Facebook-Film "The Social Network": Der Sozio-Pate

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Möchten Sie Mark Zuckerberg eine Freundschaftsanfrage schicken? Nachdem Sie "The Social Network" gesehen haben, ganz bestimmt nicht mehr. David Finchers Porträt des Facebook-Gründers zeigt mit entlarvender Schärfe, wie ausgerechnet ein soziopathischer Nerd die weltgrößte Plauder-Plattform schuf.

"The Social Network": Facebooks unfreundliches Gesicht Fotos
Sony Pictures

Mehr als 500 Millionen Menschen auf der ganzen Welt nutzen Facebook. Sie plaudern mit Freunden und Bekannten, sie posten Musikclips und Filme, sie machen Werbung für dies und jenes - oder sagen einfach mal kurz Bescheid, wenn sie sich einen Espresso zubereiten oder die Fußnägel säubern. All diese unterschiedlichen Selbstdarsteller eint die Angst, dass irgendjemand etwas auf Facebook posten könnte, was nicht in das mühsam kreierte öffentliche Image passt - ein unvorteilhaftes oder peinliches Bild vom letzten Saufgelage. Eine Lästerei über eine unattraktive Charaktereigenschaft, intime Informationen, die niemanden etwas angehen, außer die echten Freunde, die aus Fleisch und Blut.

Für Mark Zuckerberg ist diese Angst jetzt Realität geworden. Allerdings muss sich der 26 Jahre alte Gründer von Facebook nicht nur mit einem entlarvenden Posting auf seiner Pinnwand herumplagen. Facebook, nach Google die wohl meistgenutzte Internetanwendung, ist so wichtig geworden, dass Hollywood einen großen Film über ihre Entstehung, vor allem aber über ihren Erfinder gedreht hat. "The Social Network" hatte am Freitag auf dem New Yorker Filmfestival Premiere, startet in der kommenden Woche in mehreren tausend US-Kinos und läuft am 7. Oktober auch in Deutschland an.

Zuckerberg ließ bereits verlauten, dass er sich den Film nicht ansehen wird. Das ist wahrscheinlich eine gute Idee, denn Regisseur David Fincher ("Zodiac") und Drehbuchautor Aaron Sorkin ("The West Wing") zeichnen das Bild eines ehrgeizigen, aber soziopathischen Computer-Genies, der die weltgrößte Plauder-Plattform erfindet und dabei selbst zum einsamen Menschen wird. "Eine klassische Geschichte über Freundschaft, Loyalität, Betrug und Eifersucht" wollten sie erzählen, sagte Sorkin in einem Interview.

Dabei geht es gar nicht darum, ob der Film die Wahrheit über Zuckerberg erzählt. Das Drehbuch zu "The Social Network" beruht auf dem unautorisierten Buch "The Accidental Billionaires" des Journalisten Ben Mezrich, der zwar meint, darin eine wahre Geschichte über Facebooks bewegte Gründerzeit erzählt zu haben, andererseits aber offen zugibt, Szenen und Dialoge erfunden oder dramatisiert zu haben, um die Handlung spannender zu machen. Produzent Scott Rudin und Autor Sorkin versuchten nach eigenen Angaben mehrfach, Zuckerberg oder zumindest Facebook als Firma in die Entstehung des Films einzubinden, ein Kontakt kam jedoch nie zustande. "The Social Network" ist also eine Fiktion, eine Version der Wahrheit, auch wenn die Personen im Film reale Namen tragen.

"Sie können dich nicht leiden, weil du ein Arschloch bist"

Und dennoch wird Zuckerbergs Image künftig ganz entscheidend geprägt sein - man wird das zwischen verkniffener Verletzlichkeit und selbstgewissem Hochmut wechselnde Mienenspiel des glänzenden Schauspielers Jesse Eisenberg vor sich sehen, wenn man an den echten Zuckerberg denkt. Man wird ihn für einen genialen, aber extrem egomanischen Typ halten, der seinen besten - und einzigen echten - Freund opfert, um ein Milliarden-Imperium zu schaffen.

Gleich die erste Szene des Films etabliert diesen zwiespältigen Charakter mit einem rasanten Dialog in einer Campus-Kneipe zwischen dem Harvard-Studenten Zuckerberg und seiner Freundin Erica Albright (Rooney Mara).

Es geht um die Wahl des richtigen "Final Club", eines jener Harvard-Männerklüngel, in denen bei viel Alkohol und Damenbesuch Networking betrieben wird. Zuckerberg ist besessen davon, im exklusivsten dieser Etablissements, dem "Porcellian Club", Mitglied zu werden - und führt ein verschlungenes, mit zahlreichen College- und Tech-Slangs codiertes Selbstgespräch, in dessen Verlauf er der armen Erica immer wieder zu verstehen gibt, dass sie mit seiner Bildung, seiner Schnelligkeit und seiner Cleverness nicht mithalten kann. Am Ende des Gesprächs, das längst zum Beziehungsstreit geworden ist, holt sie zum Gegenschlag aus und landet einen Wirkungstreffer mit Folgen: "Mark", sagt sie, "du wirst erfolgreich und reich werden. Und du wirst immer denken, dass Mädchen dich nicht leiden können, weil du ein Nerd bist. Aber das ist nicht wahr: Sie können dich nicht leiden, weil du ein Arschloch bist."

Verletzt und wütend joggt Zuckerberg über den Campus, trinkt ein paar Bier, postet ein paar schlimme Beleidigungen über Erica in seinem Blog - und erfindet nachts an seinem Laptop mit FaceMatch schließlich den Vorläufer von Facebook. Das simple, aber effektvolle Tool sammelt aus den Online-Jahrbüchern der Fakultäten, den sogenannten Face Books der Uni, Bilder aller Studentinnen zusammen, die dann in zufälligen Zweierkombinationen nebeneinander auf dem Schirm gezeigt werden. Der User kann wählen: Hot oder not? Der Ulk wird zum Campus-Renner. Und alles wegen einer enttäuschten College-Liebe.

"The Social Network" wird in Rückblenden an zwei Gerichtsprozessen entlang erzählt. Die reichen und gutsituierten Harvard-Studenten Cameron und Tyler Winklevoss, blonde Hünen, die im Ruderteam der Uni brillieren, suchen nach dem Erfolg von FaceMatch Hilfe bei der Umsetzung einer College-Datingsoftware. Zuckerberg sagt zu, ihnen die Website zu programmieren, meldet sich dann aber nicht mehr, sondern erfindet stattdessen auf eigene Faust Facebook. Die Winklevosses klagen auf Ideenklau. Das Geld für die erste Facebook-Version leiht sich Zuckerberg von seinem besten Freund Eduardo Saverin, den er zunächst zum Geschäftsführer des kleinen Start-ups macht, später aber ausbootet, als die Firma abhebt. Auch Saverin verklagt Zuckerberg.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Eine lyrische Antwort..........
Sanchos Panzer 25.09.2010
MORBUS LETAL Vorläufige Anamnese Als am Tag der Beerdigung des vereinsamt verstorbenen PC Users Mark Zauberberg, der nach grauenhaft bytevollem Siechtum, in den letzten Sekunden seines ultimativen Downloads, von Würmern und Viren befallen, in den Offline Himmel aufgefahren war, die Gerichtsmedizin der Community twitterte, dass man im Inneren des Datenspeichers des verschiedenen Endbenutzers, Milliarden von schwerst beschädigter Gigabytes in Lunge und Gehirn, aber auch eine eintätowierte IP Adresse auf seinem winzigen PC Stick zwischen seinen Oberschenkeln aufgefunden habe, konnte seine Identifizierung und auch Entsorgung als Sondermüll veranlasst werden. Die Netzwerkgemeinde sorgte für einen mehr als fantastischen Leichenschmaus, an dem 504.299 direkte Kontakte teilnahmen, während Trauerredner Grußbotschaften von 3.223.812 Kontakten von Kontakten verlasen, und ebenfalls die von 9.712.544 Kontakten ersten Grades, und von 138.722.244 zweiten Grades, und auch von 483.112.905 dritten Graden. Die Pressestelle der Polizei ließ mitteilen, dass wegen der Dauer der Trauerfeierlichkeiten, der volle Computerfriedhof bis ins Jahr 5050 vorläufig gesperrt bleiben müsse. Daraufhin fielen 5.000.000 Facebook User einem virulenten Serverkoma zum Opfer, dessen blutige Folgen bei YouTube 500.000.000 Mal angeklickt wurden. Ein Live Chat für weitere Trauerbotschaften wurde umgehend freigeschaltet.
2. Wen kümmert Zuckerberg?
WhereIsMyMoney 25.09.2010
Zitat von sysopMöchten Sie Mark Zuckerberg eine Freundschaftsanfrage schicken? Nachdem Sie "The Social Network" gesehen haben, ganz bestimmt nicht mehr. David Finchers Porträt des Facebook-Gründers zeigt mit*entlarvender Schärfe, wie ausgerechnet ein*soziopathischer Nerd*die weltgrößte Plauder-Plattform schuf. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,719369,00.html
Ich wollte nur eins sagen. Es IST nicht COOL ein Facebook-Account zu haben, es WAR INTERESSANT ein Facebook-Account zu haben. Schon seit einem Jahr habe ich es aufgelöst, weil es einfach langweilig wird nach cirka 1 oder 2 Jahren. Dass ich und meine Freunde nicht die einzigen sind die so denken, belegen die Zahlen in den USA. Die sind nämlich rückläufig. Facebook hat sich in D spät etabliert, man hatte ja STudiVZ(die "ihre" Idee von Facebook hatten). Erst seit einem Jahr wurde Facebook hier ja populär. Nur ein Tipp:ich würde nicht unbedingt jetzt Facebook-Aktien kaufen. In 3 Jahren ist Facebook Geschichte! Unvorstellbar? Schaut euch MySpace an. Der Grund ist einfach. Es ist eine unnötige Website. Google dagegen wird noch sehr sehr lange die Nr.1 bleiben. Ein Film von Fincher von Sorkin geschrieben? Sowas muss man sehen. Auch wenn mir die ganze Geschichte Zuckerbergs herzlich egal ist.
3. facewas?
zynik 25.09.2010
Zitat von sysopMöchten Sie Mark Zuckerberg eine Freundschaftsanfrage schicken? Nachdem Sie "The Social Network" gesehen haben, ganz bestimmt nicht mehr. David Finchers Porträt des Facebook-Gründers zeigt mit*entlarvender Schärfe, wie ausgerechnet ein*soziopathischer Nerd*die weltgrößte Plauder-Plattform schuf. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,719369,00.html
fight club war ein großartiger film aber was zur hölle ist dieses facebook? ;-) Werde ich verklagt, wenn ich behaupte, dass Zuckerberg ebenso wie Gates allein dardurch reich geworden ist, die Ideen von anderen zu klauen und besser zu vermarkten? Dieses ganze Community-Ding gab es lange VOR facebook. Die echten Genies waren und sind eben andere...
4. sagen einfach mal kurz Bescheid, wenn sie sich einen Espresso zubereiten oder die Fuß
lebock 25.09.2010
Zitat von sysopMöchten Sie Mark Zuckerberg eine Freundschaftsanfrage schicken? Nachdem Sie "The Social Network" gesehen haben, ganz bestimmt nicht mehr. David Finchers Porträt des Facebook-Gründers zeigt mit*entlarvender Schärfe, wie ausgerechnet ein*soziopathischer Nerd*die weltgrößte Plauder-Plattform schuf. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,719369,00.html
facbook ist keie community - es ist eine plattform - mehr nicht. gerede über fussnägel udn co finden sich weniger auf der plattform selbst als in medien die das ding an sich nicht begriffen haben und versuchen ihre eigene unwissenheit mit polemischer stocherei zu übertünchen. ja der film mag überflüssiger sein als der von boshido oder (....) vielleich sogar eminem, aber: es gibt da ein netz im netz . . . . und das hat folgen. das ein mesnch er nicht real anwesend ist obwohl er "virtuell" anwesend ist dazu neigt sein bild . . . . zu transportierne udn sei durch liken oder follwen - ist logisch. . . . es ist nicht wissenschaftlich sondern banalste logik. hier mit fussnägeln und co zu argumentieren . . . . bringt mich eher zu der disskusion von onlinemedien und qualität.
5. Normale Welt, verrückte Menschen
kupidon 25.09.2010
Zu dem Film kann ich leider nichts sagen , da noch nicht gesehen, aber dass der ***berg den nicht aktiv unterstützt hat, macht die Sache Interessanter. Den werde ich mir ansehen und dann gleich alle meine Eindrücke bei ***book reinschreiben.
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The Social Network

USA 2010

Regie: David Fincher

Drehbuch: Aaron Sorkin

Darsteller: Jesse Eisenberg, Justin Timberlake, Andrew Garfield, Rooney Mara

Produktion: Michael De Luca Productions/Scott Rudin Productions/Trigger Street Production

Verleih: Sony Pictures

Länge: 121 Minuten

Start: 7. Oktober 2010

Offizielle Website zum Film