Deutscher Filmpreis 2013: Sechs Lolas für "Oh Boy"

Deutscher Filmpreis 2013: Fesche Lolas Fotos
Getty Images

Ein kleines Kino-Projekt wird groß gefeiert: Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises ist Jan Ole Gersters Debüt "Oh Boy" mit sechs "Lolas" ausgezeichnet worden. Als beste Darstellerin wurde Barbara Sukowa für ihre Hauptrolle in "Hannah Arendt" geehrt.

Berlin - Bester deutscher Spielfilm, beste Regie, bestes Drehbuch, beste männliche Haupt- und Nebendarsteller, beste Filmmusik: Gleich sechs Lolas gehen an das charmante melancholische Debüt "Oh Boy" des Filmemachers Jan Ole Gerster. Die Goldene Lola als bester Hauptsdarsteller gewann der Schauspieler Tom Schilling. Er spielt in dem Film einen Studienabbrecher, der sich durch Berlin treiben lässt. Den Preis für den besten Nebendarsteller sicherte einer der ganz großen deutschen Darsteller für "Oh Boy", der 71-jährige Michael Gwisdek.

Tom Tykwers Drama "Cloud Atlas", das mit neun Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangen war, konnte fünf Lolas einheimsen. Die mit den US-Regisseuren Lana und Andy Wachowski realisierte 100-Millionen-Dollar-Produktion wurde für die beste Kamera (John Toll, Frank Griebe), das beste Szenenbild (Uli Hanisch, Hugh Bateup), die besten Kostüme (Kym Barrett, Pierre-Yves Gayraud), den besten Schnitt (Alexander Berner) sowie für die Maske (Daniel Parker, Jeremy Woodhead) ausgezeichnet.

Beste Hauptdarstellerin: Barbara Sukowa in "Hannah Arendt"

Bereits vor rund 25 Jahren war Barbara Sukowa in die Rolle einer bedeutenden deutschen Intellektuellen geschlüpft, schon damals gewann sie für ihre Darstellung in "Rosa Luxemburg" den Deutschen Filmpreis. Jetzt ist die Schauspielerin für ihre Rolle in der Filmbiografie "Hannah Arendt" mit der Goldenen Lola als beste Hauptdarstellerin geehrt worden.

Die 63-Jährige erhielt die Auszeichnung am Freitag bei der Preisgala im Berliner Friedrichstadt-Palast. Sukowa spielt in dem Film von Margarethe von Trotta die deutsch-jüdische Philosophin Hannah Arendt, die sie mit der typischen Leichtherzigkeit des Big Apple verkörpert. Die Schauspielerin lebt selbst seit vielen Jahren in New York.

Zur besten Nebendarstellerin wurde Christine Schorn, 69, für ihre Darstellung in der Tragikomödie "Das Leben ist nichts für Feiglinge" gekürt.

Die Goldene Lola für den besten Dokumentarfilm geht an "More Than Honey". Der Film von Markus Imhoof erzählt vom Leben und Sterben der zunehmend bedrohten Bienenvölker weltweit und ihrer Bedeutung für das Fortbestehen einer intakten Umwelt. Es ist das melancholische Porträt eines wundersamen, missverstandenen Tieres.

Sehr gerührt war der Regisseur, Schauspieler und Autor Werner Herzog, als er die Ehren-Lola für sein Lebenswerk entgegennahm. Der 70-jährige Filmemacher ("Aguirre, der Zorn Gottes", "Fitzcarraldo") war aus seiner Wahlheimat Los Angeles angereist und der Applaus für ihn wollte gar kein Ende nehmen. "Ich war der Einzige, der wusste, was auf ihn zukommt. Aber jetzt wird es mir doch ganz anders. Sie dürfen das auch nicht als Abschied missverstehen, ich gehe nicht in Pension", sagte Herzog und versprach, es werde bald neue Filme von ihm zu sehen geben.

Der Preis für die beste Kinderproduktion ging an den Spielfilm "Kaddisch für einen Freund" von Leo Khasin. Der Deutsche Filmpreis ist mit insgesamt fast 3 Millionen Euro Preisgeldern die höchstdotierte Kulturauszeichnung Deutschlands.

bos/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Endlich!!
sinchez 26.04.2013
'Oh Boy' ist ein super Film! Freut mich, dass das auch andere so sahen
2.
_muskote 26.04.2013
was ist der grund für das starke hervorheben der preisträgerIn? sind die männlichen preisträger so viel weniger erwähnenswert?
3. Schlaffer Jahrgang,oh Boy.....
kikkerikki 27.04.2013
Aber die Kostüme in der cloud waren großes Kino und die Hanna werd ich mir auch in 20 Jahren noch ansehen können -das hat Besstand - herzlichen Glückwunsch !
4. Na wunderbar!
maxmustermann76 27.04.2013
dann kann man ja den deutschen Qualitäts-Kinofilm jetzt auch komplett ohne staatliche Förderung und sowieso ohne jegliches Geld herstellen. Wenn sich ein Low-low Budget Film wie "Oh Boy", den vor seiner Fertigstellung so gut wie niemand mitfinanzieren wollte, in allen massgeblich kreativen Kategorien zu so derartigen Höhen aufschwingt und die 90 Millionen Euro Produktion "Cloud Atlas" derartig bedrängt, kann da nur irgend etwas faul sein im deutschen Fördersumpf. Scheinbar wurde wieder einmal eine gewisse Qualität in der Fördergremien "übersehen". Weiter so!
5. Wöchentliche Verleilung von Film und Fernsehpreisen
horstbier 27.04.2013
Keine Branche versteht es so sich selbst zu feiern, obwohl nichts besonderes geleistet wird. Schauspieler und andere Künstler machen ihren Job wie andere Menschen, obwohl diese Anderen keine Preise dafür bekommen, aber Wichtigeres für die Gesellschaft leisten. Kultur ist wichtig, sollte jedoch auch verpflichten, dass Küntler bescheidener auftreten.
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