Gefeierter Dokumentarfilmer Les Blank gestorben

Er porträtierte legendäre Jazz- und Blues-Musiker, er zeigte die kulinarische und kulturelle Vielfalt der USA. Doch seine wohl berühmtesten Werke handelten vom deutschen Regisseur Werner Herzog. Nun ist der Dokumentarfilmer Les Blank gestorben. Er wurde 77 Jahre alt.

Filmemacher Les Blank mit Preis für sein Lebenswerk: Musik, Essen und Werner Herzog
Getty Images

Filmemacher Les Blank mit Preis für sein Lebenswerk: Musik, Essen und Werner Herzog


Berkeley/Hamburg - Werner Herzog hatte gewettet. Wenn es dem Filmstudent Errol Morris tatsächlich gelänge, den Film "Gates of Heaven" zu vollenden, dann werde er, Herzog, seinen Schuh verspeisen. Vor der Premiere von Morris' Film hält Herzog Wort: Vor Publikum lässt er sich den von Alice Waters mit Entenfett und Knoblauch zubereiteten Schuh servieren. Les Blank ließ die Kamera laufen, es entstand ein zwanzigminütiger Dokumentarfilm mit dem sprechenden Titel "Werner Herzog Eats His Shoe".

Der deutsche Regisseur war offenbar angetan, denn er lud den amerikanischen Dokumentarfilmer zwei Jahre später nach Peru ein, wo er die Dreharbeiten zu Herzogs Spielfilm "Fitzcarraldo" beobachten sollte. Der Film über ein Opernprojekt im Dschungel, mit Klaus Kinski in der Hauptrolle, ist ein Meisterwerk über Kunstwille und Größenwahn - dessen Ruhm durch Les Blanks Dokumentation seiner Entstehung gemehrt wurde: Blanks "Burden Of Dreams" zeigt, dass die Widerstände, die Herzog beim Dreh zu überwinden hatte, durchaus vergleichbar waren mit denen, vor die seine Hauptfigur gestellt ist.

Doch der 1935 in Tampa (Florida) geborene Les Blank war weit mehr als der Hausdokumentarist Werner Herzogs. Mit bezahlten Industriefilmen lernte Blank sein Handwerk, mit Porträts von legendären Musikern wie dem Jazz-Trompeter Dizzy Gillespie oder dem Blues-Gitarristen Lightnin' Hopkins machte er sich einen Namen als einfühlsamer Filmemacher. Musik war eines seiner Schwerpunktthemen, er widmete sich in nahezu ethnographischer Manier in Nischen der Einwandererkulturen lebendigen Stilen wie Polka oder Cajun und Zydeco.

Bei letzteren Dreharbeiten fiel Blank auf, dass Musik und Essen oft zusammengehören, wenn es darum geht, eine gute Zeit zu haben. "Seither habe ich bei jedem Film darauf geachtet, was die Leute essen", verriet er 1984 der "New York Times". Essen zu filmen sei "fast so gut, wie es wirklich essen zu können." 1980 drehte er eine Hommage an den Knoblauch, "Garlic Is As Good As 10 Mothers", die er gelegentlich in "Smellovision" vorführte: Blank kochte mit Knoblauch gewürzte Gerichte, während der Film lief. Auch Blanks letzter veröffentlichter Film hatte ein kulinarisches Thema: Für "All In This Tea" von 2007 begleitete er einen amerikanischen Tee-Importeur.

Les Blank, den die "taz" 2010 "einen der großen Dokumentaristen des Südens" nannte, wurde vom American Film Institute und der International Documentary Association mit Preisen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Wie sein Sohn Harrod Blank bestätigte, starb Les Blank am Sonntag im kalifornischen Berkeley an den Folgen einer Krebserkrankung. Er wurde 77 Jahre alt.

feb/AP



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