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Fantasy-Spektakel im Kino: Harry Potter und der doppelte Reibach

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Alles hat ein Ende, nur "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" hat zwei: Der erste Teil der Kino-Adaption des Bestseller-Finales ist ein biederes Vorspiel, das eng an der Vorlage klebt. Dennoch dürfte sich der Erfolg einstellen - und der Zweiteiler-Wahn andere Filmemacher infizieren.

J.K.-Rowling-Verfilmung: Biedere Bebilderung des Bekannten Fotos
REUTERS / Warner Bros.

Alles hat ein Ende, nur " Harry Potter" hat zwei: Die Verfilmung des letzten Bandes von J. K. Rowlings Bestsellerreihe wurde kurzerhand halbiert, weshalb nun zunächst der erste Teil des Finales in die Kinos kommt. "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2" soll im Juli nächsten Jahres folgen, aber trotz der langen Wartezeit kann sich der Verleih auf die Geduld eines loyalen Publikums verlassen. Zumal fast alle potentiellen Zuschauer genau wissen, was sie am Ende erwartet, schließlich haben sie zuvor Rowlings Bücher gewälzt. Das Gros der Potter-Fangemeinde erwartet daher keine Überraschungen, sondern erhofft sich von den Filmen eine möglichst akribische Bebilderung des Bekannten.

Dafür sorgt neben der Macht der Leser der beträchtliche Einfluss der Autorin Rowling, die in beispiellosem Umfang die Adaption ihres Werks kontrolliert: Große inszenatorische Freiheiten sind da nicht vorgesehen, und so waren vor allem die ersten Verfilmungen - "Der Stein der Weisen" und "Die Kammer des Schreckens" - prächtig ausgestattete, aber letztlich äußerst biedere Leinwandmärchen.

Erst mit Alfonso Cuarón, der beim dritten Teil, "Der Gefangene von Askaban", Regie führte, wurde die heimelige Internatswelt des Zauberlehrlings deutlich düsterer. Und in dem Maße, wie Rowlings Geschichte mit zunehmendem Alter des Helden an Dramatik gewann, durften auch die Filme etwas erwachsener werden.

Die andauernde Auseinandersetzung zwischen dem Waisenjungen Harry Potter und seiner Nemesis, dem abgrundtief bösen Lord Voldemort, forderte denn auch bald die ersten Opfer. Und spätestens seit dem gewaltsamen Ableben des väterlichen Zauberers Dumbledore in "Harry Potter und der Halbblutprinz" war die mittlerweile herangewachsene Leser- und Zuschauerschar auf das Schlimmste gefasst.

Für Uneingeweihte ein kryptisches Szenario

Da, wie erwähnt, der weitere Verlauf der Mär den meisten Kinobesuchern aus der Lektüre bekannt sein dürfte, braucht es keine langen Ausführungen zum Inhalt des siebten und letzten Kapitels: Auf der Flucht vor ihren Häschern müssen Harry (Daniel Radcliffe) sowie seine Freunde Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) die Zauberschule Hogwarts endgültig hinter sich lassen, um gemeinsam mit den verbliebenen magischen Mitstreitern die Herrschaft Voldemorts zu verhindern.

Wie eigentlich immer in der Potter-Saga müssen die Helden dazu geheimnisvolle Artefakte sammeln, mystische Rätsel lösen und natürlich etliche Charakter- und Herzensprüfungen überstehen. Der Reiz der Romane liegt dabei in dem Detailreichtum, mit dem Rowling ihren vertrauten Erzählparcours ausschmückt. Das belesene Kinopublikum freut sich sicher über Exkurse ins erweiterte Universum der Bücher, erschöpfende Erläuterungen zur Historie der Zauberer, Todesser und nicht-magiebegabten Muggels sowie diverse Nebenhandlungen. Wer jedoch ohne Vorkenntnisse in den Film geht, wird sich in dem kryptischen Szenario mit seinen zahlreichen Figuren und Seitensträngen kaum zurechtfinden.

