Lola 2012: Krebsdrama gewinnt Deutschen Filmpreis

Große Auszeichnung für die bewegendste Kinogeschichte des Jahres: Das Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" ist zum besten deutschen Film gekürt worden. Das Werk von Regisseur Andreas Dresen gewann vier Lolas. Zur besten Darstellerin wurde Alina Levshin für ihre Rolle in "Die Kriegerin" gekürt.

Lola 2012: Filmemacher im Glück Fotos
DPA

Berlin/Hamburg - Blitzlichtgewitter, tief ausgeschnittene Dekolletés und Tränen der Rührung: Die Verleihung des 62. Deutschen Filmpreises 2012 am Freitagabend bot dem Publikum alles, was eine große Gala verlangt.

Der Deutsche Filmpreis in Gold geht in diesem Jahr an Andreas Dresens Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" - einen mutigen, einen unbequemen Film: Die bewegende Leinwandgeschichte erhielt bei der Preisverleihung im Berliner Friedrichstadt-Palast insgesamt vier der begehrten Lolas.

Völlig überwältigt nahm der Produzent des Siegerfilms, Peter Rommel, die Goldene Lola für "Halt auf freier Strecke" entgegen. "Das ist nicht mal Europapokal, das ist Champions League", sagte Rommel stotternd. Es falle ihm wirklich schwer, die Fassung zu wahren.

Beste männliche Hauptrolle, Beste Regie, Bester Nebendarsteller

"Halt auf freier Strecke" gewann Preise in drei weiteren Kategorien: Dresen für die Beste Regie, Milan Peschel als bester Hauptdarsteller: Als erkrankter Familienvater Frank Lange dokumentiert er in dem emotionalen Siegerfilm sein Sterben mit Videoaufnahmen. Der Schauspieler Otto Mellies wurde als Bester männlicher Nebendarsteller des Dramas geehrt.

Dresens Film erzählt von einem Familienvater, der an einem Hirntumor stirbt. Das Drama lebt von seiner dokumentarischen Erzählweise und Besetzung: Als Nebendarsteller - zum Beispiel Pflegepersonal und Ärzte - sind nicht Schauspieler zu sehen, sondern Laien, die auch im wirklichen Leben diese Berufe ausüben.

Dresen, der bereits 2002 mit "Halbe Treppe" den Filmpreis in Silber gewann und 2009 für den Senioren-Liebesfilm "Wolke neun" als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, bedankte sich sichtlich bewegt bei seinen Freunden.

Beste weibliche Hauptrolle, Bestes Drehbuch

Die 27-jährige Alina Levshin ist mit der Goldenen Lola als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Sie spielt in David Wnendts Film "Kriegerin" eine junge Frau aus der Neonazi-Szene. Wnendt wurde mit einer Lola für das beste Drehbuch geehrt.

Levshin zeigte sich bereits vor der Verleihung nervös. "Ich bin sehr aufgeregt und muss auch ganz oft auf die Toilette", gestand die Schauspielerin.

Auf dem roten Teppich waren auch Michael "Bully" Herbig und Lena bei den Fans äußerst begehrt. Herbig lief im Zickzack über den Teppich, verteilte Autogramme und ließ geduldig Bilder von sich schießen. Auch das Publikum im Saal überzeugte Herbig als Co-Moderator von Jessica Schwarz und Elyas M'Barek, als er mit der Stimme von Thomas Gottschalk auftrat und erklärte, er sei der wahre Gottschalk und die Maskenbildner hätten nur einen "wirklich guten Job" gemacht.

Schwarz, die zunächst in einem weißen Abendkleid, später in einer schwarzen Robe auftrat, teilte gleich zu Beginn der Gala einige spitze Kommentare aus: Der Stuhl von Christian Wulff sei frei geblieben, da dieser gerade mit seinem Freund, dem umstrittenen Filmproduzenten Gronewold, auf Sylt sei, sagte Schwarz.

Bester Dokumentarfilm

Auch sonst spielte Politik bei der diesjährige Verleihung der Lola eine besondere Rolle. So ließ es sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann zu Beginn der Veranstaltung nicht nehmen, die ARD für ihr Angebot an Dokumentarfilmen zu kritisieren. Entgegen des Auftrags, sich insbesondere für Kultur zu engagieren, würden Dokumentarfilme immer weniger unterstützt und auf Sendeplätze kurz vor Mitternacht verlegt, sagte der CDU-Politiker.

Bei der Gala wurde als Bester Dokumentarfilm das Malerporträt "Gerhard Richter Painting" von Corinna Belz ausgezeichnet. "Ich danke Gerhard Richter für seine Großzügigkeit und sein Vertrauen in meine Arbeit", sagte die Regisseurin.

Beste Nebendarstellerin

Für ihre Rolle in dem Drama "Die Unsichtbare" ging die Lola für die Beste Nebendarstellerin an Dagmar Manzel. Sie spielte in Christian Schwochows Film eine alleinerziehende Mutter. Es ist der erste Deutsche Filmpreis für die Schauspielerin. Schwochow erzählt in seiner Leinwandgeschichte von den Seelennöten einer Schauspielschülerin.

Bester Kinderfilm

Die Goldene Lola für den besten Kinderfilm ging an das Familiendrama "Wintertochter". Regisseur Johannes Schmid begleitet ein Mädchen, das auf der Suche nach seiner wahren Herkunft ist. Der Film ist eine deutsch-polnische Co-Produktion.

