Zum Tode von Schauspielerin Karen Black: Dieser Blick!

Von

Karen Black: Gefährlich schön Fotos
Getty Images

Ende der sechziger Jahre erfand sich Hollywood neu - und Karen Black mit ihrem irre schönen Blick war mittendrin im großen Umbruch. Sie spielte in "Easy Rider" und "Nashville", hatte aber nie den ganz großen Erfolg. Jetzt erlag sie im Alter von 74 Jahren einem Krebsleiden.

Oh Mann, diese Augen. Leicht asynchron, immer mild flackernd. Karen Black, das war der aufregendste Silberblick des New Hollywood. Ein Strahlen stach aus ihren Augen heraus und schien den Raum um sie herum zu illuminieren. Und zwar immer und überall - selbst wenn der Filmset mal wieder nicht so gut ausgeleuchtet war, was vorkommen konnte bei den jungen wilden Regisseuren, mit denen die Schauspielerin in den sechziger und siebziger Jahren zusammenarbeitete.

Dieses Strahlen aus den Augen von Karen Black konnte alles bedeuten: Coolness, Sehnsucht, Wahnsinn.

Ja, auch und vor allem Wahnsinn. Der jüngeren Generation von Zuschauern dürfte Black für ihren Auftritt in der Hippie-Hymne "Easy Rider" aus dem Jahr 1969 bekannt sein. Als Prostituierte auf LSD stolpert sie mit Peter Fonda und Dennis Hopper in das Morgengrauen der Siebziger hinein und in eine lose improvisierte Handlung über das Thema Freiheit und darüber, weshalb diese immer eine Illusion bleiben wird. Damals war Black bereits 30 Jahre alt.

Hollywood erfindet sich neu

Anfang der sechziger Jahre war die Schauspielerin aus Illinois nach New York gekommen, studierte bei Lee Strasberg und wirkte bei einigen Off-Broadway-Stücken mit. Dann wurde sie von Francis Ford Coppola entdeckt, der sie 1966 für seine romantische Komödie "Big Boy - Jetzt wirst Du ein Mann" besetzte.

Fortan arbeitete sie wie die meisten Akteure während der großen Umbruchphase des amerikanischen Kinos Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger: Sie verdiente ihr Geld mit Fernsehrollen ("F.B.I."), trieb sich ansonsten auf den Sets der Hollywood-Erneuerer rum. 1970 war sie an der Seite von Jack Nicholson in Bob Rafelsons gefeiertem und epocheprägendem Sinnsucher-und-Säufer-Drama "Five Easy Pieces" zu sehen, ein Jahr später spielte sie unter der Regie von Nicholson in dessen Debüt als Filmemacher, "Drive, He Said".

Es war die Zeit, in der Hollywood sich neu erfand, dem alten Illusionismus abschwor, zeitkritische Themen behandelte - und auch immer wieder böse die Unterhaltungsindustrie selbst hinterfragte. Karen Black war in diesen rauen Entertainment-Selbstbespiegelungen dabei, etwa in Bill Nortons Showbiz-Drama "Cisco Pike" mit Kris Kristofferson 1972 und in Robert Altmans grandiosem Country-Sittengemälde "Nashville" 1975.

Black besaß Glamour, aber sie zeigte auch immer die Risse in diesem Glamour. Ihr gefährlich flackernder Blick verströmte stets auch Melancholie. Schönheit, Trauer, Tiefe, das ging bei der Frau zusammen. Etwa in der Rolle der Myrtle in Jack Claytons Adaption vom "Großen Gatsby" 1974, wo sie neben Robert Redford und Mia Farrow zu sehen war. Dafür bekam sie einen Golden Globe.

Apropos: Mia Farrow, Faye Dunaway, Diane Keaton - sie wurden die großen Diven des New Hollywood. Als Star der ersten Reihe samt angemessener Bezahlung und Dauerpräsenz in Prestige-Produktionen konnte sich Karen Black nie etablieren. So musste sie sich auch mit Schund wie "Piranha II" oder Disaster-Movies vom Schlage "Airport '75" über die Runden bringen. 1976 bekam sie immerhin die Hauptrolle in "Familiengrab", dem letzten Film von Alfred Hitchcock. 1982 drehte sie noch mal mit Robert Altman - die Komödie "Komm' zurück, Jimmy Dean". Danach schlug sich Black vor allem mit kleineren Rollen und in kleineren Produktionen durch.

2010 erkrankte die Schauspielerin an Krebs. Über das Internet sammelte sie von Fans Geld, um die teure medizinische Behandlung bezahlen zu können. Wie ihr Mann Stephen Eckelberry auf seiner Facebook-Seite schreibt, erlag Karen Black am Donnerstag in Los Angeles ihrem Leiden. Sie wurde 74 Jahre alt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. .
Meskiagkasher 09.08.2013
Schade. Nette Person mit massivem Talent.
2. Warm werden
cafecreme 09.08.2013
konnte ich nie mit ihr, fand sie aber in ihren Rollen interessant unangepasst
3. Rip
Butterflychaser 09.08.2013
Sie war Mitglied bei Scientology. Am Ende musste sie sogar eine Online-Spendenaktion starten, um Geld für die Behandlung zu erhalten. Ihr ganzes Vermögen muss sie wohl der Sekte "gespendet" haben.
4. Über Todesursachen sprechen?
Ogden 09.08.2013
In deutschen Medien wird sehr zurückhaltend damit umgegangen, wenn über die Todesursache von bekannten Persönlichkeiten berichtet wird. Dies wird wahrscheinlich meistens damit begründet, dass es sich dabei um eine Privatangelegenheit handelt. In den USA ist das anders. In Wikipedia wird oft die Todesursache einer Kategorie zugeordnet. Ich finde, das die deutsche Herangehensweise unbefriedigend ist. So wird meistens verallgemeindernd von "Krebs" gesprichen, obwohl es hunderte von Krankheiten gibt, die vereinfachend unter diesem Begriff zusammengefasst werden. Sie reichen von äußerst indolent (d.h., sie müssen eventuell nie behandelt werden) bis zu sehr aggressiv. Einige sind kurabel, andere sehr gut behandelbar, andere kaum. Über die Todesursache von Prominenten sollte deshalb differenziert berichtet werden, weil dies auch die Chance eröffnet, Bewusstsein für den Kampf gegen diese Leiden hervorzurufen und Aufmerksamkeit zu mobilisieren. Immer noch wird in den meisten deutschen Medien, auch hier, über Krebs so berichtet als wäre man im Jahre 1950 und nicht im Jahr 2013 mit zahlreichen Durchbrüchen im Verständnis dieses facettenreichen Krankheitsbildes.
5. †
tomkey 09.08.2013
Eine der Sorte Schauspielerinnen, die mir mit wenigen Filmen immer in Erinnerung bleiben wird. Gerade die Filme aus den 70ern, in denen sie mitspielte, zählen mich für mich zu den besten Hollywood-Produktionen aller Zeiten. R.I.P, Karen Black.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema Kino
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare