Disney-Film "Küss den Frosch": Black to the Future

Von Jonathan Fischer

So klassisch war ein Walt-Disney-Film schon lange nicht mehr: "Küss den Frosch" erzählt das Märchen vom Froschprinzen und ist handgemalt. Trotzdem sorgte die schwarze Hauptdarstellerin schon vor dem Start für wütende Proteste - und Disney lenkte ein.

Neue Disney-Prinzessin: Schwarz statt weiß Fotos
Disney

Disneys neue Prinzessin ist schwarz. 2007 sorgte diese Nachricht für Schlagzeilen bis hin zur "Hindustan Times". Aber warum eigentlich?

In den vergangenen Jahren sind etliche Afroamerikanerinnen zu Popikonen aufgestiegen - seien es Beyoncé und Serena Williams oder Michelle Obama und ihre Töchter. Disneys Phantasiewelt holt also nur die Realität mit Verspätung ein. Und mit was für einer Verspätung: Acht Prinzessinnen hat das Studio bereits geschaffen, keine davon war schwarz.

1937 debütierte Schneewittchen mit blütenweißem Teint, es folgten die ebenfalls hellhäutigen Cinderella, Aurora, Ariel und Belle. Erst 1992 brach Disney mit Jasmine aus "Aladdin" aus seinem Muster aus: Der Teenager entstammte dem Mittleren Osten. 1995 trat die indianische Prinzessin Pocahontas in ihre Fußstapfen, um 1998 in "Mulan" von einer kleinen Chinesin abgelöst zu werden. "Prinzessin" ist dabei nicht wörtlich zu verstehen, es handelt sich vielmehr um die Marketingklammer, mit der Disney die verschiedenen Charaktere bündelt und als Puppen unter kleine Mädchen bringt.

Auch Tiana hat kein königliches Blut in sich fließen. Sie arbeitet als Kellnerin und Köchin und träumt davon, irgendwann ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Ihre Krone trägt sie nur während einer Karnevalsfeier. Auf der trifft sie auf einen geschwätzigen Frosch, der sie mit großen Versprechungen überredet, ihn zu küssen. In schönster Verdrehung des Grimm'schen Märchens verwandelt sich aber nur Tiana - und zwar auch in einen Frosch. Fortan streift das Froschpaar durch dunkle Sümpfe auf der Suche nach einer gutmütigen Voodoo-Queen, die den Zauber rückgängig machen soll.

Disney erzählt die Geschichte von Tiana und Naveen vor dem Hintergrund von New Orleans am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Stadt wird als von Jazzmusik, kreolischer Kochkunst und Voodoo befeuerter Hotspot gezeigt - eine sentimentale Erinnerung daran, wie die Südstaaten-Metropole vor dem vernichtenden Hurrikan Katrina aussah. Ebenso old school ist die Technik: "Küss den Frosch" ist nicht computeranimiert, sondern wie Disneys Klassiker handgezeichnet. Dazu kommt die Musik von Randy Newman, der die für New Orleans prägenden Stile von Jazz, Blues, Gospel, Zydeco bis Dixieland kongenial auf dem Soundtrack verbindet.

Wenn der Alligator weint

Und doch hat Disneys erste schwarze Heldin von Anfang an für Kontroversen gesorgt: Ein erster Sturm der Entrüstung brach los, als im Frühjahr 2007 Berichte laut wurden, dass die Hauptfigur ein schwarzes Kammermädchen namens Maddy sein sollte, das für eine verwöhnte weiße Debütantin arbeitete. "Disney sollte sich schämen, wie es seine erste schwarze Prinzessin verkaufen will", schäumte etwa William Blackburn, ein Kolumnist des "Charlotte Observer" aus North Carolina. Wie viele bemängelte er auch die klischierte, an die Sklaverei erinnernde Namensgebung: "Mammy" ist ein abfälliger Ausdruck für schwarze Haushälterinnen. Disney nahm die Kritik ernst und machte aus Maddy Tiana. Und aus dem Kammermädchen eine Serviererin mit zwei Jobs.

Überhaupt lässt der Film in seiner Endfassung äußerste Sorgfalt bei der Behandlung seiner schwarzen Figuren erkennen: Die Überzeichnungen gehen eher zu Lasten des bösen Voodoo-Zauberers Dr. Facilier, des im Cajun-Slang radebrechenden Glühwürmchens Ray oder des weinerlichen, Trompete spielenden Alligators Louis. Prinz und Prinzessin dagegen wirken ausgesprochen hübsch und intelligent. Tiana könnte wohl Halle Berrys Phantasie-Cousine sein. Und Prinz Naveen, der Jazz spielende und tanzende Beau, wurde nicht nur ein Teint verpasst, der auf eine multiethnische Herkunft deutet. Er wurde auch mit viel Lebensweisheit ausgestattet. In einer Szene ermahnt er die Prinzessin, sich nicht von ihrer harschen Arbeitsethik aufreiben zu lassen.

Ist es also Disneys Familienfilm gelungen, die Kritiker zu besänftigen, alle Vorwürfe zu versteckten Rassismen zu entkräften? Wer afroamerikanische Internetforen verfolgt, wird dort zwar auf vereinzelte Verschwörungstheorien ("warum muss gerade eine schwarze Prinzessin in ein ekelerregendes Tier wie einen Frosch verzaubert werden?") stoßen - im Allgemeinen aber dominiert ein zustimmender bis begeisterter Tonfall. Und auch das Gros der schwarzen Massenmedien steht hinter Tiana.

"Sie verkörpert die erste moderne amerikanische Disney-Prinzessin", erklärt etwa Cori Murray vom populären Frauenmagazin "Essence", "und allein dass sie schwarz ist, schickt eine großartige Botschaft in die Welt". Die Professorin für schwarze Kulturgeschichte Tricia Rose sieht den Film gar als Anlage, deren Rendite sich bald auszahlen wird - wenn eine ganze Generation von Amerikanern mit dem Bild der schwarzen Prinzessin aufwächst: "Wenn sich diese Figur einprägt, wird sie in den nächsten 30 bis 40 Jahren viele Nachfolger finden", sagt Rose in der "Washington Post".

Letztlich darf man der Unterhaltungsfabrik Disney unterstellen, dass die Wahl der dunklen Hautfarben nicht nur gesellschaftspolitisch motiviert ist. Sondern auch mit der Entdeckung eines vernachlässigten Marktes einhergeht: Schließlich haben wohl bald Tausende schwarzer Mädchen die Tiana-Puppe auf dem Wunschzettel. Wenn in ihren Kinderzimmern nicht schon längst Sasha und Malia stehen - die Obama-Töchter gibt es seit Jahresbeginn, pünktlich zum Amtsantritt ihres Vaters, auch als Stoffpuppen.

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1. Verzeih ihnen
ohmscher 11.12.2009
Zitat von sysopTrotzdem sorgte die schwarze Hauptdarstellerin schon vor dem Start für wütende Proteste - und Disney lenkte ein.
---Zitat--- Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz *und ward darum Schneewittchen (Schneeweißchen) genannt*. ---Zitatende--- So steht's im Projekt Gutenberg von SPIEGEL-ONLINE http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=969&kapitel=241&cHash=b2042df08bschneewi#gb_found Das Märchen hat sogar seinen Titel davon, dass die Haut von Schneewittchen schneeweiß ist. - Woraus bestmeinende Menschen auch hier noch einen Anspruch ableiten, dass Schneeweißchen endlich einmal schwarz sein sollte, übersteigt meine Vorstellungskraft.
2. Heuchler...
realredfox 11.12.2009
Zitat von ohmscherSo steht's im Projekt Gutenberg von SPIEGEL-ONLINE http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=969&kapitel=241&cHash=b2042df08bschneewi#gb_found Das Märchen hat sogar seinen Titel davon, dass die Haut von Schneewittchen schneeweiß ist. - Woraus bestmeinende Menschen auch hier noch einen Anspruch ableiten, dass Schneeweißchen endlich einmal schwarz sein sollte, übersteigt meine Vorstellungskraft.
Die pseudo-PC Nervensägen einfach ignorieren, lächeln und weitergehn.
3. Wo ist das Problem?
Websingularität 06.01.2010
Man sollte Disney nicht in die eigenen Entscheidungen reinreden. Disney macht immernoch die qualitativ hochwertigsten Filme. Wenn man so einen teuren Film produziert ist das wohlbegründet und gerechtfertigt. Die Produzenten haben sich dabei auch was überlegt, und diese tragen immerhin das Risiko. Also Klappe halten!
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  • Freitag, 11.12.2009 – 13:27 Uhr
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"Küss den Frosch"

Originaltitel: "The Princess and The Frog" (USA 2009)

Regie: Ron Clements, John Musker

Buch: Ron Clements

Sprecher: Cassandra Steen, Roger Cicero, Marianne Rosenberg

Produktion: Walt Disney Animation Studios

Länge: 97 Minuten

Start: 10. Dezember 2009

Offizielle Website zum Film