Cannes-Premiere mit Gérard Depardieu DSK klagt gegen Film über Sex-Affäre

Sein Name wird nicht erwähnt, aber "Welcome to New York" erzählt die Geschichte seiner Sex-Affäre: Nun geht Dominique Strauss-Kahn juristisch gegen den Spielfilm von Abel Ferrara vor. Der sei rufschädigend und zum Teil antisemitisch.

Depardieu (Mitte) in "Welcome to New York": "Eine Scheiße, eine Hundekacke".
June Project/ Nicole Rivelli/ Sky Select

Depardieu (Mitte) in "Welcome to New York": "Eine Scheiße, eine Hundekacke".


Paris - Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat sich entschlossen, gegen einen Film über seine New Yorker Sex-Affäre Anzeige wegen Verleumdung zu erstatten. Das sagte der Anwalt des 65-Jährigen, Jean Veil, am Montag dem Radiosender Europe 1.

Das beim Filmfestival in Cannes vorgestellte Werk von US-Regisseur Abel Ferrara ("Bad Lieutenant") mit dem Titel "Welcome to New York" sei rufschädigend und "zum Teil antisemitisch", sagte Veil. Der Spielfilm greift schlagzeilenträchtige Ereignisse vor einigen Jahren auf, die Hauptfigur trägt aber nicht den Namen des französischen Politikers.

Dominique Strauss-Kahn, oft kurz "DSK" genannt, habe den Auftrag gegeben, Klage einzureichen wegen Rufschädigung aufgrund der "Vergewaltigungsanschuldigungen und der Anspielungen" den gesamten Film über. Der einstige IWF-Chef sei von der Justiz in New York klar von diesem Vorwurf entlastet worden. "Wie jeder hat er das Recht auf Vergessen."

Die Ex-Frau ist angeekelt, klagt aber nicht

In "Welcome to New York" wird der von Gérard Depardieu verkörperte Strauss-Kahn als triebgesteuerter Macho dargestellt, der bis zu den Vergewaltigungsvorwürfen eines New Yorker Zimmermädchens ein Luxusleben zwischen Champagner, Zigarren und Orgien führte. Der Film sei "eine Scheiße, eine Hundekacke", sagte der Anwalt dem Radiosender.

Strauss-Kahns Ex-Frau Anne Sinclair hatte in einem Blogbeitrag am Wochenende ihren "Ekel" über den Film zum Ausdruck gebracht, selbst aber auf eine Klage verzichtet: Diesen Gefallen wolle sie den Machern des Films nicht tun. Die renommierte Journalistin Sinclair, die ihn in der Sofitel-Affäre stets unterstützt hatte, trennte sich von Strauss-Kahn, nachdem dieser eingeräumt hatte, dass er "einvernehmlichen Sex" mit dem Zimmermädchen hatte, zudem wurde ihm vorgeworfen, an ausschweifenden Sex-Partys mit Prostituierten beteiligt gewesen zu sein. Sie wird im Film durch Jacqueline Bisset verkörpert.

Der Franzose hatte im Mai 2011 nach den Anschuldigungen seinen Chef-Posten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington aufgeben müssen. Die inzwischen durch eine außergerichtliche Einigung beigelegte Affäre machte zudem seine Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur in Frankreich zunichte.

"Welcome to New York", der zum Teil an den Originalschauplätzen der Affäre um DSK gedreht wurde, hatte schon im Vorfeld des Filmfestivals von Cannes Diskussionen ausgelöst. Das Festival wollte den Film offenbar nicht im Wettbewerb zeigen. Sofort ging das Gerücht um, dies geschehe aus Rücksichtnahme auf Strauss-Kahn. Der Weltvertrieb Wild Bunch zeigte den Streifen nun außerhalb des offiziellen Programms, Samstagnacht in einem Zelt auf dem Privatstrand des Hotel Carlton. (Hier der Bericht unseres Kritikers.)

Auf der Pressekonferenz direkt nach der Vorführung hatten sich Ferrara und sein Star Depardieu gut gelaunt und gelassen gegeben. Der Film kann seit Samstagabend auf verschiedenen Video-on-Demand-Plattformen als Stream im Internet angesehen werden. Die Produzenten hatten betont, dass der Streifen nach US-Recht zu beurteilen sei und sie sich zuvor rechtlich gegen Klagen abgesichert hätten. Dominique Strauss-Kahn habe den Film allerdings nicht gesehen und habe dies auch nicht vor, so sein Anwalt.

feb/AFP/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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hobbyleser 19.05.2014
1. Film für Seite 3 Leser
Normalerweise sind von solchen Machwerken nur BILD-Leser fasziniert. Nur werden die wohl keine Kenntnis von der Person haben, weil er noch nicht im Dschungel-Camp war. Was nicht ist, kann ja noch werden.
gog-magog 19.05.2014
2.
Zitat von sysopJune Project/ Nicole Rivelli/ Sky SelectSein Name wird nicht erwähnt, aber "Welcome To New York" erzählt die Geschichte seiner Sex-Affäre: Nun geht Dominique Strauss-Kahn juristisch vor gegen den Spielfilm von Abel Ferrara. Der sei rufschädigend und zum Teil antisemitisch. http://www.spiegel.de/kultur/kino/dominique-strauss-kahn-klage-von-dsk-gegen-abel-ferrara-film-a-970202.html
Mag sein, dass die Welt diesen Schmuddelfilm nun wirklich nicht braucht, aber wie absurd ist es, auch noch dagegen zu klagen und ihm damit viel Publikum zu beschaffen? Selbst Strauss-Kahn müßte doch wissen, dass Filme in Europa unter Kunstfreiheit fallen und wenn sein Name nicht genannt wird, dann hat er keinerlei rechtliche Handhabe. Und worin soll dieser angebliche "Antisemitismus" begründet sein? Wenn er behauptet, er habe ihn nicht gesehen - was glauben kann wer will - woran macht er seinen Antisemitismus-Vorwurf fest? Der Skandal macht sich doch am Verhalten des gezeigten Menschen fest und nicht an seiner Religion und Herkunft. Strauss-Kahn sollte von der Klage absehen und lieber schweigen. Er wird keinen Erfolg haben, vermute ich mal. Und ganz unschuldig an der Affäre ist er ja nun mal auch nicht.
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