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DVD-Edition "Deutscher Film" Was ist da faul im Staate Deutschland?

Peinlich, hysterisiert - gelungen: Für "Deutschland im Herbst" betrachtete die Filmemacherelite von Rainer Werner Fassbinder bis Alexander Kluge den RAF-Terror und seine Folgen, die 1977 das Land überschatteten, als Puzzle aus Fiktion und Dokumentation.


Er ist hysterisiert. Er ist peinlich. Er strotzt vor allen möglichen historischen Parallelen, die nicht aufgehen. "Deutschland im Herbst" zu schauen, heißt mehr als dreißig Jahre später immer auch, sich zu wundern über dieses merkwürdige Land, das die Ereignisse im September und Oktober 1977 in den erlebten und gefühlten "Herbst" stürzen konnte.

Aber - und das fällt besonders im Vergleich zu "Deutschland 09" auf, der von Regisseur Tom Tykwer organisierten, gescheiterten Kurzfilmsammlung, die eine Art Neuauflage sein sollte - in diesem Film wird die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Lage im Land gesucht. Mit der realen Situation ebenso wie der Stimmung.

Wild werden dabei Realität und Fiktion vermischt: Rainer Werner Fassbinder streitet sich mit seiner Mutter, Alexander Kluge interviewt den Ex-RAF-Anwalt Horst Mahler im Gefängnis. Man sieht die Schweigeminute im Stuttgarter Mercedes-Werk, als Hanns Martin Schleyer beerdigt wird. Eine imaginäre Runde von Fernsehschaffenden diskutiert über die Notwendigkeit, sich von der Gewalt in einer Sophokles-Verfilmung zu distanzieren.

Inszenierte Passagen wechseln sich in "Deutschland im Herbst" mit dokumentarischem Material ab. Öfters landen Handlungsfäden im Nichts. Das geht wahrscheinlich gar nicht anders, wenn wie in diesem Fall fast alle, die damals den Autorenfilm ausmachten, dabei sind: Fassbinder, Kluge und Edgar Reitz führten Regie; Hannelore Hoger tritt auf, Wolf Biermann, Mario Adorf. Heinrich Böll schrieb am Drehbuch mit.

Bei so viel gutem Willen, sich Problemen zu stellen, geht immer etwas schief. So gesehen war es in diesem Film erstaunlich wenig.

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insgesamt 3 Beiträge
sun tzu 05.01.2010
Leider wird der "Filmgenuss" nicht jedem gegönnt. Grade Der RAF Streifen wurde tausendfach Abgemahnt von bekannten Kanzleien. Wo immer noch die Utopie herumgeistert, das sich auch jeder die Sachen gekauft hätte wenns die [...]
Leider wird der "Filmgenuss" nicht jedem gegönnt. Grade Der RAF Streifen wurde tausendfach Abgemahnt von bekannten Kanzleien. Wo immer noch die Utopie herumgeistert, das sich auch jeder die Sachen gekauft hätte wenns die Möglichkeit des Gratis Bezugs nicht gegeben hätte. Welcome to Reality
Sackaboner 05.01.2010
Unter den ganzen wiederveröffentlichten Filmen aus den 70er Jahren fehlt nur noch ein sehr bedeutender: Endstation Freiheit von Reinhard Hauff. Genial, wie sich Burkhard Driest mit einem Messer seine Aknepusteln auf dem Rücken [...]
Unter den ganzen wiederveröffentlichten Filmen aus den 70er Jahren fehlt nur noch ein sehr bedeutender: Endstation Freiheit von Reinhard Hauff. Genial, wie sich Burkhard Driest mit einem Messer seine Aknepusteln auf dem Rücken raspelt. In diesem Film finden sich Trostlosigkeit und Schmuddel der 70er Jahre in höchster Konzentration. Da muss ARTHAUS noch mal ran.
marks & spencer 05.01.2010
Der Beitrag von Fassbinder in "Deutschland im Herbst" imponiert mir. Er zeigt, warum er ein besserer Filmemacher war als die anderen.
Der Beitrag von Fassbinder in "Deutschland im Herbst" imponiert mir. Er zeigt, warum er ein besserer Filmemacher war als die anderen.
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