Nach "John Carter"-Flop: Disney-Chef Ross tritt zurück

Miserable Zuschauerzahlen und Verluste im dreistelligen Millionenbereich: Der Chef der Disney-Filmstudios Rich Ross hat mit sofortiger Wirkung seine Arbeit niedergelegt. Er sei nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort, erklärte der 50-Jährige. Zu Fall gebracht hat ihn der Fantasyfilm "John Carter".

Ex-Disney-Chef Rich Ross: Nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort Zur Großansicht
AP

Ex-Disney-Chef Rich Ross: Nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort

Los Angeles - Nach dem Debakel mit dem Fantasyfilm "John Carter" hat Disneys Filmchef Rich Ross seinen Rücktritt erklärt. Er glaube, nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort zu sein, erklärte Ross am Freitag. Deshalb trete er mit sofortiger Wirkung als Chef der Walt-Disney-Filmstudios zurück. Auf die miserablen Zuschauerzahlen von "John Carter" ging Ross in seiner Erklärung nicht explizit ein.

Der Fantasyfilm über einen Soldaten aus dem US-Bürgerkrieg, den es auf den Mars verschlägt, dürfte einer der größten finanziellen Leinwand-Misserfolge aller Zeiten sein. Disney selbst rechnet nach eigenen Angaben damit, mit dem Film einen Verlust in Höhe von 200 Millionen Dollar (151 Millionen Euro) einzufahren. Im vergangenen Jahr hatte auch der Animationsfilm "Milo und Mars" dem Studio ein Minus von 70 Millionen Dollar eingebracht.

Das Science-Fiction-Spektakel "John Carter" sollte Disneys Antwort auf "Avatar" werden, doch der Film startete noch schlechter als erwartet. Das Abenteuer nach dem Buch von "Tarzan"-Erfinder Edgar Rice Burroughs, ließ die Kinogänger vor allem in den USA weitgehend kalt. Selbst am Eröffnungswochenende spielte der Film nur etwa 30 Millionen Dollar ein und fand nicht einmal halb so viele Zuschauer wie der Animationsfilm "Lorax". Die tendenziell enttäuschenden Kritiken dürften ihr Übriges getan haben. Analysten rechneten daher schon vor der Bekanntgabe der Disney-Zahlen mit einem Minus von bis zu 165 Millionen Dollar.

Fotostrecke

7  Bilder
Disney-Spektakel "John Carter": Bürgerkrieg auf dem Mars
Dabei hatte Disney sehr große Erwartungen in "John Carter" gesetzt: Das Studio engagierte den Oscar-gekrönten Regisseur Andrew Stanton, der zuvor bei Pixar große Erfolge mit "Findet Nemo" und "Wall-E" gefeiert hatte - beides computeranimierte Filme.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte Regisseur Stanton, er sei sich des ungeheuren Erfolgsdrucks und vor allem des Risikos durchaus bewusst gewesen: "Ich habe mich bisher in diesem hermetisch abgeriegelten Nirvana namens Pixar bewegt - einem warmen Nest mit Unterstützung von allen Seiten. Nun sollte ich diese heile kleine Welt verlassen und im großen, dysfunktionalen Hollywood-Zirkus, wo die Dinge seit langem kaputt sind, etwas tun, was ich noch nie gemacht habe." Die Verantwortung für das Debakel sieht er allerdings nicht allein bei sich: "Außerdem haben die Verantwortlichen bei Disney die Probeaufnahmen gesehen, sie hätten jederzeit einschreiten können", sagte Stanton.

hei/AFP/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Der Mars...
MarkusRiedhaus 21.04.2012
war, ist und wird immer ein Flop werden in der Film-Branche. Der simple Grund ist, dass er mit Ödland, Leere und Langeweile assoziiert wird. Ich prophezeie sogar, dass eine reale Mars-Mission für viele Menschen als uninteressant befunden und bewertet wird und die meisten Leute bei einer glücklichen Landung mit den Schultern zucken und "Jo, so ist das halt mit dem Mars" sagen werden, wenn das nicht von den Medien gehyped wird. Der Mars ist seit Jahrzehnten ein Synonym für Langeweile geworden.
2.
Cassandra105 21.04.2012
Zitat von sysopAPMiserable Zuschauerzahlen und Verluste im dreistelligen Millionenbereich: Der Chef der Walt-Disney-Filmstudios Rich Ross hat mit sofortiger Wirkung seine Arbeit niedergelegt. Er sei nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort, erklärte der 50-Jährige. Zu Fall gebracht hat ihn vor allem der Fantasyfilm "John Carter". http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,828886,00.html
Eigentlich verwunderlich, war zwar selbst noch nicht drin, hab aber recht Gutes vom Film gehört. War halt kein brutales, vollkommen sinnloses Abschlachten von Kindern, auf sowas stehen die Leute z.Z. ja mehr im Kino...
3.
thechamelion3@web.de 21.04.2012
einfach kein Wunder. Da Ding ist halt ewig alt und kommt halt nicht so abgespaced daher wie Iron Sky, der im grunde durchgaengig als Parodie gesehen werden kann und so abstrus ist, das es schon wieder lustig und unterhaltsam ist. JOhn Carter dagegen, der Film kann garkeinen vom Hocker reissen.
4.
asdf01 21.04.2012
Letztlich sind es in erster Linie die hohen Produktionskosten bzw. der US-Markt, die es zu einem "Flop" machen, der Film hat immerhin bisher weltweit 270 Millionen Dollar eingespielt. Letztlich wird der Verlust nach der ganzen Verwertungskette wohl nicht so gigantisch sein. Sicherlich alles andere als ein Erfolg, aber auch weit vom "größten Flop aller Zeiten" enfernt.
5.
capitolversicherung 21.04.2012
Zitat von Cassandra105Eigentlich verwunderlich, war zwar selbst noch nicht drin, hab aber recht Gutes vom Film gehört. War halt kein brutales, vollkommen sinnloses Abschlachten von Kindern, auf sowas stehen die Leute z.Z. ja mehr im Kino...
Nur so rein interessehalber...in welchen Filmen wurden in letzter Zeit "Kinder sinnlos abgeschlachtet"?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema Disney
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 35 Kommentare

John Carter - Zwischen zwei Welten

USA, Großbritannien 2012

Regie: Andrew Stanton

Drehbuch: Andrew Stanton, Mark Andrews, Michael Chabon

Darsteller: Taylor Kitsch, Bryan Cranston, Mark Strong, Willem Dafoe, Dominic West, Lynn Collins

Produktion: Lindsey Collins, Jim Morris, Colin Wilson

Verleih: Walt Disney Studios

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Start: 08. März 2012