Deutscher Filmpreis "Das Leben der Anderen" räumt ab 

Er war der unbestrittene Spitzenreiter bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises: der Stasi-Film "Das Leben der Anderen". Die Produktion über den DDR-Geheimdienst gewann den Deutschen Filmpreis in Gold und räumte außerdem noch in mehreren anderen Kategorien ab.


Berlin - "Ach, herrlich! Diesen Preis verdanke ich denen, die das Drehbuch ohne Vorurteile gelesen haben", rief Florian Henckel von Donnersmarck begeistert als er den Preis für seine Debütarbeit entgegennahm. "Wir wollten einen Film machen, der die Herzen erreicht, aber die Zuschauer trotzdem ernst nimmt." Der Stasi-Thriller "Das Leben der Anderen" siegte bei der Filmpreis-Verleihung am Abend in Berlin in der Königskategorie: Die Produktion, die schon im Vorfeld als Favorit gehandelt worden war, wurde als "Bester Film" prämiert - und nicht nur das. Sie erhielt im Laufe der feierlichen Gala noch zahlreiche weitere der heiß begehrten "Lolas". Immer wieder wurden Mitwirkende des Films auf die Bühne im Palais am Funkturm gebeten, um sich ihren Preis abzuholen. 

Donnersmarck selbst, Regisseur und Drehbuchautor des Films, erhielt für die Geschichte über einen Stasi-Hauptmann, der ein Künstlerehepaar ausspioniert und sich dabei seiner eigenen Armseligkeit bewusst wird, den Deutschen Filmpreis für die "Beste Regie". Als "Bester Darsteller" wurde Ulrich Mühe für die Rolle des Stasi-Hauptmanns ausgezeichnet. Den Preis als "Bester Nebendarsteller" erhielt Ulrich Tukur. Der vieldiskutierte Film zur Aufarbeitung deutscher Geschichte hatte in den vergangenen Monaten mehr als 800.000 Menschen in die deutschen Kinos gezogen. Er war bereits im Januar mit vier Bayerischen Filmpreisen ausgezeichnet worden und räumte beim Deutschen Filmpreis nun gleich in insgesamt sieben Kategorien ab. Die Mitfavoriten "Sommer vorm Balkon" und "Elementarteilchen" dagegen gingen leer aus.

Der Filmpreis in Silber ging zu gleichen Teilen an das packende Neuköllner Sozialdrama "Knallhart" von Detlev Buck und den aufwühlenden Exorzismus-Film "Requiem" von Hans-Christian Schmid. "Ich hatte sehr viel Angst am Anfang", bekannte Buck und bemerkte dann lakonisch: "Wir haben noch nie so einen gesellschaftspolitisch relevanten Film gemacht, und wir hatten auch noch nie so wenig Zuschauer."

Immerhin fünf Lolas erhielt "Requiem". Darunter wurde Imogen Kogge als beste Nebendarstellerin geehrt. "Dass man so einen schönen Preis für so eine spröde, nicht gerade als Sympathieträger geltende Figur bekommt, das ist toll", sagte Kogge, die in dem Drama eine bigotte Mutter spielt.

Sandra Hüller bekommt Lola als "Beste Schauspielerin"

Der Deutsche Filmpreis gilt als eine der begehrtesten Trophäen für deutsche Kinokunst. Er ist mit rund 2,8 Millionen Euro die am höchsten dotierte Kulturauszeichnung in Deutschland. Insgesamt wurde der Preis am Freitagabend in 15 Kategorien vergeben. Beste Schauspielerin wurde Sandra Hüller für ihre Rolle einer psychisch Kranken in "Requiem". Für die Darstellung der jungen Frau, die sich vermeintlich vom Teufel besessen fühlt, hatte Hüller bereits den Silbernen Bären der Berlinale erhalten. die 87-jährige Erna Baumbauer, die legendäre Künstleragentin von Größen wie Ulrich Tukur und Sebastian Koch, Otto Sander und Iris Berben, Martina Gedeck, Erika Pluhar und Ulrich Mühe, erhielt den Ehrenpreis der deutschen Filmakademie für ihr Lebenswerk.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte in seiner Begrüßungsansprache, 2006 sei eines der besten Jahre des deutschen Films. Nach vielen Jahren des Selbstmitleides sei die Stimmung umgeschlagen. Gerade 2005/06 "haben wir eine enorm vielfältige Produktion. Wir haben viele großartige Stars hier in Deutschland. Wir können stolz sein." 

Die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis wurden zum zweiten Mal von der 2003 gegründeten Deutschen Filmakademie und ihren rund 700 Mitgliedern vorgenommen. Die Preisträger werden in ebenfalls geheimer Abstimmung von allen Akademie-Mitgliedern gewählt. Früher hatte eine unabhängige Jury aus Politikern, Kirchenvertretern und Kritikern die Preisträger gewählt.

fok/ddp/AP/dpa/



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