Hamburg/Berlin - Die Filme könnten unterschiedlicher nicht sein - und sind doch beide heiße Anwärter auf den Deutschen Filmpreis. Die Bestsellerverfilmung "Cloud Atlas" ist mit 100 Millionen Dollar der teuerste deutsche Film aller Zeiten und glänzt mit Effekten und Überwältigungsbilderwelt, er ist für insgesamt neun Lolas nominiert. "Oh Boy", ein kleines melancholisches Spielfilmdebüt in Schwarzweiß um einen Berliner Loser, ist für acht Lolas nominiert. Es heißt also bei der diesjährigen Ausgabe des Filmpreises: Big Budget versus Indie.
Ebenfalls Hoffnungen auf Lolas dürfen sich die Macher des Biopic "Hannah Arendt" machen, es erhielt sechs Nominierungen. Das gaben am Freitag Kulturstaatsminister Bernd Neumann und die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, in Berlin bekannt.
Insgesamt sechs Filme bewerben sich um den Hauptpreis für den besten Spielfilm: Neben "Cloud Atlas" (Regie: Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski), "Oh Boy" (Regie: Jan-Ole Gerster) und "Hannah Arendt" (Regie: Margarethe von Trotta), Oskar Roehlers Familiensaga "Quellen des Lebens", Julian Roman Pölslers Romanverfilmung "Die Wand" und Cate Shortlands "Lore" über die Tochter eines Nazis.
Zwei große deutsche Namen sind nicht vertreten: Weder der auf der Vorauswahlliste genannte Film "Schlussmacher" von Publikumsliebling Matthias Schweighöfer noch Til Schweigers "Schutzengel" schaffte es in die Endauswahl.
Prominenz spielte bei der Nominierungskommission offensichtlich keine große Rolle - was sich auch in der Kategorie "Bester Schauspieler" niederschlägt: Da treten Tom Schilling für "Oh Boy" an sowie Sabin Tambrea ("Ludwig II.") und Edin Hasanovic ("Schuld sind immer die anderen"). Zwei weitere "Oh Boy"-Schauspieler sind als Nebendarsteller nominiert: Friederike Kempter und Michael Gwisdek. Als beste Hauptdarstellerin sind im Rennen: Martina Gedeck für "Die Wand", Birgit Minichmayr für ihre Leistung in dem Fahrerflucht-Drama "Gnade" sowie Barbara Sukowa für die Titelrolle von "Hannah Arendt".
Als beste Kinderfilme gehen "Das Haus der Krokodile" von Cyrill Boss und Philipp Stennert sowie "Kaddisch für einen Freund" von Leo Khasin an den Start. Drei Filme sind in der Sparte bester Dokumentarfilm in der Konkurrenz: "Vergiss mein nicht" von David Sieveking, "Die Wohnung" von Arnon Goldfinger und "More Than Honey" von Markus Imhoof.
Der Deutsche Filmpreis ist mit insgesamt knapp drei Millionen Euro Preisgeld der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Die Gala findet am 26. April im Berliner Friedrichstadtpalast statt. Ein Gewinner steht bereits fest: Der in Hollywood lebende Großregisseur Werner Herzog ("Fitzcarraldo") wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
cbu/dpa
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