Dok.Leipzig-Chefin Leena Pasanen wechselt nach Bologna

Fünf Jahre an der Spitze von Dok.Leipzig, dann ist Schluss: Leena Pasanen wird 2019 die Leitung des größten deutschen Dokumentarfilmfestivals abgeben. Einen neuen Arbeitgeber hat die Finnin schon.

Leena Pasanen
Susann Jehnichen

Leena Pasanen


Kurz nach Ende der 61. Ausgabe von Dok.Leipzig war das Gerücht schon kursiert, nun ist es offiziell: Leena Pasanen wird nach der Ausgabe 2019 die Leitung des internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm abgeben. Damit erfüllt die Finnin, die 2015 zur Direktorin berufen worden war, mit dem kommenden Jahr noch ihren Fünf-Jahresvertrag. Danach geht sie nach Bologna, wo sie künftig das Biografilm Festival leiten wird.

Von Prestige und Größe der Festivals her ist das ein Rückschritt für die ehemalige Fernsehredakteurin. Dok.Leipzig gehört zu den ältesten und größten Dokumentarfilmfestivals Europas. Jährlich werden rund 400 Kurz- und Langfilme gezeigt und die Vorführungen und Branchenveranstaltungen von rund 47.000 Menschen besucht. Das 2005 gegründete Biografilm Festival, das "International Celebration of Lives" als Motto hat, ist hingegen so gut wie unbekannt.

"Sowohl beruflich als auch privat pflege ich eine sehr enge Beziehung mit Italien", sagt Pasanen in der offiziellen Mitteilung von Dok.Leipzig zu ihrem Wechsel. "Diese Chance nun zu bekommen, das Biografilm Festival in Bologna zu leiten, freut mich sehr." Sie werde Leipzig und ihrem Team aber durchaus nachtrauern, da es sie in den letzten Jahren immer wieder motiviert habe, "auch in politisch schweren Zeiten weiterzudenken, das Festival weiterzuentwickeln und zu dem zu machen, was es heute ist (...)."

Ärger am Ende

In der Branche hat sich Pasanen als innovationsfreudige Festivalleiterin einen Namen gemacht. Sie etablierte kostenlose Filmvorführungen im Leipziger Hauptbahnhof, verzahnte die Genres Dokumentar- und Animationsfilm im Festival enger, machte sich für bessere Angebote für Hör- und Sehbeeinträchtigte stark und führte eine Frauenquote für den deutschen Wettbewerb ein.

Intern war jedoch immer wieder Kritik zu vernehmen. Pasanen würde nicht auf die Ratschläge ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hören und Kapazitäten nicht sinnvoll nutzen. Ob ihr Vertrag nach Ablauf der vereinbarten fünf Jahre trotz guter Zahlen und guter Presse verlängert worden wäre, ist deshalb fraglich.

Die vergangene Festivalausgabe endete am 3. November mit einem kleineren Skandal, als der umstrittene Film "Lord of the Toys" mit dem Hauptpreis im Deutschen Wettbewerb ausgezeichnet wurde. In der Jury saßen die Schriftstellerin und Regisseurin Helene Hegemann, die Autorin und Kuratorin Brigitte Mayr sowie der Leiter der DEFA-Stiftung Ralf Schenk. Der Film über eine Gruppe von Dresdner Youtubern mit rechter Weltanschauung war von verschiedenen Seiten als distanzlos kritisiert worden.

hpi



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