"Star Wars"-Stars "Wann hat man schon die Gelegenheit, einen Roboter zu spielen?"

Er gibt im neuen "Star Wars"-Film einen charismatischen Halunken, sie einen emanzipierten Droiden - Donald Glover und Phoebe Waller-Bridge stehen aber auch für interessante TV-Comedy. Wie geht das zusammen?

Phoebe Waller-Bridge als L3-37 und Donald Glover als Lando Calrissian in "Solo: A Star Wars Story"
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Phoebe Waller-Bridge als L3-37 und Donald Glover als Lando Calrissian in "Solo: A Star Wars Story"

Ein Interview von


Mit seinem Musikvideo "This Is America" ist der US-Schauspieler, Autor und Musiker Donald Glover, auch bekannt unter dem Künstlernamen Childish Gambino, zurzeit in aller Munde - aber wann war er das in den vergangenen vier Jahren eigentlich nicht? Seine Comedy "Atlanta" gilt als eine der innovativsten Shows im US-Fernsehen, 2017 gewann er sowohl den Emmy als auch den Golden Globe als bester Comedy-Darsteller und wurde als erster Afroamerikaner für die beste Regie bei einer Comedy ausgezeichnet. Im neuen "Star Wars"-Film "Solo" ist er als Lando Calrissian zu sehen.

Die Britin Phoebe Waller-Bridge war lange Zeit als Darstellerin, Autorin und Produzentin aktiv, bevor sie 2016 ihre One-Woman-Bühnenshow "Fleabag" als Serie adaptierte und dafür zahlreiche Schauspiel- und Drehbuchpreise gewann. Ihre neue Serie "Killing Eve", die sie produziert und mitgeschrieben hat, ist bereits vor dem Start der ersten Staffel verlängert worden. Sie spielt in "Solo" den weiblichen Droiden L3-37, der viele Anmerkungen zur Emanzipation von Robotern parat hat.

SPIEGEL ONLINE: Phoebe, Donald, Sie haben beide für viel Aufsehen gesorgt mit Ihren selbst kreierten Serien "Fleabag" beziehungsweise "Atlanta". Warum haben Sie sich jetzt auf Rollen in einem Franchise wie "Solo: A Star Wars Story" eingelassen?

Donald Glover (links) und Phoebe Waller-Bridge (rechts) bei der Cannes-Premiere von "Solo: A Star Wars Story"
SEBASTIEN NOGIER/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Donald Glover (links) und Phoebe Waller-Bridge (rechts) bei der Cannes-Premiere von "Solo: A Star Wars Story"

Waller-Bridge: Natürlich ist so ein Film gut für die Karriere, aber gleichzeitig versprach ich mir einfach großen Spaß. Eine Rolle in einem "Star Wars"-Film - das ist doch für jeden Schauspieler ein Höhepunkt. Deswegen habe ich eigentlich nicht lange überlegen müssen. Und wie oft bekommt man schon die Gelegenheit, einen Roboter zu spielen?

Glover: Wichtig war natürlich auch, dass es nicht um irgendein Franchise ging, sondern um "Star Wars". Diese Filmreihe hat andere Wurzeln als all die anderen, bei denen ich oft das Gefühl habe, dass sie nur existieren, weil jemand herausgefunden hat, dass es einen Markt dafür gibt. "Star Wars" hat für mich, aufgrund der Entstehungsgeschichte, im Kern immer noch eine gewisse Reinheit. Weil George Lucas damals nicht die geringste Ahnung hatte, ob sich irgendwer für seine Vision interessieren würde - und er trotzdem alles auf eine Karte gesetzt hat. Dieser Geist durchweht die "Star Wars"-Filme bis heute.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einen persönlichen Bezug zu den alten Filmen?

Waller-Bridge: Ich muss gestehen, dass ich nie auch nur einen einzigen "Star Wars"-Film gesehen hatte, bevor ich diese Rolle bekam. Das ist mir echt peinlich, aber was soll ich sagen? Gehörte einfach nicht zu meiner Jugend dazu. Als ich zum Vorsprechen für "Solo" ging, habe ich mich dann kopfüber in diese Welt gestürzt und alle Filme in einem Rutsch geguckt. Diese Erfahrung kann auch bei einer erwachsenen Frau noch eine sehr kindlich-euphorische Begeisterung auslösen.

Glover: Bei mir ist das komplette Gegenteil der Fall, ich habe "Star Wars" geradezu in meiner DNA. Mein Vater war ein riesiger "Star Wars"-Fan, und ich saß schon als Kind mit ihm auf dem Bett und habe die alten Filme gesehen. Lando war damals die erste Actionfigur, die ich überhaupt besaß. Und als 1999 "Star Wars: Episode 1" in die Kinos kam, hat mein Vater mich sogar für einen Tag aus der Schule genommen, damit wir ihn uns zusammen anschauen können. Dass es heute nun eine Lando-Figur nach meinem Ebenbild gibt und mein Sohn mit ihr spielt, das ist schon ziemlich besonders. Selten hat sich ein Kreis auf genialere Weise geschlossen!

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"Solo: A Star Wars Story": Geschmeidige Action

SPIEGEL ONLINE: Ähnlich wie schon die letzten "Star Wars"-Filme ist "Solo: A Star Wars Story" bevölkert von den unterschiedlichsten Figuren. Sind die Zeiten der weißen, männlichen Einzelkämpfer als Kinohelden vorbei?

Glover: Mir ist das zu schlicht, über Kino und Kultur in solchen Kategorien und Begrifflichkeiten nachzudenken. Schon eine Überlegung wie die, dass der weiße Held nun abgelöst wird von einem Kollektiv aus Frauen und Schwarzen, ist in meinen Augen eine sehr männlich-weiße Denke. Denn es geht doch nicht darum, dass eine Schublade zu- und dafür eine andere aufgemacht wird. Sondern es geht um mehr und neue Perspektiven, um zusätzliche und andere Wege, etwas zu erzählen.

SPIEGEL ONLINE: Das müssen Sie ein bisschen mehr erklären.

Glover: Der springende Punkt ist nicht das Abschaffen, sondern das Schöpfen zusätzlicher Angebote. Denn je vielfältiger das kulturelle Angebot ist, an das wir andocken können, desto umfassender verstehen wir Menschen uns untereinander. Das war bislang oft schwierig, weil nur eine sehr begrenzte Auswahl von Personen Zugang hatte zu den Stellen, an denen dieses Angebot gemacht wird. Mitzuerleben, wie sich das in den letzten paar Jahren zusehends ändert und uns plötzlich ganz neue Sichtweisen eröffnet werden, ist eine tolle Erfahrung. Phoebes "Fleabag" zum Beispiel ist eine meiner absoluten Lieblingsserien - und noch vor nicht allzu langer Zeit wäre mir ihre Perspektive mutmaßlich verwehrt geblieben.

SPIEGEL ONLINE: Was begeistert Sie so sehr an "Fleabag"?

Glover: Dass ich diese Geschichte niemals hätte schreiben können. Es gibt so viele Gags in der Serie, die ich großartig finde, aber einfach nicht weiß, wie ich so etwas je hätte zu Papier bringen können. Einfach, weil ich nicht Phoebes Blick auf das Leben und selbst vollkommen andere Erfahrungen habe.

Waller-Bridge: Mir geht es mit "Atlanta" genauso.

Glover: Sobald ich die ersten Folgen von Phoebes Serie gesehen hatte, wusste ich, dass genau das unsere größte Konkurrenz ist. Ich habe zu meinem Team immer wieder gesagt: Wir müssen versuchen, so gut zu sein wie diese Show aus England. Und im Übrigen hatte ich deswegen auch so ein großes Vertrauen in "Solo: A Star Wars Story". Dass da jemand scheinbar so ein Gespür für den Zeitgeist besaß, dass er Phoebe Waller-Bridge besetzte, konnte nur ein gutes Zeichen sein.

SPIEGEL ONLINE: Das Gespür für den Zeitgeist hatten die beiden "Lego Movie"-Regisseure Chris Miller und Phil Lord, die "Solo: A Stars Wars Story" zunächst inszenierten, bevor Sie wegen kreativer Differenzen durch Ron Howard ersetzt wurden. Wie haben Sie diesen Wechsel auf dem Chefposten erlebt?

Glover: Das war natürlich erst einmal hart, denn Chris und Phil waren der Grund, warum Leute wie Phoebe oder ich überhaupt mit an Bord waren. Die beiden sind Comedy-Geeks, deswegen haben sie uns besetzt, obwohl wir sicherlich nicht die naheliegende Wahl waren.

Waller-Bridge: Trotzdem muss man sagen, dass dieser Regie-Wechsel insgesamt sehr vorbildlich über die Bühne ging. Chris und Phil auf der einen und Ron Howard auf der anderen Seite hatten höchsten Respekt voreinander, und auch mit uns Schauspielern waren alle immer sehr offen und ehrlich. Ich hatte nie das Gefühl, dass sich irgendwer hintergangen oder alleingelassen fühlte.


"Solo: A Star Wars Story" kommt am 24. Mai in die Kinos

Im Video: Der Trailer zu "Solo: A Star Wars Story"

Walt Disney Pictures/Lucasfilm
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