Fantasy-Film "Snow White and the Huntsman": Wer ist die Blutrünstigste im ganzen Land?

Von Daniel Sander

Noch ein Schneewittchen-Film? Ja, aber dieser ist gut - weil er so böse ist. "Snow White and the Huntsman" erzählt das Grimm-Märchen als düsteres Action-Epos, in dem sich die Hollywood-Stars Kristen Stewart und Charlize Theron bis aufs Blut bekämpfen und gemeinsam großes Kino schaffen.

Die Jagd nach der ewigen Jugend ist mit der Zeit deutlich einfacher geworden. Mit Botox, Hyaluronsäure und gelegentlichem Lifting sieht man oft zwar aus wie ein Freak. Aber immerhin wie ein jugendlicher Freak.

Die Frau von Welt im Mittelalter hatte da weniger Möglichkeiten. Schneewittchens Stiefmutter zum Beispiel - eine wunderschöne Königin, die langsam älter wird, und das in ihrem magischen Spiegel nicht nur sieht, sondern es ständig von ihm erzählt bekommt. Mit den Mitteln der Moderne wäre alles vielleicht anders gekommen, doch so blieb ihr nur der Plan, ihre Hauptrivalin aus dem Weg zu räumen. Ist das nun böse? Oder verzweifelt?

Wenige Schneewittchen-Interpretationen bringen Verständnis auf für die Motive der Stiefmutter. Erst vor kurzem sah man Julia Roberts in Tarsem Singhs missglücktem "Spieglein, Spieglein" als geborene Schurkin, die nur das eigene Wohl im Sinn hat und keine Liebe kennt. Dass es anders geht, zeigt Charlize Theron als Königin Revanna in Rupert Sanders "Snow White and the Huntsman".

Mit ihrem Hang dazu, neue Ehemänner während der ersten Liebesnacht zu erdolchen, Königreiche zu unterjochen und Jungfrauen zur Wiederherstellung der eigenen Jugend den Lebensatem auszusaugen, hat Revanna zwar ihre sehr monströsen Seiten. Doch schon ihre Mutter hatte ihr eingeimpft, dass für eine Frau in dieser Welt nur die Schönheit zählt. Und sie erlebte, wie sehr das stimmte, als der erste Mann sie verließ, nachdem die Falten kamen. Sie beschloss, das nicht mehr hinzunehmen. Die Männer umzubringen, bevor sie von ihnen gebrochen würde. Alles zu tun, um ihre Schönheit zu erhalten, um jeden Preis.

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Fantasy-Film: Zwei Frauen kämpfen bis aufs Blut

Charlize Theron spielt diese Revanna wie einen wütenden Orkan, der gar nicht anders kann, als zu zerstören, was in seinem Weg steht. Es treibt sie der Hass - aber auch eine tiefe Traurigkeit. Sie ahnt, dass sie irgendwann ein schreckliches Ende erwartet. Aber sie will nicht aufhören zu kämpfen. Es ist ein Auftritt voller Grandezza und Leidenschaft, ohne eine Spur von Ironie. Theron nimmt ihre Figur todernst und gibt alles, als wolle sie beweisen, dass sie ihren Oscar für die Titelrolle im Mörderinnen-Porträt "Monster" wirklich verdient hat. Tatsächlich wäre wenig dagegen einzuwenden, wenn sie hierfür wieder einen bekäme.

Von der Prinzessin zur Kriegerin

Der Rest des Films kann mit so viel Größe nicht ganz mithalten. Der frühere Werbefilmer Sanders wählt für sein Kinodebüt einen sehr düsteren und nahezu humorfreien Zugang und findet wunderschön schaurige, überlebensgroße Bilder für diese alptraumhafte Vision des Mittelalters. Aber er stolpert ständig über die Menge an Stoff, den er erzählen will: Nach der langen Vorgeschichte um die Stiefmutter muss die eingekerkerte Snow White (Kristen Stewart) erst mal mühsam aus dem Schloss fliehen und sich durch den alptraum-gleichen Zauberwald schlagen. Revanna heuert einen um seine Frau trauernden Trunkenbold (Chris Hemsworth, "Avengers") an, um die Verfolgung aufzunehmen, der sich nach viel hin und her dann aber doch auf Schneewittchens Seite schlägt.

Wobei es auch noch einen Prinzen (Sam Claflin) gibt, der seit der Kindheit in Snow White verliebt ist und nun die Verfolgung aufnimmt, zunächst auch als eine Art Doppelagent im Dienst der Königin. Dann geht es mit den acht (!) Zwergen in einen Feenwald, um einen magischen Hirsch zu finden, und dann muss die schüchterne Prinzessin auch noch zur die Massen inspirierenden Kriegerin ausgebildet werden, die einen blutigen Aufstand gegen Revanna anzetteln soll.

"Snow White and the Huntsman" dauert über zwei Stunden, was oft zu lang scheint und doch nicht ausreicht, um alles zu erzählen. Angesichts der vielen Personen und Schauplätze gerät die Geschichte häufig aus dem Tritt. Doch dann taucht immer rechtzeitig Theron auf und lenkt mit eisigen Blicken die Aufmerksamkeit auf sich. Zudem erweist sich Kristen Stewart nach ihren zunehmend nervigen Auftritten in den "Twilight"-Filmen als ebenbürtige Gegnerin, die behutsam den Weg vom schüchternen Teenager zur gefürchteten Anführerin nimmt.

Es sind zwei Frauen, die sich aufs Blut bekämpfen - und gemeinsam aus einem ordentlichen Film großes Kino machen.


Snow White and the Huntsman. Regie: Rupert Sanders. Mit Charlize Theron, Kristen Stewart, Chris Hemsworth.

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insgesamt 22 Beiträge
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1.
forenuser 31.05.2012
Die Tatsache das Kristen Stewart mitspielt haelt mich momentan noch davon ab den Film zu sehen. Allerdings macht das was ich bisher gesehen, einen guten Eindruck! Ich bin im Zwiespalt!
2.
meinmein 31.05.2012
Spiegel sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. (Gilt für beide Bedeutungen.) Dieser Spiegel im Film jedenfalls erzählt Mist. Die Königin ist ganz klar die schönere.
3. optional
stellan0r 31.05.2012
Also was der Autor hier gut und richtig dargestellt hat, ist der Auftritt von Charlize Theron. Sie war großartig. Ansonsten ist der Film aber nur etwas für Kristen Stewart Fans. Sie guckt nunmal wie sie guckt, wobei man sich als Zuschauer manchmal schon freut, wenn sie versucht eine andere Emotion zu zeigen also die übliche Twilight-Lethargie ;-) Man hat außerdem ständig den Eindruck, dass jede zweite Szene aus einem anderen Film "geliehen" wurde ;-) Ja, zu viel umzusetzender Inhalt für zu wenig Filmzeit. Auf DVD sicher sehenswert, im Kino eher nur für Fans.
4.
Arno Nühm 31.05.2012
Zitat von meinmeinSpiegel sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. (Gilt für beide Bedeutungen.) Dieser Spiegel im Film jedenfalls erzählt Mist. Die Königin ist ganz klar die schönere.
Und das ist ihr Geheimnis: http://thumbsnap.com/s/tHhjJwNv.jpg
5. Schneewittchen
egiboy 31.05.2012
Das Märchen heißt Schneewittchen und nicht SnowWithe oder wie auch immer. So langsam reicht es. Muß denn selbst für eines der urdeutschesten Märchen ein englischer Titel gewählt werden? Von mir aus wenn es in den Staaten aufgeführt wird, aber doch nicht Deutschland. Schande für die deutsche Sprache.
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