinken aufhören möchte er nicht. Und sie will auch nicht, dass er es nur für sie tut. Sie sind sich beide sicher, dass sie nicht nur der Alkohol verbindet, aber sie ahnen auch beide, wie viel die gemeinsame Trinkerei mit dem gemeinsamen Glück zu tun hatte. Und Kate muss sich fragen, wie viel das große Glück der Nüchternheit wert ist, wenn sie dafür ihre große Liebe aufgeben muss.

Nüchterne Schauspieler geben selten wirklich glaubwürdige Alkoholiker ab, was wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass Alkoholiker alles versuchen, um nüchtern zu wirken und die Schauspieler es mit dem genauen Gegenteil versuchen. Mary Elizabeth Winstead, die ihre Karriere einst in billigen Horrorfilmen wie "Final Destination 3" und "Black Christmas" nicht gerade vielversprechend begann, meidet die Versuchung, ständig als hysterisches Wrack durch die Szenen zu wanken und spielt Kate als nette, manchmal etwas müde aussehende Normalbürgerin, die eben nur dann und wann die Kontrolle verliert. Es ist ein großartiger Auftritt, eben weil er so subtil ist. Denn Menschen wie Kate kennt und mag man viele. Vielleicht sogar ein bisschen in sich selbst.


Smashed. Start. 9.5. Regie: James Ponsoldt. Mit Mary Elizabeth Winstead, Aaron Paul, Nick Offerman, Megan Mullally.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
zoran24 09.05.2013
Ich habe den Film gesehen, und mir hat es sehr gut gefallen. :-) Es lohnt sich:) Zoran Depic
2. Trockener Alkoholiker
minimax9 09.05.2013
Als trockener Alkoholiker werde ich mir das nicht antun. Ich kenne diese Krankheit in all ihren Fasen. Lustig kenn ich keinen der noch akut davon betroffen ist.
3.
pefete 09.05.2013
"Denn wie die AA-Methode immer nach dem gleichen 12-Schritte-Muster konzipiert ist, neigen auch Alkoholiker-Filme zum immer gleichen Schema: zunächst Skepsis beim ersten Treffen, dann traurig-gruselige Trinkergeschichten anderer Betroffener in der Runde, ein herzensguter Sponsor (in diesem Fall Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer), der unausweichliche Rückfall und schließlich die Erleuchtung." dann hoffe ich mal, dass sie nicht nach diesem "langweiligen" kozept ihr leben retten müssen ...
4. Saufen ist amoralisch
nickleby 09.05.2013
Es ist absolut asozial, einen solchen Film als Hohe Kunst anzupreisen. Menschen, die mutwillig trinken und nicht dazu in der Lage sind, sich und ihr Leben in Balance zu halten, brauchen psychiatrische und medizinische Hilfe, die wahrhaftig teuer genug ist, wenn man bedenkt, dass kein Mensch zum Trinken gezwungen wird. Es wäre sinnvoller, Filme über positive, konstruktive Lebensweisen zu drehen und nicht diese selbstzerstörerischen Sujets zu verwenden. Abgesehen vom volkswirtschaftlichen Schaden, der durch Alkoholismus in der Gesellschaft entsteht, ist es höchst unethisch, hilflos betrunkene Menschen als Möglichkeit künstlerischen Wirkens auszubeuten.
5.
kroetilein 09.05.2013
Mir ist dieser Artikel irgendwie zu alkoholfreundlich. Ich habe über Jahrzehnte Alkoholismus bei einem nahen Verwandten erlebt und mitgelitten. "...wie viel Spaß es machen kann, betrunken zu sein...?" Also ich weiß nicht. Da ich es von Kind an erlebt habe, fand ich es noch nie spaßig. Nur peinlich und entwürdigend. Entschuldigung. Vielleicht fehlt mir da der Sinn für Humor.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Video



Facebook

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: