"Fack ju Göhte"-Star M'Barek "Ein paar Worte auf Facebook können sehr viel bewegen"

Elyas M'Barek kommuniziert mit seinen Fans intensiv über soziale Netzwerke. Hier erklärt der Schauspieler, wie viel Politik dabei sein darf und warum Til Schweiger Hochachtung verdient.

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Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Herr M'Barek, in "Fack ju Göhte 2" haben Lehrer wie Schüler eigene YouTube-Kanäle, inszenieren sich ständig selbst. Auch Sie sind sehr umtriebig in den sozialen Netzwerken, posten fleißig bei Facebook, twittern, laden Selfies bei Instagram hoch. Sind Sie als Privatperson ähnlich aktiv?

M'Barek: Nee, sicher nicht. Ich hab auch eine private Facebook-Page, die braucht man ja, um seine Fanpage betreiben zu können. Da poste ich zum Beispiel überhaupt nichts, weil ich meine Freunde nicht zumüllen möchte mit meinem Quatsch. Auf der Fanpage hingegen sind die Leute ja selbst schuld, wenn sie mir folgen. Beziehungsweise gehe ich davon aus, dass sie was sehen wollen. Insofern kann ich mich da austoben.

SPIEGEL ONLINE: Wurde Ihnen empfohlen, Social Media zu nutzen?

M'Barek: Im Gegenteil. Als ich damit angefangen habe, wurde ich im beruflichen Umfeld belächelt. Das ist drei Jahre her. Damals hat so was nur Matthias Schweighöfer gemacht, von dem habe ich es mir abgeguckt und mich selbst angemeldet. Damals waren es null Follower, seitdem ist es rapide angestiegen.

SPIEGEL ONLINE: Auf mehr als 2,3 Millionen. Matthias Schweighöfer haben Sie längst überholt.

M'Barek: Für mich war das immer ein Hobby. Mir macht es total Spaß, Dinge zu posten. Das ist bei mir eine Mischung aus allem: Manchmal ein bisschen Werbung, Trailer für meine Filme, privates Zeug, Meinungsäußerungen. Manchmal auch einfach nur irgendwas Lustiges. Die Seite soll hauptsächlich der Unterhaltung dienen, das gelingt bisher ganz gut. Ich bekomme wenig bis gar kein negatives Feedback.

SPIEGEL ONLINE: Neulich haben Sie einen SPIEGEL-Artikel gepostet, in dem der Autor den Umgang Ostdeutscher mit Flüchtlingen mit der Wiedervereinigung vergleicht.

M'Barek: Ich fand den sehr gut.

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SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie ein Risiko darin, sich politisch zu äußern?

M'Barek: Ich denke schon, Politik und Entertainment sollten sich nicht zu sehr vermischen, das verträgt sich nicht. Natürlich habe ich eine private Meinung. Aber die Frage ist, wie sehr man die äußern sollte, inwiefern ich mir das herausnehmen darf. Ich meine: Ich bin Schauspieler. Was legitimiert mich dazu, jedem meine Meinung aufzudrücken? Von meinen Facebook-Fans sind vermutlich die meisten jüngeren Alters. Ich glaube, die nehmen relativ ernst, was ich sage. Ich bin mir der Verantwortung einfach bewusst.

SPIEGEL ONLINE: Öffentlichkeit lässt sich ja auch positiv nutzen.

M'Barek: Absolut, das tue ich ja. Aber damit meine Stimme nicht an Gewicht verliert, will ich es nicht übertreiben, sondern gezielt einsetzen. Etwa indem ich so einen Artikel poste, nach dem Motto: "Lest euch den mal durch!" Jeder kann sich dann eine Meinung darüber bilden. Ich möchte nur niemandem meine eigene Meinung aufzwängen.

SPIEGEL ONLINE: Verfolgen Sie die Kommentare der Fans?

M'Barek: Ja, immer. Manchmal beleidigen sie sich untereinander, dann muss man halt Administrator spielen und den einen oder anderen rausschmeißen. Ich würde nicht dulden, wenn einer ankommt und glaubt, er kann auf meiner Seite rassistische oder menschenfeindliche Kommentare posten. Dann fliegt er halt. Das passiert Gott sei Dank nur ganz, ganz selten. Wenn mal ein Streit ausbricht oder kontrovers diskutiert wird, was ja gut ist, dann disziplinieren sich die Fans gegenseitig. Sie gehen relativ erwachsen miteinander um, sehr sachlich. Es freut mich immer total, dass es bei mir nicht so asi zugeht. Würde man gar nicht vermuten, oder?