Auch die Tatsache, dass Regisseur David Yates den ersten Teil des Schlussakkords im Grunde für eine zweieinhalbstündige Exposition verwendet, verhilft Uneingeweihten nicht zu mehr Verständnis. Und Geschwindigkeit mag vielleicht keine Hexerei sein, doch der kaum in Fahrt kommenden Schnitzeljagd nach den titelgebenden Heiligtümern hätte ein wenig mehr Tempo nicht geschadet. Wohlmeinende Potter-Jünger können dieses betuliche Erzählen gern episch nennen, der gemeine Filmfreund wird es schlicht langatmig finden. Kommt das Geschehen dann endlich halbwegs in Gang, ist es auch schon vorbei.

Ästhetische Qualitäten des Kinos: vernachlässigenswert

Bis zum zweiten Teil bleibt so jedenfalls genügend Zeit, über die Sonderstellung der Potter-Adaptionen in den vergangenen zehn Jahren nachzudenken. Die aufwendig produzierten Nachreichungen zu den Romanen stellen die - im Verhältnis von Umsatz zur Zahl der Fortsetzungen - kommerziell erfolgreichste Filmreihe aller Zeiten. Selten waren die Erwartungen an eine Literaturverfilmung dabei so hoch und zugleich so niedrig: Die inhaltliche Nähe zur Vorlage musste bis ins Kleinste gewahrt werden, ureigentliche ästhetische wie dramaturgische Qualitäten des Kinos schienen dagegen vernachlässigenswert.

Den meisten jungen wie alten Fans reichte es offensichtlich schon, eine weitgehend wortgetreue Szenenfolge serviert zu bekommen und den eigenen Film im Kopf mit den akkuraten Re-Enactments auf der Leinwand abzugleichen. Immerhin sorgte die wohl größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für britische Charakterdarsteller - darunter Michael Gambon, Alan Rickman, Ralph Fiennes, Julie Walters und noch ein gutes Dutzend verdienter Mimen mehr -, für ein ebenso routiniertes wie gefälliges Schauspiel.

Da man mit dem generationsübergreifenden, globalen Phänomen Harry Potter auf Produzentenseite einen unschätzbar wertvollen Selbstläufer in den Händen hat, wird die Lizenz zum Gelddrucken verständlicherweise so lange wie nur möglich verlängert.

Das geteilte Finale wird allerdings nicht nur der Potter-Industrie zwei zugkräftige Kinopremieren bescheren - zuzüglich einer sicherlich folgenden Wiederaufführung des ersten Teils in 3D -, sondern auch als Praxistest für vergleichbare Filmprojekte dienen. Dazu passt famos, dass Peter Jacksons "Hobbit"-Spektakel bereits als Zweiteiler angekündigt wird.

Auch wenn sich sein persönliches Schicksal endlich erfüllt - die monetäre Magie des Kassenmagneten Harry Potter wird in den kommenden Jahren noch oft heraufbeschworen werden.

