Von Yannick Lowin
Fast wäre er in einem iranischen Knast gelandet, nur Glück bewahrte ihn davor - und das alles wegen dieses Films, für den Till Schauder den amerikanischen Basketballer Kevin Sheppard drei Jahre lang begleitet hat. Undercover, ohne Drehgenehmigung, denn Sheppard spielte beim Erzfeind der USA - in der Iranian Super League.
Dem Mann von den amerikanischen Jungferninseln war - wie vielen US-Nachwuchsspielern - der Sprung in die Profi-Liga NBA nicht gelungen. Also entschied er sich, ein paar Jahre durch die Welt zu tingeln. Und in der Saison 2008/ 2009, von der der Film handelt, heißt sein Arbeitgeber A.S. Shiraz, ein Club in der Millionenstadt Schiras, 700 Kilometer südlich von Teheran.
Dort begrüßen ihn Parolen wie "Nieder mit den USA" und "Amerika ist der Teufel", die an Häuserwände geschmiert sind. Die Iraner, denen er begegnet, versichern ihm jedoch, wie sehr sie die USA mögen. Schnell knüpft der Afroamerikaner Freundschaften, baut ein enges Verhältnis zur Team-Physiotherapeutin und zwei ihrer Freundinnen auf.
Wie ein Tourist mit Kamera
So sehr der Korbjäger aber versucht, sich aus der Politik herauszuhalten - er stellt schnell fest, dass sie in Iran alles überlagert. Im Frühjahr 2009 gingen Tausende auf die Straße, um gegen das Ergebnis der Parlamentswahlen zu protestieren; die "Grüne Revolution". Sheppard landete mittendrin. Hätte man ihn in der Wohnung einer seiner Freundinnen angetroffen oder mit ihnen im Auto gesehen - sie wären verhaftet worden.
Genau wie sein Protagonist begab sich auch Till Schauder in Gefahr. Der in Seattle geborene und in Göttingen aufgewachsene Regisseur erhielt für keinen seiner fünf Iran-Besuche ein Journalistenvisum: "Glücklicherweise habe ich außer der amerikanischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft und konnte mich als Tourist ausgegeben". Die Arbeit am Rande der Legalität brachte ihn in arge Bedrängnis.
Ähnlich viel Glück hatte der Absolvent der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen bei seinem letzten Einreiseversuch: "Ich wollte das Finale der Saison filmen, aber am Flughafen nahmen sie mir meinen Ausweis weg und sagten, ich stünde auf einer schwarzen Liste." Schauder verbrachte die Nacht in einer Zelle, was er lapidar als "unangenehm" beschreibt - obwohl er nicht wusste, was geschehen würde.
"Aus irgendeinem Grund durfte ich mein Handy behalten. Ich rief sofort meine Frau an und einen befreundeten iranischen Kameramann, damit der das Spiel filmt." Tags darauf wurde Schauder frei gelassen, musste das Land aber sofort verlassen. Als Filmemacher war er genervt, nicht drehen zu können - aber froh, schnell frei zu kommen.
Göttinger Mama als Deckadresse
Die nächste große Hürde war es, das gedrehte Material in die USA zu schaffen, die seit der Geiselnahme in der US-Botschaft 1979 ihre diplomatischen Beziehungen mit Iran abgebrochen und ein Handelsembargo verhängt haben. Daher konnte Schauder seine rund hundert Tapes nicht einfach per Post von Teheran nach New York schicken.
Also ging das kostbare Material erst per DHL nach Göttingen, zu Schauders Mutter. Und die leitete es weiter an seine Frau nach New York. "Wenn die Bänder unterwegs waren, bin ich auf einmal immer sehr religiös geworden", sagt Schauder. Die fünf wichtigsten Kassetten habe er aber selbst in die USA geschmuggelt - versteckt in seiner Unterhose.
Kreativität war auch bei Finanzierung der Doku gefordert. Der 41-Jährige und seine iranisch-amerikanische Frau Sara Nodjoumi, die co-produzierte, verfügten über kein großes Budget. Darum starteten sie zwei Kampagnen bei dem Crowdfunding-Dienst Kickstarter. Mit dem ersten Spendenaufruf wollten sie die Produktion finanzieren, mit dem zweiten den Verleih in Nordamerika. Ihre erste Kampagne wurde zu einer der erfolgreichsten, die Kickstarter je gesehen hat: 100.466 US-Dollar. Auch der zweite Aufruf war erfolgreich: 66.000 US-Dollar.
Kevin Sheppard verließ Iran im Jahr 2011, er beendete seine Karriere. Das Ehepaar Schauder-Nodjoumi wollte den Film jedoch nicht ohne Zustimmung der iranischen Frauen herausbringen, mit denen der Basketballer befreundet war. Sie sind die heimlichen Hauptdarstellerinnen der Doku - und drohten daher ins Visier der Machthaber zu geraten.
Mit Hilda traf sich Schauder in London - wo sie aufgrund des Films politisches Asyl erhielt und mittlerweile studiert. Laleh hat ebenfalls ihre Heimat verlassen, um zu studieren. Nur Elaheh lebt weiterhin in Iran und gab der Dokumentation ungesehen ihren Segen. Was Schauder bemerkenswert findet: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass junge iranische Frauen die Verhältnisse im Land kritisieren. Es ist aber ungewöhnlich, dass sie es vor einer Kamera tun."
Der Film-Trailer verbreitete sich schnell im Netz, die Reaktion aus Teheran ließ nicht lange auf sich warten: Ohne den "Iran Job" gesehen zu haben, schmähte ihn die Ahmadinedschad-Regierung als "Anti-Islam-Film". "Elaheh wird seither vom Geheimdienst überwacht", erzählt Schauder. Außerdem sei es ihr und ihrer Familie verboten worden, Iran zu verlassen.
Till Schauder hofft nun, dass die Machthaber aufgrund der weltweit positiven Reaktionen ihre Ansicht ändern. Der Kulturbeauftragte der iranischen Botschaft in Berlin signalisierte Dialogbereitschaft: Nachdem er die Premiere des Films besucht hatte, war er Schauders Idee nicht abgeneigt, die Doku in Iran aufzuführen - inklusive Publikumsdiskussion mit den Produzenten.
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