Wichtige Filmemacherin Katrin Seybold ist tot

Ihr großes Thema war der Nationalsozialismus: In Werken wie "Es ging Tag und Nacht, liebes Kind" nahm Katrin Seybold die Verbrechen des "Dritten Reichs" ins Visier - sensibel und unnachgiebig. Jetzt ist die Filmemacherin in München gestorben.


Hamburg/Berlin - 2008 stellte sie ihren letzten Film fertig, die Dokumentation "Die Widerständigen - Zeugen der Weißen Rose". Da war Kartin Seybold noch einmal voll in ihrem Element und bei ihrem Lebensthema: dem Nationalsozialismus und dem Widerstand gegen ihn. Immer wieder drehte sie Filme über NS-Täter und vor allem über NS-Opfer, etwa ihr zentrales Werk "Es ging Tag und Nacht, liebes Kind" 1981 oder "Mut ohne Befehl - Widerstand und Verfolgung in Stuttgart 1933 - bis 1945" aus dem Jahr 1994.

Ihr Filmthema hatte Seybold gemein mit ihrem Ehemann Thomas Harlan, dem Sohn von NS-Regisseur Veit Harlan ("Jud Süß"), der in seinen Büchern und Dokumentationen die Täter-Generation der Väter ins Visier nahm. Thomas Harlan starb im Oktober 2010. Zusammen arbeiteten Seybold und ihr Mann sich tief in Ursachen und Folgen des NS-Staates und seiner menschenverachtenden Ideologie ein.

Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete, 1943 geborene Regisseurin starb am Mittwoch in ihrem Wohnort München. Das teilte die Akademie der Künste am Freitag in Berlin mit. Damit habe die Institution, deren Mitglied sie seit 1994 war, "eines ihrer engagiertesten Mitglieder verloren", sagte Akademie-Präsident Klaus Staeck. "Sie sah in unserer Arbeit immer auch eine gesellschaftliche Verpflichtung."

cbu/dapd



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