Europäischer Filmpreis 2014 Polnischer Schwarz-Weiß-Film "Ida" räumt ab

"Ida" gewinnt in Riga: Der polnische Schwarz-Weiß-Film wurde beim Europäischen Filmpreis in fünf Kategorien geehrt. Auch drei Deutsche wurden ausgezeichnet. Die beste Schauspielerin kommt jedoch aus Frankreich - und erhielt die Trophäe in Abwesenheit.

Arsenal

Riga - Polen in den Sechzigerjahren: Ein Waisenmädchen, das kurz vor seinem Eintritt ins Kloster erfährt, dass es eigentlich Jüdin ist. Bevor sie ihr Gelübde ablegen kann, muss die junge Frau das Geheimnis ihrer Familiengeschichte ergründen. Das ist die Geschichte des Films "Ida", der beim Europäischen Filmpreis in Riga gewonnen hat.

Das polnische Schwarz-Weiß-Drama von Pawel Pawlikowski wurde am Samstagabend in der lettischen Hauptstadt zum besten Spielfilm gekürt. "Ida" holte außer dem Hauptpreis vier weitere Auszeichnungen, unter anderem für Regie, Kamera und Drehbuch.

In Deutschland haben knapp 20.000 Kinozuschauer den Gewinnerfilm gesehen. Er setzte sich unter anderem gegen Lars von Trier Sex-Drama "Nymphomaniac" durch.

Auch die Deutschen waren erfolgreich, sie holten drei der begehrten Trophäen: Der Stuttgarter Marc Bauder gewann mit seiner Banker-Doku "Master of the Universe" den Preis in der Kategorie bester Dokumentarfilm. Natascha Curtius-Noss und Claus-Rudolf Amler bekamen Preise für Kostüm- sowie Szenenbild des Alpendramas "Das finstere Tal".

Als beste Schauspielerin wurde in Abwesenheit die Französin Marion Cotillard für ihre Rolle in dem Sozialdrama "Zwei Tage, eine Nacht" von Jean-Pierre und Luc Dardenne geehrt. Der britische Schauspieler Timothy Spall nahm die Filmpreis-Statue als bester Schauspieler entgegen. Er wurde für die Titelrolle in der Maler-Biografie "Mr. Turner - Meister des Lichts" ausgezeichnet.

Mehr als tausend Filmschaffende hatten sich in Riga zur Filmpreis-Gala versammelt, darunter auch die Schauspieler Liv Ullmann und Tobias Moretti. Die Gewinner werden von den mehr als 3000 Mitgliedern der Europäischen Filmakademie gewählt.

Der britische Filmemacher Steve McQueen erhielt den Sonderpreis aus den Händen von Akademie-Präsident Wim Wenders. McQueen, der unter anderem den diesjährigen Oscar-Gewinner "12 Years a Slave" gedreht hat, wurde für seinen "einzigartigen Beitrag zum internationalen Kino" geehrt.

Sehr gerührt und etwas verlegen war die französische Filmemacherin Agnès Varda (86), als sie den Preis für ihr Lebenswerk entgegen nahm. "Ich habe ein Geschenk bekommen", sagte Varda. Etwas Kritik wollte die Regisseurin und Autorin - "Großmutter der Nouvelle Vague" - aber auch loswerden: Zu wenig Frauen seien unter den Nominierten für den Filmpreis gewesen.

Die Gewinner des 27. Europäischen Filmpreises in den wichtigsten Kategorien:

  • Bester Spielfilm: "Ida" von Pawel Pawlikowski (Polen)
  • Bester Dokumentarfilm: "Master of the Universe" von Marc Bauder (Deutschland)
  • Bester Animationsfilm: "Die Kunst des Glücks" von Alessandro Rak (Italien)
  • Beste Komödie: "The Mafia only kills in the Summer" von Pierfrancesco Diliberto (Italien)
  • Beste Schauspielerin: Marion Cotillard ("Zwei Tage, eine Nacht")
  • Bester Schauspieler: Timothy Spall ("Mr. Turner - Meister des Lichts")
  • Lebenswerk: Agnès Varda (Frankreich)
  • Europäischer Beitrag zum Weltkino: Steve McQueen (Großbritannien)
  • Publikumspreis: "Ida" von Pawel Pawlikowski (Polen)
  • Bester Regisseur: Pawel Pawlikowski ("Ida")
  • Bestes Drehbuch: Pawel Pawlikowski, Rebecca Lenkiewicz ("Ida")
  • Bester Debütfilm: "The Tribe" von Myroslav Slaboshpytskiy (Ukraine)
  • Bestes Szenenbild: Claus-Rudolf Amler ("Das finstere Tal")
  • Bestes Kostümbild: Natascha Curtius-Noss ("Das finstere Tal")
  • Beste Filmmusik: Mica Levi ("Under the skin")
  • Beste Kamera: Lukasz Zal, Ryszard Lenczewski ("Ida")
  • Bester Schnitt: Justine Wright ("No turning back")
  • Bestes Sounddesign: Joakim Sundström ("Starred up")

lgr/dpa



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