Von Frank Patalong
Seine erste Prügel bezog jOBS, die filmische Biografie des 2011 verstorbenen Apple-Mitbegründers Steve Jobs, schon vor seiner Uraufführung. Kurz nach Veröffentlichung einer ersten, als Appetitmacher gedachten Szene, meldete sich einer zu Wort, dem viele Fans wohl glauben werden: Steve "Woz" Wozniak, Jobs einstiger Partner und der eigentliche Erfinder in dem Apple-Duo, in dem Jobs der genialische Verkäufer war. Der Filmclip, ließ Wozniak wissen, sei "total falsch". Er selbst sei nie so gut angezogen gewesen, und die Ideen, die da Jobs zugesprochen wurden, seien in Wahrheit ja seine gewesen.
Wahrscheinlich stimmt das sogar. Aber jOBS von Regisseur Joshua Michael Stern will ja auch keine Dokumentation sein. Von denen gibt es schon genug, die letzte kam im Herbst 2012 heraus. Worauf die Kinowelt hingegen wartet, seit Aaron Sorkin das im Frühjahr 2012 ankündigte, ist das erste "Bio-Pic" - die cineastische Umsetzung des Lebens des Steve Jobs.
Die kommt jetzt nicht von Sorkin, der gerade erst bestätigte, dass er nun endlich an einem Jobs-Drehbuch arbeite. Sein Film, verriet Sorkin, solle anspruchsvoll werden und aus nur drei Szenen bestehen. Zwar orientiert an der Jobs-Biografie von Walter Isaacson, aber eben keine szenische Nacherzählung der Jobs-Legende. Das macht viele Fans neugierig: Sorkin war es schon mit der Facebook-Geschichte "The Social Network" gelungen, eine Firmen- und Gründerstory zu erzählen, ohne dabei künstlerisch auf dem Bauch zu landen.
Außer Sorkin steht bisher allerdings nur eine Person fest, die zu dem Film beitragen wird, wie "Entertainment Weekly" süffisant berichtete - Steve Wozniak. Es ist also so, wie es zu erwarten war: Nicht ganz eineinhalb Jahre nach Jobs Tod beginnt nun auch in filmischer Form der Kampf um die Deutungshoheit über Jobs und den Apple-Mythos.
Erste Kritiken: ein flacher Werbefilm?
Der erste Versuch kommt nun mit jOBS, der seine Uraufführung auf dem Sundance Festival erlebte. Das ist eigentlich der Ort für den etwas anspruchsvolleren amerikanischen Film, mit Nischen für Indie- und Autorenfilm. Möglich, dass diese öffentliche Bühne für einen Film wie jOBS nicht die klügste Wahl war.
Denn Regisseur Stern hatte offenbar Gängigeres im Sinn als sein Konkurrent Sorkin: Gespielt wird Jobs in seinem Film von Teenie-Idol Ashton Kutcher - schon die Besetzung sorgte für Kontroversen.
Steve Jobs war über drei Jahrzehnte weit mehr als nur ein IT- (Apple, Next) und Medienunternehmer (Pixar, Disney). Jobs war auch ein Weltveränderer, weil er mit Apple das Arbeitsgerät Computer zur Popkultur machte. Seine Fans verehrten ihn dafür wie einen Messias - obwohl und vielleicht sogar weil durchaus bekannt war, was für eine kontroverse Figur er gewesen sein muss.
In seinen Firmen war Jobs nicht nur verehrt, sondern auch gefürchtet. Nicht nur ein genialer Verkäufer und instinktsicherer Firmenlenker, auch ein despotischer Choleriker soll er gewesen sein. Stern unterschlägt das in seinem Film offenbar komplett: Die meisten Kritiken, die am Morgen nach der Premiere erschienen, rügten jOBS als flach (z.B. CNet) oder unterhaltsam, aber harmlos. Dem "Hollywood Reporter" kam der Film vor wie ein "zwei Stunden langer Werbespot", andere bezeichneten ihn semi-freundlich als "konventionell" oder "mittelmäßig".
Immerhin: Kutcher kommt besser weg. IndieWire lobt Kutchers "besten Auftritt seit Jahren", der "Hollywood Reporter" die gekonnte Imitation von Gestus, Mimik und Sprachstil. Auch der "Salt Lake Tribune" meint, Kutcher sei nicht "die Casting-Katastrophe, die man vorher erwartet habe". Bryan Enk bringt es in seiner Movietalk-Kolumne auf den Punkt: Kutcher verdiene "Lob in einem ansonsten mittelmäßigen" Film.
Es ist fraglich, ob man mit einem Jobs-Film gewinnen kann
Doch schon das Sujet ließ auch solche Kritiken erwarten. Es kommt ja auch nicht jeden Tag vor, dass sich von IT-Newsdiensten über Film-Gerüchteseiten bis zu Foxnews und das Feuilleton jeder zur Kritik berufen fühlt. Es ist ein Problem für einen Biografie-Film, wenn jeder meint, die Geschichte von vorn bis hinten zu kennen - gerade die Fans erwarten da eine gewisse "Bibeltreue".
Es wird eine Weile dauern, bis sich eine breitere Öffentlichkeit ein Bild vom "Bio-Pic" jOBS wird machen können. Woher die zahlreichen Fans ihre Kenntnisse haben, die jOBS in der Internet-Filmdatenbank IMDB schon unter die Top-5000-Filme aller Zeiten wählten, ist nicht bekannt. In den illegalen Börsen tauchte der Film bisher nicht auf - und die meisten der abstimmenden Fans dürften schon deshalb nicht bei der Sundance-Premiere gewesen sein, weil sie unter 18 Jahre jung sind. Ihnen reicht wahrscheinlich der Name Kutcher für eine Bewertung.
In den USA läuft der Film nach der Vorpremiere auf dem Sundance-Festival erst im April an. Erste synchronisierte Versionen für den europäischen Markt sind ab August angekündigt. Wahre Jobs-Fans werden den Film bis dahin längst gesehen haben. Und die anderen warten vielleicht eher auf Sorkin.
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