Los Angeles - Nach dem Debakel mit dem Fantasyfilm "John Carter" hat Disneys Filmchef Rich Ross seinen Rücktritt erklärt. Er glaube, nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort zu sein, erklärte Ross am Freitag. Deshalb trete er mit sofortiger Wirkung als Chef der Walt-Disney-Filmstudios zurück. Auf die miserablen Zuschauerzahlen von "John Carter" ging Ross in seiner Erklärung nicht explizit ein.
Der Fantasyfilm über einen Soldaten aus dem US-Bürgerkrieg, den es auf den Mars verschlägt, dürfte einer der größten finanziellen Leinwand-Misserfolge aller Zeiten sein. Disney selbst rechnet nach eigenen Angaben damit, mit dem Film einen Verlust in Höhe von 200 Millionen Dollar (151 Millionen Euro) einzufahren. Im vergangenen Jahr hatte auch der Animationsfilm "Milo und Mars" dem Studio ein Minus von 70 Millionen Dollar eingebracht.
Das Science-Fiction-Spektakel "John Carter" sollte Disneys Antwort auf "Avatar" werden, doch der Film startete noch schlechter als erwartet. Das Abenteuer nach dem Buch von "Tarzan"-Erfinder Edgar Rice Burroughs, ließ die Kinogänger vor allem in den USA weitgehend kalt. Selbst am Eröffnungswochenende spielte der Film nur etwa 30 Millionen Dollar ein und fand nicht einmal halb so viele Zuschauer wie der Animationsfilm "Lorax". Die tendenziell enttäuschenden Kritiken dürften ihr Übriges getan haben. Analysten rechneten daher schon vor der Bekanntgabe der Disney-Zahlen mit einem Minus von bis zu 165 Millionen Dollar.
Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte Regisseur Stanton, er sei sich des ungeheuren Erfolgsdrucks und vor allem des Risikos durchaus bewusst gewesen: "Ich habe mich bisher in diesem hermetisch abgeriegelten Nirvana namens Pixar bewegt - einem warmen Nest mit Unterstützung von allen Seiten. Nun sollte ich diese heile kleine Welt verlassen und im großen, dysfunktionalen Hollywood-Zirkus, wo die Dinge seit langem kaputt sind, etwas tun, was ich noch nie gemacht habe." Die Verantwortung für das Debakel sieht er allerdings nicht allein bei sich: "Außerdem haben die Verantwortlichen bei Disney die Probeaufnahmen gesehen, sie hätten jederzeit einschreiten können", sagte Stanton.
hei/AFP/AP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Kino | RSS |
| alles zum Thema Disney | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH