"Die Lügen der Sieger" Der beste deutsche Polit-Thriller seit Jahren

Ein lässiger Investigativ-Reporter will es mit den Berliner Strippenziehern aufnehmen - und verheddert sich im Hauptstadtdschungel. "Die Lügen der Sieger" mit Florian David Fitz ist ein deutscher Polit-Thriller, der den Namen auch verdient.


Ein cooler Hund, dieser Fabian Groys (Florian David Fitz). Fährt Vintage-Porsche und verschleudert bei illegalem Glücksspiel schon mal ein Monatsgehalt. Schlendert lässig durch die Redaktionsflure des bedeutenden Nachrichtenmagazins, für das er als Investigativ-Reporter arbeitet. Findet sich offensichtlich selbst ziemlich geil. Groys ist ein Macher, ein Getriebener, der nicht ruht, bis er die Wahrheit ans Licht bringt. Eine Figur, wie das Genre-Kino sie braucht: charismatisch, arrogant und mit seelischen Abgründen. Und: Die Hauptfigur des besten deutschen Polit-Thrillers seit Jahren.

"Die Lügen der Sieger" von Christoph Hochhäusler ist so großartig, weil er Genre-Erwartungen ernst nimmt. Und sie dann, wie alle intelligenten Polit-Thriller, unterläuft. Zum Helden bringt es dieser Fabian Groys nämlich nicht. Die Zeiten, in denen Reporter Polit-Skandale aufdeckten und damit die Demokratie retteten - wie in dem Klassiker "Die Unbestechlichen" von 1976 - sind hier längst vorbei. Zu unübersichtlich und fragmentiert der politische Raum, zu undurchsichtig die Motive der Handelnden, zu viele Unbekannte im Spiel. "Die Lügen der Sieger" ist ein Thriller über Lobbyisten und Spin-Doktoren, die tief verborgen im Gestrüpp des Berliner Medien- und Polit-Dschungels agieren.

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"Die Lügen der Sieger": Im Berliner Medien- und Polit-Dschungel
Dabei verspricht die Story, an der Groys anfangs arbeitet, eine große Sache zu werden. Anscheinend frisiert die Bundeswehr Statistiken und vertuscht, dass viele Soldaten als psychische Wracks aus Afghanistan zurückkehren. Ein Informant will ihm Dokumente zuspielen, die das belegen. Aber in letzter Sekunde bekommt der Mann kalte Füße. Die Story droht zu platzen.

Gelenkt von verborgenen Mächten

Zu allem Übel drückt ihm sein Chefredakteur die Volontärin Nadja (Lilith Stangenberg) aufs Auge. Um sie zu beschäftigen, lässt er sie die Hintergründe einer merkwürdigen Geschichte recherchieren: Im Gelsenkirchener Zoo hat sich ein Mann in einen Löwenkäfig gestürzt und zerfleischen lassen. Er war bei einer Recyclingfirma beschäftigt - und die ist allem Anschein nach in einen handfesten Vergiftungsskandal verwickelt. Sofort ist Fabians Interesse geweckt, zumal es Hinweise darauf gibt, dass die beiden Skandale miteinander in Verbindung stehen: Hat die Bundeswehr die Firma dazu benutzt, hier unauffällig ihre Invaliden verschwinden zu lassen?

Schon immer hingen die Protagonisten in Hochhäuslers Filmen wie Marionetten an unsichtbaren Fäden, gelenkt von verborgenen Mächten. Zum Teil zerrten gesellschaftliche Verhältnisse an ihnen, politische Fliehkräfte wirkten auf sie ein. Aber auch die Figuren selbst und ihr Agieren blieben undurchsichtig, sie waren Gefangene unbewusster seelischer Deformationen. So wie der Banker Roland Cordes in "Unter Dir die Stadt" (2010), Hochhäuslers Kommentar zur Bankenkrise.

Das Drehbuch zu diesem Film wie auch zu "Die Lügen der Sieger" schrieb er gemeinsam mit dem Schriftsteller und Psychologen Ulrich Peltzer ("Teil der Lösung"), der in seinen Gegenwartsromanen ebenfalls das Private mit dem Politischen verknüpft. "Unter Dir die Stadt" endete mit einem fulminanten, rätselhaften Finale und machte Christoph Hochhäusler endgültig zu einem der aufregendsten Regisseure Deutschlands.

Was bisher fragmentarisch durch seine Filme geisterte und immer wieder flackernd aufschien - vor allem in "Eine Minute Dunkel", seiner Version eines TV-Krimis und Teil des legendären "Dreileben"-Projekts - das tritt nun in "Die Lügen der Sieger" deutlich zum Vorschein. Es ist die Liebe zum amerikanischen und französischen Genre-Kino.

"Aus Sehnsucht nach Filmen, die es nicht gibt"

"Warum ich diesen Film machen wollte? Aus Sehnsucht nach Filmen, die es nicht gibt, die uns fehlen", wird Hochhäusler im Presseheft zitiert. Ernsthafte Genre-Filme, Thriller, Horror, Komödien, die nach bestimmten Regeln funktionieren und zugleich intelligent und reflektiert über die Welt erzählen, in der wir leben.

Mit "Die Lügen der Sieger" verlässt Hochhäusler also endgültig den Hinterhof der Berliner Schule und sucht das breite Publikum. Deshalb spielt die Hauptrolle Florian David Fitz, der seit "Doctor's Diary" und "Vincent will Meer" dem am nächsten kommt, was man in Deutschland als Star bezeichnen kann. Deshalb die Teambildung von Fabian und Nadja, die Genre-Regeln folgt und natürlich in einer fast schon verschämt nachgeschobenen Liebesgeschichte mündet. Deshalb die für Hochhäuslers Verhältnisse überdeutliche Botschaft.

Auch die Darstellung journalistischer Arbeitsmethoden und redaktioneller Abläufe erscheint in diesem Zusammenhang arg vereinfachend. Umso komplexer aber inszeniert Hochhäusler den Rest des Films. Die Lobbyisten bleiben für Groys unsichtbare Gegner, ihre Machenschaften auch für den Zuschauer lange Zeit verwirrende Fragmente aus unverständlichen Gesprächen und merkwürdigen Rollenspielen.

Ganz langsam schälen sich ihre Motive und Ziele heraus, der Film gewinnt mehr und mehr an Spannung. Vertieft wird das durch die stilistische Brillanz der Bildsprache mit ihrer um die eigene Achse kreisenden Kamera und den ebenso eleganten wie irritierenden Lichteffekten. Die allgegenwärtige, kaum fassbare Bedrohung, die Hochhäusler evoziert, sie schlägt sich nieder in jedem einzelnen dieser heißkalten Digitalbilder.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Die Lügen der Sieger":

"Die Lügen der Sieger"

    Deutschland 2014

    Regie: Christoph Hochhäusler

    Drehbuch: Christoph Hochhäusler, Ulrich Peltzer

    Darsteller: Florian David Fitz, Lilith Stangenberg, Horst Kotterba

    Verleih: NFP

    Länge: 102 Minuten

    FSK: ab 12 Jahren

    Start: 18. Juni 2015

  • Offizielle Website zum Film

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
juergw. 17.06.2015
1. Die ganze Wahrheit...
es ist interessant ,das jetzt der NSA Lauschangriff und die darin verwickelten Politiker in diesem Politik-Thriller Die Lügen der Sieger gezeigt werden. Bravo.
Qual 17.06.2015
2. Sind Sie wirklich sicher?
Sind Sie wirklich sicher, dass es sich mal wieder lohnen könnte etwas aus D anzuschauen? Ich würde mich wirklich freuen. Eine Rolle ist leider schon mal wieder mit einer überpräsenten Figur(man wird regelrecht aus Filmen gerissen bei solchen Figuren und bekommt auch noch ein ungutes Gefühl dazu) besetzt die nur noch nervt. Der wahre Filmfan sieht sie im Trailer sofort.
bugmen0t 17.06.2015
3. Nicht gut
Ich fand den Film langweilig und es fehlen Zusammenhänge. Es werden Dinge angedeutet, die nie wieder aufgegriffen werden und man fragt sich die ganze Zeit, wie da der Zusammenhang in den Verstrickungen ist. Es wird aber nie weiter vertieft und erklärt. Auch sonst bleiben die Handlungen im Diffusen und man wartet die ganze Zeit, dass sich das Gesamtbild zeigt, etwas aufgedeckt oder erklärt wird und dass jemand Konsequenzen tragen muss. Nur wartet man darauf vergebens und es bleibt der Eindruck: gewollt und nicht gekonnt.
motivation 17.06.2015
4.
Leider sind Deutsche filme nur Abklatsch von den Amis. Alle filme der deutschen ähneln sich nur von amerikanischen filmen
Newspeak 17.06.2015
5. ...
Zitat von bugmen0tIch fand den Film langweilig und es fehlen Zusammenhänge. Es werden Dinge angedeutet, die nie wieder aufgegriffen werden und man fragt sich die ganze Zeit, wie da der Zusammenhang in den Verstrickungen ist. Es wird aber nie weiter vertieft und erklärt. Auch sonst bleiben die Handlungen im Diffusen und man wartet die ganze Zeit, dass sich das Gesamtbild zeigt, etwas aufgedeckt oder erklärt wird und dass jemand Konsequenzen tragen muss. Nur wartet man darauf vergebens und es bleibt der Eindruck: gewollt und nicht gekonnt.
Es gibt Filme, die sind tatsächlich schlecht, weil sie erst Dinge entwickeln, aber dann nicht weiterverfolgen oder aufklären. Es gibt aber auch Filme, die sind gerade deshalb gut. In diesem Fall sollte man vielleicht mal seine Erwartungen als Zuschauer hinterfragen. Filme, die alles zu Tode erklären, gibt es nämlich genug und meistens sind sie nur eine konstante Beleidigung der Intelligenz der Zuschauer.
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