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"Drei"-Regisseur Tom Tykwer: "Letztlich ist Monogamie widernatürlich"

Ist bi besser? In seinem neuen Film "Drei" lässt Tom Tykwer ein heterosexuelles Paar eine Dreiecksbeziehung mit einem Mann eingehen. Im Beziehungsgespräch mit dem KulturSPIEGEL spricht der Regisseur über die Sehnsucht nach Erneuerung, Grenzüberschreitungen und den Wunsch nach Verbindlichkeit.

Regisseur Tykwer: "Man geht irgendwo hin, da steht eine, und die isses dann" Fotos
DPA

KulturSPIEGEL: Herr Tykwer, Ihr neues Werk "Drei" erzählt von einem Berliner Hetero-Pärchen um die vierzig, das sich gleichzeitig in denselben Mann verliebt. Im Film sieht das alles ganz leicht aus. Geht das auch im echten Leben?

Tykwer: Der Film ist keine biografische Notiz. Er spiegelt nur das wider, was ich in meiner Generation beobachte. Ich erlebe hin und wieder Menschen um mich herum, die auch mal etwas riskiert und ausprobiert haben, die sich vom klassischen heterosexuellen Beziehungsideal zu lösen versuchen. Wenn ich meine Elterngeneration anschaue, war der sexuelle und soziale Mikrokosmos noch sehr festgelegt. Das ist heute nicht mehr ganz so ausgeprägt, zumindest der Einstellung nach. Die meisten leben aber immer noch das Modell ihrer Eltern. Wir gewöhnen uns dennoch langsam daran, uns von bestimmten Kategorien zu lösen. Eben wie man sexuell disponiert sein soll, wie man Zusammenleben definiert. Obwohl viele von uns immer noch in ganz normalen kleinfamiliären Kontexten leben, setzen wir uns zumindest damit auseinander, was es noch für Varianten gäbe. Ich wollte einen Film machen, der das reflektiert.

KulturSPIEGEL: Ist der Film ein Appell, die klassische Beziehungsform aufzugeben?

Tykwer: Aber nein, im Gegenteil. Sophie Rois und Sebastian Schipper spielen doch ein tolles funktionierendes Paar, bevor und auch nachdem der Dritte auftaucht. Die zwei sind 20 Jahre zusammen und immer noch auf Augenhöhe, sie berichten sich viel aus ihren jeweiligen Welten und gehen liebevoll miteinander um. Das war eigentlich der wichtigste Punkt: eine Beziehung zu zeigen, die ganz schön viel Zeit auf dem Buckel hat und trotzdem in beachtlichem Zustand ist. Sie haben ja keine Kinder oder sonstige Verpflichtungen, die sie zwingen, zusammenzubleiben.

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Erotikdrama von Tom Tykwer: Woody Allen meets Pasolini
KulturSPIEGEL: Eine Beziehung ist in Ihren Augen also auch okay, wenn man keinen Sex mehr hat?

Tykwer: Die haben ja Sex, nur eben nicht mehr so oft. Und da gibt es doch nur wenige Gegenbeispiele. Wenn Leute, die mehr als zehn Jahre zusammen sind, das noch drei- bis viermal im Monat hinkriegen, dann sind die gut. Es ist wohl auch nicht so, dass man darunter konstant leidet. Es kommen schließlich andere Qualitäten ins Spiel, die vieles von dem ausgleichen, was man aus den ersten Jahren des strahlenden Verliebtseins vermisst.

KulturSPIEGEL: Irgendetwas muss in der Beziehung aber doch fehlen, sonst würden sich die beiden ja nicht unabhängig voneinander auf einen anderen Mann einlassen.

Tykwer: Ich glaube, zu jeder Beziehung gehört eine Erneuerungssehnsucht - hier wird sie verkörpert von dem geheimnisvollen Dritten, den Devid Striesow spielt. Die Erneuerung könnte auch ganz anders aussehen, vielleicht durch einen neuen Job, neue gemeinsame Interessen, alles Mögliche.

KulturSPIEGEL: Und wenn einer sich erneuern will, der andere aber nicht?

Tykwer: Natürlich ist es schwer, das zu synchronisieren. Oft hat einer ein Erneuerungsbedürfnis, und der andere kommt gerade irgendwo an, wo es beginnt, Spaß zu machen. Aber wenn ich mich für jemanden entscheide, dann auch für die Situationen, in die ich mit dem Partner gerate, die mir erst mal fremd sind und mit denen ich mich dann versuche zu arrangieren. Und zu sehen, was das für mich vielleicht auch an Neuerungen bereithält. Das kann zum Beispiel auch ein Ortswechsel sein.

