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Yes-Men-Doku: Die Witzbomben

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Sie tricksen die Weltpresse aus und sind Profis der Selbstinszenierung: Seit 15 Jahren machen die Yes Men weltweit auf Missstände aufmerksam. Ein neuer Dokumentarfilm begleitet das Schaffen der beiden Aktivisten.

Die Yes Men sind bekannt für ihre außergewöhnlich frechen PR-Stunts, bei denen sie die Großen und Mächtigen (und gerne auch die Medien) vorführen. Seit Jahren turnen die beiden US-Amerikaner Igor Vamos und Jacques Servin, die unter den Pseudonymen Mike Bonanno und Andy Bichlbaum agieren, mit ihrer Aktionskunst durch die politische Großlage. Da geht es um Umweltzerstörung, Klimawandel und Waffenhandel, keine kleinen Brötchen also.

Es gibt viele Baustellen, wenn man gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt ankämpfen will. Leider springt auch der Dokumentarfilm mit den Yes Men von einem Ort zum nächsten: Genua, Occupy Wall Street, Seattle, man kommt kaum mit, wo die Yes Men überall die Revolution tanzen. Und ständig lauern die Bösen, die Ölmagnaten, die Businesslobbyisten und korrupten Politiker, die unsere Welt ausverkaufen wollen.

Dabei geht sowohl den beiden Woody-Allen-mäßigen Selbstdarstellern als auch der Regisseurin Laura Nix des Öfteren der rote Faden verloren. Macht aber nichts, die Absichten sind ja gut. Und außerdem hat es selten jemand mit so viel Witz und Einfallsreichtum wie die Yes Men geschafft, die Großen bloßzustellen. Es ist auch im bereits dritten Film über ihr Schaffen noch witzig anzuschauen, wie die Gruppe es mit wenig technischem Aufwand fertigbringt, die Weltpresse an der Nase herumzuführen, wenn sie zum Beispiel im Namen der kanadischen Regierung Reparationszahlung der "Klimaschuld" an Afrika versprechen. Oder bei einer gefakten Shell-Pressekonferenz vor versammeltem Geldadel einen Öl-Unfall in der Arktis simulieren.

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Aktivismus: Lustige Bälle und gefälschte Zeitungen
In den spannenden Momenten beschäftigt sich der Film mit den Frustrationen, die das überzeugte Aktivistendasein mit sich bringt. Dem immer wieder Gegen-Mauern-Anrennen, auch dem Preis, den Familienleben und Freundschaften zollen müssen. Doch dem vielversprechenden Titel "Jetzt wird's persönlich" wird der Film selten gerecht. Viel zu schnell geht es doch wieder um den nächsten witzigen Einfall, die nächste Aktion der beiden Großstadtneurotiker.

Auch deren Hinwendung zum Aktivistenleben streift die Dokumentation nur flüchtig. Der familiäre Hintergrund der beiden wird in wenigen Minuten abgefrühstückt. Das ist schade, denn die Gemeinsamkeit, Söhne von Holocaust-Überlebenden zu sein und von Kindheit an auf die Ungerechtigkeiten der Welt aufmerksam gemacht worden zu sein, hätte man durchaus näher beleuchten können. Was macht Menschen eigentlich zu überzeugten Aktivisten? Doch das bleibt ebenso unbeantwortet wie die Frage, wie sie sich das Vollzeit-Aktivisten-Leben leisten können und wie die Aktionen finanziert werden.

Ein Handbuch für Nachwuchs ist der Film in jedem Falle nicht. Außer in Sachen Elan - denn Mike Bonanno und Andy Bichlbaum können sich und andere allemal für die albernsten und effektivsten Einfälle begeistern. Das beweisen sie mit ihren Aktionen, die der Film Revue passieren lässt, schon seit 15 Jahren.

Ein Leitmotiv ist dann auch die lange Freundschafts- und Arbeitsbeziehung der beiden Protagonisten. Klar, dass deren Privatleben unter all dem Aktivismus leidet. Wenn sich der eine für Kinder und schottische Idylle entscheidet und der andere als schwuler Single im New Yorker Großstadtleben verharrt, bringt das ihre erfolgreiche Symbiose ins Wanken. Aber letztlich wirkt das Drama doch ein wenig abgekartet, wenig überraschend bei diesen Profis der Selbstinszenierung.

