"Einmal Himmel und zurück" Ein Schwarzer ist ein Weißer ist ein Schwarzer

Ich sehe was, was du nicht siehst: Die neue Komödie der "American Pie"-Macher Chris und Paul Weitz ist nicht nur ein Remake des Hollywood-Klassikers "Urlaub vom Himmel", sondern auch eine Übung in medialem Zen-Buddhismus.

Von Daniel Haas


Filmszene mit Chris Rock aus "Einmal Himmel und Zurück"
UIP

Filmszene mit Chris Rock aus "Einmal Himmel und Zurück"

Das prominenteste Karrieresprungbrett für amerikanische Komiker heißt "Saturday Night Live", eine TV-Comedy-Show, die alle Großen des Genres absolviert haben - ob John Belushi oder Eddie Murphy, Steve Martin oder Mike Myers. Auch Chris Rock hat sein Publikum vom Fernsehen aus erobert; er ist ein Star der Mattscheibe, nicht der Leinwand. "Einmal Himmel und zurück" sieht man genau das an.

Die besten Momente dieser Komödie, das sind die Stand-up-artigen Gag-Tiraden, mit denen Rock szenenweise brilliert - immer dann, wenn der Gang der Geschichte quasi angehalten wird und nur die Präsenz des Komikers zählt, der Pointen abfeuert, assoziativ, schnell, ungehindert von Handlungslogik und Dramaturgie.

Schwarzer, also weißer Multimillionär trifft afroamerikanische Sister: Regina King als Sontee und Rock als Lance
UIP

Schwarzer, also weißer Multimillionär trifft afroamerikanische Sister: Regina King als Sontee und Rock als Lance

Die Geschichte ist hinreichend bekannt. Bereits 1941 verfilmte Alexander Hall den Stoff nach der Vorlage von Harry Segalls Bühnenstück unter dem Titel "Here comes Mr. Jordan" (deutsch: "Urlaub vom Himmel"). 1978 versuchte sich Warren Beatty an einem Remake - mit großem Erfolg. "Heaven can wait" nannte sich die himmlische Komödie, genau wie der Ernst-Lubitsch-Klassiker aus dem Jahre 1943, der allerdings eine völlig andere Geschichte erzählt.

In "Einmal Himmel und zurück" spielt Chris Rock Lance Barton, einen Komiker, der zu früh ins Jenseits abberufen wird. Peinlich für Chefengel Mr. King (Chazz Palminteri): Er hat den göttlichen Terminplan verpatzt; Lance darf zurück zur Erde, allerdings im Körper eines weißen Multimillionärs.

So debütiert Lance in seinem neuen Leben als Bonze wider Willen, dessen ärgster Feind ausgerechnet die Afroamerikanerin Sontee, eine energische Sozialarbeiterin, ist. Lance, das unfreiwillige Bleichgesicht, verliebt sich in die attraktive Sister und erobert ihr Herz - trotz Angelsachsenblässe und fettem Bankkonto. Natürlich gibt es ein Happy-End, bis dahin aber verlangt der Film seinen Zuschauern das Bewusstsein eines Zen-Buddhisten ab.

Rock und Chefengel Mr. King (Chazz Palminteri)
UIP

Rock und Chefengel Mr. King (Chazz Palminteri)

Denn anders als die Figuren in der Welt des Films sehen wir den weißen Millionär in seiner wahren Gestalt: als Lance Barton alias Chris Rock. Wir sehen also einen Schwarzen im Körper eines Weißen, wobei wir den Schwarzen sehen, dessen Umwelt auf der Leinwand aber nur den Weißen sieht. Kurz: Wir sehen das, was den anderen verborgen bleibt, jedoch die Grundlage der Komik des Filmes sein soll. "Einmal Himmel und zurück" ist also ein metaphysischer Film, dessen Prämisse quersteht zu seinen Bildern. Wie aber soll man sich amüsieren, wenn man sich immer daran erinnern muss, dass der Mensch, den man da sieht, eigentlich ein anderer, aber letztendlich dann doch eben jener Gezeigte ist?

Man könnte diese Schwäche im Repräsentationskonzept nun in ein politisches Statement ummünzen; schon in den siebziger Jahren sang Hank Ballard in seinem Funk-Hit "Blackenized", Afroamerikaner müssten der Assimilation durch weiße Kultur widerstehen und innerlich wieder "schwarz" werden. Aber Weitz' Komödie liefert nicht die geringsten Signale für solch eine Lesart, und so funktioniert "Einmal Himmel und zurück" schließlich nur als Rahmen für ein paar herrliche Soloauftritte des Komikers Chris Rock. Perfekte kleine Showeinlagen, die man sich befreit vom Ballast der romantischen Komödie, gut im Fernsehen vorstellen könnte - am besten Samstagnacht und live.

"Einmal Himmel und zurück" ("Down to Earth"). USA 2001. Regie: Chris und Paul Weitz, Drehbuch: Chris Rock, Lance Crouther, Ali LeRoi and Louis CK. Darsteller: Chris Rock, Regina King, Chazz Palminteri, Frankie Faison, Eugene Levy. Länge: 87 Minuten. Verleih: UIP. Start: 26. Juli 2001.



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