SPIEGEL ONLINE: Für Ihren Kommentar "Schämt euch #Heidenau!" wurden Sie von den eigenen Fans kritisiert.

M'Barek: Ich habe natürlich nicht den Ort Heidenau gemeint, der Satz war ja in einen Hashtag gesetzt. Viele haben das verstanden, einige nicht. Und dann kam auf einmal negatives Feedback, es hieß: "Hallo Elyas, ich komme aus Heidenau und es sind nicht alle so. Ich finde es voll schlimm, dass du so was behauptest oder uns alle über einen Kamm scherst." Das ist überhaupt nicht meine Art, deshalb habe ich dann wieder kommentiert: "Das tut mir leid, wenn das so verstanden wird. Das ist natürlich nicht so gemeint. Das war eine Metapher." Aber da merkt man, wie schnell es kippen kann. Ein paar Worte auf Facebook können sehr viel bewegen.

SPIEGEL ONLINE: Til Schweiger hat einen Shitstorm ausgelöst, als er sich offensiv gegen ausländerfeindliche Kommentatoren auf seiner Facebook-Seite gewehrt und sie als "empathieloses Pack" bezeichnet hat. Sie selbst haben kürzlich gesagt: "Ich bin kein Vorbild, ich bin Schauspieler."

M'Barek: Das ist ja nur meine Haltung. Jeder muss selbst entscheiden, was er für richtig hält und wie er sich äußern möchte. Ich finde, es hat Hochachtung verdient, dass Til so vehement seine Meinung vertritt und sich nichts sagen lässt.

SPIEGEL ONLINE: Denken Sie manchmal trotzdem, auch Sie sollten stärker Position beziehen?

M'Barek: In letzter Zeit fragen mich schon einige: Warum machst du es nicht wie Til? Aber ich finde, es ist total klar, was ein Mensch in Deutschland in unserer Zeit für eine Haltung haben sollte. Man muss sich gar nicht von irgendwas distanzieren, im Gegenteil: Leute, die solch einen Schwachsinn auf Facebook posten, sollen sich von ihrer Haltung distanzieren. Und so etwas muss auch viel krasser bestraft werden. Per se finde ich nicht, dass jetzt jeder die Pflicht hat zu sagen: "Ich bin nicht so, ich habe nichts gegen Flüchtlinge." Ich finde, das ist ja die Norm.

SPIEGEL ONLINE: Das zeugt von Idealismus.

M'Barek: Vielleicht kommt er daher, dass ich Münchner bin. Letzte Woche kamen hier Flüchtlinge am Hauptbahnhof an, und die Polizei musste die Bürger irgendwann aufrufen, nichts mehr zu spenden, weil sie nicht wussten, was sie mit dem vielen Zeug machen sollten. Die Flüchtlinge wurden von den Münchnern willkommen geheißen und mit Süßigkeiten überhäuft. Das ist genau das Gegenteil von dem, was woanders in Deutschland passiert. Ich war sehr stolz auf meine Heimatstadt. Aber das ist halt normal hier, für genau solche Werte steht München meiner Meinung nach.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vater kam aus Tunesien nach Deutschland, Ihre Mutter ist Österreicherin. Sie selbst sind in München geboren und aufgewachsen. Nervt Sie das Thema "Migrationshintergrund"?

M'Barek: Es nervt mich nicht, aber ich sehe mich einfach nicht in der Rolle. Das ist dasselbe Beispiel: Ich finde es sehr normal, dass ich so bin und so aussehe. Ich glaube, die meisten Leute, die einen ähnlichen Hintergrund haben wie ich, sehen das auch als sehr normal an. Dass die Eltern halt aus einem anderen Land stammen, wir aber trotzdem Hochdeutsch sprechen und uns als Deutsche fühlen. Insofern sehe ich mich weder als Sprachrohr noch als Aushängeschild, sondern ich fühle mich einfach als Münchner und als Deutscher und will auch so wahrgenommen werden.

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insgesamt 2 Beiträge
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radamriese 09.09.2015
1. er sieht blendend aus
ist ein guter SChauspieler. DAbei soll er bleiben. Nicht alle SChauspieler sind auch Politiker
dent42 09.09.2015
2.
Aber alle erfolgreichen Politiker sind halbwegs gute Schauspieler. Von mir aus können auch prominente politisch Stellung beziehen und Klartext sprechen., auch wenn man sich mit letzterem hierzulande nicht viele Freunde macht
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