Von Jörg Böckem
Zu Beginn halten sich die Katastrophen noch in überschaubaren Grenzen - Willie Tanners Funkgerät gerät außer Kontrolle, ein Raumschiff kracht auf die Garage und demoliert das Dach. Alf legt einen Auftritt nach Maß hin. Für die Familie Tanner beginnt mit der Ankunft der außerirdischen Lebensform (Alf) eine schier endlose Kette von absurden Situationen, Problemen mit Justiz, Medien und Nachbarn und nicht zuletzt der Zerstörung von Heim, Hab und Gut. Und der permanenten Angst um das Wohl ihrer Katze Lucky.
Die Serie um den kleinen, haarigen Bruchpiloten Gordon Shumway vom Planeten Melmac, der den beschaulichen Alltag einer amerikanischen Durchschnittsfamilie durcheinander wirbelt, war Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger vor allem in Deutschland ein sensationeller Erfolg. Alf, eine Mischung aus E.T., den Muppets und einer Prise Homer Simpson ist gutherzig, aber ebenso egozentrisch, vorlaut, kindisch, rücksichtslos, gierig, verfressen und impulsgesteuert. Vor allem in den ersten Staffeln bezauberte die Serie von Paul Fusco und Tom Patchett junge und ältere Fernsehzuschauer mit anarchischem Witz, subtiler Medienkritik, Klamauk und einer großen Portion Sentimentalität. "Er kommt mir so menschlich vor", sagt Familienoberhaupt Willi Tanner in der Pilotfolge. "He, es gibt keinen Grund mich zu kränken!", antwortet Alf.
Flut an Merchandising
Überhaupt lebt die Serie in ihren besten Momenten von ihrem Dialogwitz. Alf: "Mir fällt auf, dass du eine Menge Zeit mit Reparaturen verbringst." Willie: "Weil du eine Menge Zeit damit verbringst, alles kaputtzumachen." Alf: "Wie schön, dass sich unsere Hobbys so gut ergänzen." Oder: "Gibt es denn gar nichts anderes für dich als Kühlschrank und Fernseher?" Alf: "Für mich ist das Abwechslung genug. Im Kühlschrank ist immer was Frisches, und im Fernsehen gibt es immer Konserven."
In Deutschland löste die Popularität der Serie eine wahre Flut an Alf-Merchandising aus - auch Tommi Piper, der Alf synchronisierte, schlug mit einem Chart-Hit Profit aus dem Erfolg. Am Ende war es dann vielleicht zu viel des Guten, vor allem aber wurden die Drehbücher immer schlechter. Als Alf nach vier Staffeln eingestellt wurde, hatte die Serie ihren Zenit überschritten. Die frühen Folgen allerdings sind Klassiker amerikanischer TV-Comedy. Die DVD-Veröffentlichung in Deutschland war überfällig, scheiterte aber bisher an Urheberrechtsstreitigkeiten.
Den menschlichen Hauptdarstellern hat Alf nicht unbedingt Glück gebracht: Größere TV- oder gar Filmrollen gab es nach Serienende für niemanden von ihnen. Max Wright alias Willie Tanner sagte in einem Interview: "Es war harte Arbeit und sehr schlimm, und am Ende der vierjährigen Alf-Dreharbeiten war ich sehr begierig darauf, dass es vorbei war." Jahre später sorgte er für wenig komische Schlagzeilen: Er wurde mehrfach wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss verhaftet, und Boulevard-Zeitungen druckten Bilder, die ihn angeblich beim Drogenkonsum und Sex mit Obdachlosen zeigten.
Möglich, dass Max Wright unter Alf mehr gelitten hat als Willie Tanner.
DVD "Alf - Die komplette erste Staffel" (Warner Home Video, 38,95 Euro). Staffel 2 ab 11. Dezember.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Kino | RSS |
| alles zum Thema KulturSPIEGEL-Tageskarte | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH