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Fantasy-Spektakel: Der Herr der Schere

Von Rüdiger Sturm

In der Kinoversion des dritten "Herr der Ringe"-Films "Die Rückkehr des Königs" fehlen inhaltlich wichtige Szenen, die zwar gedreht wurden, aber nicht den Weg in die endgültige Fassung fanden. Warum Regisseur Peter Jackson dem Kino-Publikum über eine Stunde Material vorenthält, ist auch Darstellern der Trilogie ein Rätsel.

Regisseur Jackson: "Schlachten, wie sie nie zuvor jemand gesehen hat"
AP

Regisseur Jackson: "Schlachten, wie sie nie zuvor jemand gesehen hat"

Viggo Mortensen müsste glücklich sein. Zum ersten Mal in seiner Karriere spielt er den Titelhelden eines Films. "Die Rückkehr des Königs" beschert seiner Figur die heroischsten Momente in der ganzen "Herr der Ringe"-Trilogie. Doch der 44-jährige Darsteller des Königserben Aragorn wirkt unzufrieden. "Fast die Hälfte meiner Szenen wurde herausgeschnitten. Entscheidende Momente, die zeigen, wie sich Aragorn zum König entwickelt, fehlen."

Mortensen hat Recht. Die atemlos vorwärts preschende Handlung des dritten Teils degradiert ihn beinahe zur Nebenfigur. Aber im Gegensatz zu Christopher Lee darf er sich noch glücklich schätzen. Eigentlich sollte sein Zauberer Saruman noch im zweiten Teil in einer siebenminütigen Sequenz ein spektakuläres Ende finden. Als die vom Rhythmus her nicht mehr in den Film passte, plante Peter Jackson, sie an den Anfang der "Rückkehr des Königs" zu setzen. Doch dann ließ er sie gänzlich weg. Der Kinozuschauer wird nie erfahren, was mit dem Bösewicht aus Teil 1 und 2 geschieht. Daran änderte auch eine Internet-Petition von Christopher-Lee-Fans nichts.

Aragorn-Darsteller Mortensen: "Entscheidende Momente fehlen"
Warner Bros.

Aragorn-Darsteller Mortensen: "Entscheidende Momente fehlen"

Doch es gibt einen Platz für die fehlenden Szenen: "Ich halte die 'Extended Version' für befriedigender", meint Mortensen. Kenner schätzen die auf DVD veröffentlichten Langfassungen höher als die etwa eine halbe Stunde kürzeren Kinofilme. Ist die rund 190 Minuten lange "Rückkehr des Königs", die seit Mittwoch weltweit für einen Massenandrang und klingende Kinokassen sorgt, also nur eine Stümmelversion? Immerhin war der Film ursprünglich über vier Stunden lang. Dass das Studio nach dem überwältigenden Erfolg der beiden ersten Teile den Regisseur zu Kürzungen zwang, ist unwahrscheinlich. Wollte man also nur Material zurückhalten, um die "Extended Version" besser vermarkten zu können?

Peter Jackson verwehrt sich gegen solche Unterstellungen: "Die Kinoversionen sind die definitiven Fassungen. Hätte ich mehr Szenen hineingepackt, hätte das die emotionale Wirkung verwässert." Die "Extended Versions" seien dagegen nur für die Fans gedacht, die möglichst alles Material sehen wollen.

Doch der Regisseur unterschätzt ganz offensichtlich sein eigenes Drehbuch. Schon "Die Gefährten" war in der DVD-Langfassung befriedigender, da die zusätzlichen Szenen dem Film einen ausgeglicheneren Rhythmus verliehen und das Verständnis der Figuren vertieften. In "Die zwei Türme" nahm Jackson Schnitte vor, die das Geschehen um wesentliche Momente beraubten. Besonders wichtig ist eine Szene in den Ruinen von Osgiliath, die das Verhältnis des Hauptmanns Faramir zu Bruder Boromir und Vater Denethor zeigt: "Eine meiner Lieblingsszenen des zweiten Teils", meint Viggo Mortensen, der gar nicht mal darin vorkommt. "Nur mit ihr kannst du Faramirs Charakter und seine Funktion in der ganzen Geschichte verstehen."

Besonders deutlich spürbar sind die Lücken im dritten Teil. Nicht nur Christopher Lee musste Streichungen hinnehmen. Wer das Buch nicht kennt, weiß nicht, warum bei der Krönungsszene Faramir und Eowyn plötzlich verliebte Blicke wechseln. Doch die fehlende Sequenz gibt es auch auf Film: Beide siechen von ihren Verletzungen auf dem Krankenlager dahin, werden von Aragorn geheilt und entdecken Gefühle füreinander.

Saruman-Darsteller Lee: Aus dem dritten Teil getilgt
DPA

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Die "Extended Version" wird auch noch Antworten auf andere Fragen bieten: Was ist mit der Zauberkugel geschehen, die eine so fatale Anziehungskraft auf Pippin hatte? Warum driftete Truchsess Denethor in den Wahnsinn? Auch die Schlacht vor den Toren Mordors bekommt dann eine ganz andere emotionale Durchschlagkraft: Denn Jackson drehte eine Szene, in der ein Bote Saurons den Helden die Kleidung der vermeintlich toten Hobbits Frodo und Sam präsentiert. Die Protagonisten müssen demnach annehmen, dass die Niederlage besiegelt ist. Die Schlacht wird zu einem symbolischen Aufbäumen des menschlichen Widerstandsgeists.

Hätte das wirklich "die Dynamik des Films beeinträchtigt", wie Jackson mutmaßt? Der Filmemacher, der die selbst gedrehten Szenen herausschnitt, scheint zwei verschiedenen Sensibilitäten gerecht werden zu wollen. Einerseits versuchte er der Essenz der Romane treu zu bleiben, andererseits wollte er das große Actionspektakel auffahren. "Ich will Schlachten, wie sie nie zuvor jemand gesehen hat", lautete eines seiner erklärten Ziele. Das visuelle Feuerwerk, das er dabei abbrennt, lässt letztlich auch Viggo Mortensen verstummen: "Optisch sind diese Filme so überwältigend, dass man ihnen alle fehlenden Szenen verzeihen kann."

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