Von Tobias Rapp
Aber - und das fällt besonders im Vergleich zu "Deutschland 09" auf, der von Regisseur Tom Tykwer organisierten, gescheiterten Kurzfilmsammlung, die eine Art Neuauflage sein sollte - in diesem Film wird die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Lage im Land gesucht. Mit der realen Situation ebenso wie der Stimmung.
Wild werden dabei Realität und Fiktion vermischt: Rainer Werner Fassbinder streitet sich mit seiner Mutter, Alexander Kluge interviewt den Ex-RAF-Anwalt Horst Mahler im Gefängnis. Man sieht die Schweigeminute im Stuttgarter Mercedes-Werk, als Hanns Martin Schleyer beerdigt wird. Eine imaginäre Runde von Fernsehschaffenden diskutiert über die Notwendigkeit, sich von der Gewalt in einer Sophokles-Verfilmung zu distanzieren.
Inszenierte Passagen wechseln sich in "Deutschland im Herbst" mit dokumentarischem Material ab. Öfters landen Handlungsfäden im Nichts. Das geht wahrscheinlich gar nicht anders, wenn wie in diesem Fall fast alle, die damals den Autorenfilm ausmachten, dabei sind: Fassbinder, Kluge und Edgar Reitz führten Regie; Hannelore Hoger tritt auf, Wolf Biermann, Mario Adorf. Heinrich Böll schrieb am Drehbuch mit.
Bei so viel gutem Willen, sich Problemen zu stellen, geht immer etwas schief. So gesehen war es in diesem Film erstaunlich wenig.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Kino | RSS |
| alles zum Thema DVD-Edition "Deutscher Film" | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH