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Familiendrama "Zurück im Sommer": Und sie strahlt immer noch

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Schade eigentlich: Mit Julia Roberts, Willem Dafoe und Emily Watson konnte Dennis Lee für seinen Debütfilm "Zurück im Sommer" großartige Schauspieler verpflichten. Leider konnte er nur wenig mit ihnen anfangen.

Das muss man sich mal vorstellen: Da will ein junger Regisseur seinen ersten langen Spielfilm drehen, und es gelingt ihm, keine geringere als Julia Roberts zum Mitspielen zu bewegen. Und dann lässt er sie – auch noch auf alte Dame geschminkt – nach nicht einmal 15 Minuten per Autounfall den plötzlichen Filmtod sterben. Klingt nicht nach einer guten Idee, oder? Dennis Lee hat es trotzdem fertig gebracht.

Roberts in "Zurück im Sommer": Rätselhafter Schatten
Senator Entertainment

Roberts in "Zurück im Sommer": Rätselhafter Schatten

Lees Spielfilmdebüt "Zurück im Sommer" erzählt von einer amerikanischen Mittelklasse-Familie, deren fragiles Konzept eines freundlichen Miteinanders durch den Tod der allseits geliebten Matriarchin Lisa (Roberts) unmittelbar vor einem sommerlichen Familientreffen gefährlich ins Wanken gerät. Denn übrig bleiben vor allen anderen ihr eiskalter Despot von einem Ehemann Charles (Willem Dafoe – noch so ein Star, den Lee verpflichten konnte) und ihr selbstmitleidiger Sohn Michael (Ryan Reynolds), der sein Geld als Schundbuchautor verdient, jetzt aber ein bitteres Enthüllungsbuch in der Schublade liegen hat, das ans Licht bringen soll, was ihm sein Vater während seiner Kindheit für schreckliche Dinge angetan hat.

Und so springt der Film hin und her zwischen gegenwärtiger Trauerarbeit und einem lange vergangenen Sommer, als die Familie schon einmal auseinanderzubrechen drohte. So bietet sich zwar die Gelegenheit, doch noch ein bisschen mehr von Julia Roberts sehen zu können – die spektakulären Enthüllungen bleiben jedoch aus. Nein, der Vater war nicht sehr liebevoll, und ja, der Junge musste einiges aushalten. Aber ist das ausreichende Grundlage für ein 120-minütiges, generationen-überspannendes Familienporträt? Eher nicht. "Zurück im Sommer" verliert sich in Andeutungen, doch in dem dringenden Willen aus dem ganzen Elend in letzter Minute noch ein Happy-End herauszuholen, lässt Dennis Lee nicht viel übrig von den dunklen Geheimnissen, nur die banale Moral, dass eine Familie in schweren Zeiten eben zusammen zu halten hat.

Schade eigentlich bei dieser Darstellerriege, zu der auch noch Emily Watson ("Breaking the Waves") als Lisas Schwester, Hayden Panettiere (die unzerstörbare Cheerleaderin aus der TV-Serie "Heroes") als deren jüngeres Ich und Carrie-Anne Moss ("The Matrix") als Michaels Frau gehören. Bei Dennis Lee illustrieren die Schauspieler psychische Probleme, unfähig, aus dem Drehbuch heraus glaubhafte Persönlichkeiten zu erschaffen. Dafoe lässt erst gegen Ende die Andeutung eines guten Herzens aufblitzen, aber da hat man seinen Charles schon so sehr hassen gelernt, dass es längst zu spät ist. Reynolds verbringt so viel Zeit mit Trübsalblasen, dass man ihn irgendwann auch nicht mehr richtig ernst nehmen mag, und alles, was Watson zu tun hat, ist, gelegentlich einen besorgten Blick aufzusetzten.

Nur Julia Roberts, die überstrahlt in jedem ihrer wenigen, kurzen Auftritte immer noch alles andere, was mit ihr die Leinwand zu teilen hat. Als Lisa ist sie ein rätselhafter Schatten, gutherzig, aber letztlich feige, die einzige Figur, die so etwas wie eine Seele erkennen lässt. Hätte man ihr ein paar Szenen mehr gegönnt, hätte sie den Film glatt retten können.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Großartig
Arion's Voice, 07.08.2008
Zitat von sysopSchade eigentlich: Mit Julia Roberts, Willem Dafoe und Emily Watson konnte Dennis Lee für seinen Debütfilm "Zurück im Sommer" großartige Schauspieler verpflichten. Leider konnte er nur wenig mit ihnen anfangen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,570327,00.html
Julia Roberts? Großartige Schauspielerin? Naja...
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