Ton, Maske, Kostüm, Schnitt, Kamera, Szenenbild

Roland Emmerichs Shakespeare-Thriller "Anonymus" hat bei der Filmpreis-Gala in Berlin gleich sechs Lolas abgeräumt - allerdings nur in Nebenkategorien. Das Werk gewann die Preise für die beste Tongestaltung, das beste Maskenbild, das beste Szenenbild, das beste Kostümbild, den besten Schnitt sowie die beste Kamera/Bildgestaltung.

Beste Filmmusik

Die Lola für die Beste Filmmusik gewann der aufrüttelnde Klima-Thriller "Hell". Das Drama des Schweizer Regisseurs Tim Fehlbaum mit Hannah Herzsprung in der Hauptrolle ist eine beklemmende Vision über die Folgen der Erderwärmung.

Ehrenpreis für Michael Ballhaus

Zu Beginn der Gala überreichte Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, den Ehrenpreis an den Kameramann Michael Ballhaus für sein Lebenswerk und für "hervorragende Verdienste um den deutschen Film". Der 76-Jährige, der mit Hollywood-Produktionen wie "Goodfellas" oder "Departed - Unter Feinden" Furore machte, drehte unter anderem 17 Filme mit Regisseur Rainer Werner Fassbinder und sieben mit Martin Scorsese. "Danke für deine wunderbaren Bilder", sagte Berben. Sie würdigte Ballhaus als "Kameragott".

Der Favorit des Abends, Christian Petzolds DDR-Drama "Barbara", war zwar mit acht Nominierungen ins Lola-Rennen gegangen, gewann dann aber nur die Silberne Lola für den besten Spielfilm.

Bei den Lolas handelt es sich um den am höchsten dotierten Kulturpreis Deutschlands. Insgesamt werden in 16 Kategorien sowie für den Ehrenpreis knapp drei Millionen Euro Preisgelder ausgeschüttet.

bos/dpa/dapd

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Die Preise ...
Claudiusflex 27.04.2012
... sind ganz in Ordnug besonders für den immer wieder grossartigen Milan Peschel. Man könnte allerdings zu Nominierungen und Preisträgern auch noch gut einen bemerkenswerten Artikel von Dominik Graf lesen: Deutscher Filmpreis: "Das Grauen... das Grauen!" | Kultur | ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/2012/18/Deutscher-Filmpreis). Bin kein Arthousefilm-Gegner, ganz im Gegenteil, aber trotzdem. Und zur Fotostrecke: Wann belohnt man Frau Sawatzki endlich mit einer Rolle in einer Hänsel-und-Gretel Verfilmung?
2. mutig?
fanboy666 28.04.2012
"Der Deutsche Filmpreis in Gold geht in diesem Jahr an Andreas Dresens Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" - einen mutigen, einen unbequemen Film" Der Film ist wunderbar und ergreifend, keine Frage. Aber mutig? Mutig auf keinen Fall. Eher schwermütig. Typisch deutsches Film-Thema eben. Mutig ist "Hell". Einen solchen Film in Deutschland auf die Beine zu stellen, ist zukunftsweisend. Gut, dass er so viel Beachtung fand, schade, dass er so wenig Preise bekam. Also wann ist die Zeit der Christian Petzolds und Dominik Grafs endlich vorbei, damit das deutsche Kino mal aus seinem Sumpf der Schwermut kommt? Bitte mehr Filme wie "Hell", denn für sowas wurde Kino erfunden.
3.
sietian 28.04.2012
Schön, wieder einmal ein Film für das anspruchsvolle Dutzend des deutschen Feuilletons. Aber müssen wirklich jährlich Millionen für die Filmförderung ausgegeben werden, nur damit die paar Leutchen glücklich sind?
4. Nicht sehenswert
BjoBa 28.04.2012
Zitat von sysopdapdGroße Auszeichnung für die bewegendste Kinogeschichte des Jahres: Das Krebs-Drama "Halt auf freier Strecke" ist zum besten deutschen Film gekürt worden. Das Werk von Regisseur Andreas Dresen gewann drei Lolas. Zur besten Darstellerin wurde Alina Levshin für ihre Rolle in "Die Kriegerin" gekürt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,830290,00.html
Hallo, bin gestern durch Zufall in diese Veranstaltung reingezapt und war entsetzt. Da wurde gesagt, dass Preise im Wert von 3 Mio verteilt werden, an Leute die sich selber feiern und die keiner wirklich kennt. Wir müssen dafür unsere Fernsehgebühren bezahlen. Alle dort haben eine Laudatio gehalten und jeder war mit jedem ein grosser Freund und ein ganz toller Mensch. Wann beginnt man endlich Geld an Menschen zu verteilen, die wirklich was leisten und schafft folgendes im Fernsehen ab: Fernsehpreise, überdeminsionierte Sportrechte, Talkshows, überdemensionierte Konzerte, an denen hauptsächlich Fernsehmitarbeiter die Freikarten erhalten...
5.
Taske 28.04.2012
Hirntumore, Greisensex, Neonazis, Integrationsklamotten ... Der deutsche Film, wie man ihn kennt und liebt! Ich werde wohl vor der Kinokasse zelten müssen ...
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