Vielleicht erliegt Regisseurin Laura Nix auch dem klassischen Doku-Ausrutscher und war ein wenig zu dicht an ihren Sujets dran, denn sie ist seit Jahren mit beiden befreundet. Trotzdem macht es Spaß, den beiden chaotischen Enthusiasten zuzusehen, auch und gerade, wenn sie scheitern. Schließlich sind die Yes Men das ultimative Bespiel dafür, wie man sich von der eigenen Ohnmacht gegen die Übermächtigen nicht unterkriegen lässt.

"Die Yes Men. Jetzt wird's persönlich"

USA, D, F, NL, DK 2015

Originaltitel: The Yes Men Are Revolting

Regie/Drehbuch: Andy Bichlbaum, Mike Bonanno, Laura Nix

Darsteller: Andy Bichlbaum, Mike Bonanno

Verleih: NFP

Länge: 92 Minuten

Start: 20. August 2015

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Yes
nolabel 20.08.2015
Den Film will ich sehen, zumal andere Medien kaum über die spektakulären und witzigen Aktionen berichten. Vielleicht verständlich, weil sie schon so oft voll darauf reingefallen sind. Die Beiden sind so was von dreist, respektlos und aberwitzig - zur Nachahmung empfohlen ,-)
2. Das
Koda 20.08.2015
dies ist nicht der erste Dokumentarfilm über die Yes-Men. Vor einigen Jahren bereits - ich glaube direkt nach der Erst-Wahl Obamas zum US-Präsidenten, aus deren Anlaß die gefakten Zeitungsmeldungen die Schließung Guantanoms und den Abzug der US-Truppen aus dem Irak vermeldeten - wurden darin einige "Streiche" der Yes-Men gezeigt, z.B. ein dicker aufblasbarer Rettungsanzug, mit deren Hilfe die Geschäftsleute im Falle einer (durch Klimawandel verursachten) Überschwemmung New Yorks oder eines erneuten Terroranschlags a la "09/11" einfach aus ihren Hochhäusern hüpfen könnten, ohne unten tödlich aufzuschlagen. Oder die direkte substanzielle Verwertung von Armen. Soweit ich mich erinnere, wurde bereits hier auf die Vorgeschichte der Yes-Men eingegangen - muss also nicht wiederholt werden.
3. Nicht drauf hören!
mÔRIWUTZ 20.08.2015
Hab den Film gestern gesehen und fand ihn super. Wer "das persönliche" mit dem Holzhammer braucht, schreibt dann vielleicht sowas wie den obigen Kommentar, wer etwas subtileren Mittel vorzieht, dem wird's gefallen.
4. Spiegel Men
erik93_de 21.08.2015
Ach Spiegel -- immer so schön tendenziös: "Und ständig lauern die Bösen, die Ölmagnaten, die Businesslobbyisten und korrupten Politiker, die unsere Welt ausverkaufen wollen." --soll durch Übertreibung suggerieren, daß es so nicht ist. Aber, Spiegel, warum nicht endlich mal anerkennen, daß es genau so ist? Oder wenigstens zugeben, dadß überall die Lobbyisten lauern, was man ja nun unschwer herausfinden kann? Um genau diejenigen Politiker einzufangen, die korrupt sind und die es ja nun eindeutig auch gibt? Na-- soviel Anerkennung der Realität im Spätkapitalismus is nix für den Spiegel.
5. Ganz schwach Spiegel Online
floque 22.08.2015
Also wer sich über den deutschen Titel lustig macht uns sagt, dass der Film so gar nicht persönlich ist, der ist entweder ignorant oder einfach nicht so helle in der Birne. Wer des Englischen mächtig ist, dem fällt auf, dass der Originaltitel: The Yes Men are Revolting keine Spur von etwas "Persönlichem oder Persönlich" aufweist. Wer weiß, dass irgendwelche Marketing-Firmen in Deutschland die Titel für die deutsche Version schreiben und die rein gar nichts mit den Filmemachern zu tun haben, der ist klar im Vorteil. Eigentlich müsste das Spiegel Online wissen, es gibt ja eine Extra-Rubrik für Film-Rezensionen. Nochmal: Echt sehr schwach für "investigative" Reporter
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