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Edgar Wallace und Karl May: Filmproduzent Horst Wendlandt ist tot

Der Berliner Filmproduzent Horst Wendlandt ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Besonders in den sechziger Jahren verzeichnete er große Erfolge mit den Edgar-Wallace-Verfilmungen und den Karl-May-Streifen. Später arbeitete er auch mit Ingmar Bergman und Rainer Werner Fassbinder zusammen.

Berlin - Wendlandt sei am Freitagnachmittag friedlich im Kreis seiner Familie gestorben, sagte eine Sprecherin seiner Firma Rialto Film. Wendlandt, der 80 Jahre alt wurde, habe seit etwa einem Jahr an einer schweren Krebserkrankung gelitten.

Wendlandt war zeitweise Deutschlands erfolgreichster Filmproduzent gewesen: 60 Millionen Zuschauer sahen in den sechziger Jahren seine 30 Edgar-Wallace-Filme, 50 Millionen Besucher wurden von den neun Karl-May-Streifen angelockt, die überwiegend in Slowenien und im Karstgebirge Bosniens gedreht wurden.

In den dreißiger Jahren hatte der in Criewen bei Schwedt unter dem Namen Horst Gubanow geborene Wendlandt bei der Ufa als Kassierer seinen Einstieg ins Filmgeschäft begonnen. Bei einem Monatsverdienst von 125 Mark zahlte er damals Filmstars wie Hans Albers 80.000 Mark pro Film aus. 1956 avancierte er zum Produktionsleiter bei Artur Brauners CCC-Film. Seine Stunde schlug aber 1961 mit seinem Einstieg in die dänische Rialto-Film, die bald ganz in seinen Besitz überging.

Es begann die Serie der überraschend erfolgreichen Edgar-Wallace-Verfilmungen, zunächst mit dem noch recht einfach gestrickten "Frosch mit der Maske" 1959. Bald aber wurde die markig dröhnende Stimme zu Beginn jedes neuen Films mit den Worten "Hier spricht Edgard Wallace!" zum Erkennungssymbol einer immer größer werdenden Fangemeinde, die den unheimlichen Klaus Kinski, den verschmitzten Diener Eddi Arendt oder die pfiffigen Inspektoren Heinz Drache oder Joachim Fuchsberger sehen wollte. Sie finden auch bei den x-ten Wiederholungen im Fernsehen heutzutage ihr Massenpublikum.

Auf Karl May brachte Wendlandt sein Sohn; er selber hatte die Bücher bis dahin nie gelesen. Lex Barker als Old Shatterhand und Pierre Brice als Winnetou stiegen in den Sattel, auf dem Weg in die ewigen Jagdgründe des Kinogeschäfts, wo volle Kassen warteten.

Der Produzent verließ sich bei seinen Plänen immer wieder auf seinen guten Riecher. "Ich halte meine Nase in den Wind und wenn ich nichts rieche, dann ist da auch nischt", sagte er einmal. Es gab aber auch Misserfolge: Ingmar Bergmans von Wendlandt mitproduziertes filmisches Vermächtnis, die autobiografische Familiengeschichte "Fanny und Alexander" war zwar überall auf der Welt ein großer Erfolg, nicht aber in Deutschland. Mit Bergman erlebte er noch eine zweite Enttäuschung, in den siebziger Jahren mit dem "Schlangenei".

In den achtziger Jahren kam dann die Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder bei Filmen wie "Lola" und "Die Sehnsucht der Veronika Voss", Gewinner des Goldenen Bären der Berlinale 1982. Auch Wendlandt selbst konnte Preise einheimsen. So zählen 38 Goldene Leinwände, 2 Filmbänder in Gold 6 Bambies, der Bundesfilmpreis für Verdienste um den deutschen Film sowie eine Berlinale-Kamera für das Lebenswerk in seiner Trophäensammlung.

Otto Waalkes und auch Loriot ("Ödipussi") holte er ins Filmstudio, um mit ihnen einige der erfolgreichsten Filme der Nachkriegszeit mit Zuschauerzahlen zwischen sechs und zehn Millionen zu produzieren.

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