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insgesamt 61 Beiträge
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frubi 22.12.2010
Zitat von sysopIst bi besser? In seinem neuen Film "Drei" lässt Tom Tykwer ein heterosexuelles Paar eine Dreiecksbeziehung mit einem Mann eingehen.*Im Beziehungsgespräch mit dem KulturSPIEGEL spricht der*Regisseur*über die Sehnsucht nach Erneuerung, Grenzüberschreitungen und den Wunsch nach Verbindlichkeit. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,735277,00.html
Jedem das seine. Wer Rudelbumsen toll findet und andere Menschen kennt, die die selbe Leidenschaft teilen, dann ist das doch in Ordnung. Was ich mitlerweile nicht in Ordnung finde ist die Tatsache, dass Fremdgehen bzw. den Partner sexuell zu betrügen, zu einem Bagatell-Delikt verkommen ist. In den Medien wird das zudem kaum kritisch hinterfragt. Das man vor einem möglichen Betrug mit seinem Partner redet und die Beziehung beendet um danach wieder durch die Gegen zu vögeln ist ja in Ordnung, aber diese Drangmentalität ist keine schöne Sache. Wir Menschen tun doch immer so, als wären wir die Krone der Schöpfung. Aber wir rammeln durch die Gegend wie Hasen auf der Weide und achten dabei immer weniger auf unsere Partner, denen die aktuelle Beziehung ja immerhin etwas Wert sein könnte.
2. Stimmt
Katzenfreund, 22.12.2010
Aber man kann sich daran gewöhnen.
3. komische Frage
DJ Doena 22.12.2010
"Widernatürlich" ist immer so ein schwammiges Wort. Was ist denn "natürlich". Wenn man sich das desamte Tierreich dualsexualer Wesen anguckt, kommen da alle Spielarten drin vor, inwieweit sich wowohl Männchen, als auch Weibchen um den Nachwuchs kümmert und inwieweit dasselbe Männchen und Weibchen zusammenbleiben. Von daher ist also weder zeitlich begrenzte Monogamie noch zeitlich unbegrenzte Monogamie noch Polygamie "widernatürlich". Es kommt lediglich drauf an, was die Gesellschaft gerade als "normal" betrachtet. In 200 Jahren kann das schon wieder ganz anders aussehen. Das würde uns aber noch lange nicht widernatürlich machen.
4. Hui
lb3 22.12.2010
Welch angenehme Überraschung! Als Bin-kein-Tykwer-Fan und jemand, der bei Lola eher wegrennt, bin ich von den kurzen Teasern samt Interview begeistert. Richtige Schauspieler, eine Regie, die den Szenen Zeit gibt und eine schon bei den wenigen Bildern erkennbar gute Kamera. Was will man mehr? Ach ja, auch der Soundtrack ist vielversprechend. Wenn das also die Weiterentwicklung des Tom Tykwer ist, dann haben wir nicht nur jetzt einen feinen Film in Aussicht, sondern auch eine erwartungsfrohe Zukunft.
5. Große Verwirrung...
chocochip, 22.12.2010
Zitat von sysopIst bi besser? In seinem neuen Film "Drei" lässt Tom Tykwer ein heterosexuelles Paar eine Dreiecksbeziehung mit einem Mann eingehen.*Im Beziehungsgespräch mit dem KulturSPIEGEL spricht der*Regisseur*über die Sehnsucht nach Erneuerung, Grenzüberschreitungen und den Wunsch nach Verbindlichkeit. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,735277,00.html
Was hat Monogamie mit Bisexualität zu tun? Irgendwie geht hier alles durcheinander und man hat den Eindruck der Autor weiß selber nicht genau, worüber er/sie schreibt.
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© KulturSPIEGEL 12/2010
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Heft 12/2010 Der Cupcake macht die Kekse platt. Ein Weihnachtsdrama

Drei

Deutschland 2010

Regie: Tom Tykwer

Drehbuch: Tom Tykwer

Darsteller: Sophie Rois, Sebastian Schipper, Devid Striesow, Annedore Kleist, Angela Winkler, Alexander Hörbe, Winnie Böwe, Hans-Uwe Bauer, Senta Dorothea Kirschner

Produktion: X Filme Creative Pool

Verleih: X Verleih (Warner)

Länge: 119 Minuten

Start: 23. Dezember 2010

Offizielle Website zum Film



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