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1. *daumendrück*
Dumme Fragen 17.11.2010
Ich kann nur hoffen, dass ganz ganz ganz viele jetzt auf "doppelten Reibach" aus sind! Während ja bei "noname"-Produktionen Sequels oder notalls auch Prequels kein Problem darstellen, ist es bei den Verfilmungen von erfolgreichen Büchern immer ein wenig schwieriger, hinterher noch mehr zu drehen... Meistens bin ich bei Buchverfilmungen enttäuscht, weil grade nicht "an der Vorlage geklebt" wurde, weil Charaktere in der kurzen Zeit nicht so tiefgründig gezeichnet werden können, wie ich sie mir beim Lesen zusammengebastelt habe... Und dann ist es auch super, doppelt so lange in den bunten Traumwelten schwelgen zu können. Schade, dass sie z.B. den "Herrn der Ringe" nicht wie jetzt beim Hobbit geplant, auch in jeweils zwei Filmen pro Buch gedreht haben... Das war die letzte Verfilmung, auf die ich mich wirklich gefreut habe...
2. Was heißt "dürfte infizieren"?
Methusalixchen 17.11.2010
Ist doch die Frage, wer wen infiziert hat: "The Hobbit" kommt doch auch als Zweiteiler in die Kinos; und das bei einer Vorlage, die in den letzten HP-Band zweimal reinpasst ...
3.
nightsky, 17.11.2010
wenn ich lese, daß der Inhalt des zweiteiligen Abschluß inhaltlich an der Vorlage klebt freut mich das sehr. Auch wenn mir von der Optik und Atmosphäre her, die Filme sehr gut gefielen, fand ich es sehr schade, daß mit jedem weiteren Film, zumindest subjektiv, sie immer mehr an eine grobe Zusammenfassung der Handlung erinnerten und stellenweise weit von der Vorlage abwichen, daß die Zusammenhänge gar nicht mehr ersichtlich waren. Wenn dies mit dem Abschluß behoben wird, dann zahle ich dafür auch gerne doppelt. Wenn ich eine Literaturverfilmung sehen möchte, dann erwarte ich schlichtweg, daß die Handlung sich ang am Buch orientiert. In Sachen Gelddrucken, fand ich eher, daß der sechste Teil eher ein unverschämtes Filmchen zum Kohle machen war.
4. ...
peterregen 17.11.2010
Zitat von Dumme FragenIch kann nur hoffen, dass ganz ganz ganz viele jetzt auf "doppelten Reibach" aus sind! Während ja bei "noname"-Produktionen Sequels oder notalls auch Prequels kein Problem darstellen, ist es bei den Verfilmungen von erfolgreichen Büchern immer ein wenig schwieriger, hinterher noch mehr zu drehen... Meistens bin ich bei Buchverfilmungen enttäuscht, weil grade nicht "an der Vorlage geklebt" wurde, weil Charaktere in der kurzen Zeit nicht so tiefgründig gezeichnet werden können, wie ich sie mir beim Lesen zusammengebastelt habe... Und dann ist es auch super, doppelt so lange in den bunten Traumwelten schwelgen zu können. Schade, dass sie z.B. den "Herrn der Ringe" nicht wie jetzt beim Hobbit geplant, auch in jeweils zwei Filmen pro Buch gedreht haben... Das war die letzte Verfilmung, auf die ich mich wirklich gefreut habe...
Sehe ich genau so. Und wenn sie für die dicken HP-Bände drei Filme gemacht hätten, wäre das für mich auch ok. Das die Preise für Kinokarten inzwischen unverschämt sind, steht dabei auf einem anderen Blatt...
5. Titel
BartSimpson, 17.11.2010
Zitat von Dumme FragenIch kann nur hoffen, dass ganz ganz ganz viele jetzt auf "doppelten Reibach" aus sind! Während ja bei "noname"-Produktionen Sequels oder notalls auch Prequels kein Problem darstellen, ist es bei den Verfilmungen von erfolgreichen Büchern immer ein wenig schwieriger, hinterher noch mehr zu drehen... Meistens bin ich bei Buchverfilmungen enttäuscht, weil grade nicht "an der Vorlage geklebt" wurde, weil Charaktere in der kurzen Zeit nicht so tiefgründig gezeichnet werden können, wie ich sie mir beim Lesen zusammengebastelt habe... Und dann ist es auch super, doppelt so lange in den bunten Traumwelten schwelgen zu können. Schade, dass sie z.B. den "Herrn der Ringe" nicht wie jetzt beim Hobbit geplant, auch in jeweils zwei Filmen pro Buch gedreht haben... Das war die letzte Verfilmung, auf die ich mich wirklich gefreut habe...
Sehe ich auch so. Viele 'nicht langatmige' Buchverfilmungen habe eher den Charakter eines Quickis. Da wird so viel weggelassen, dass lediglich der Haupthandelsstrang verfolgt wird. Dabei machen gerade die Nebenhandlungsstränge oftmals den Reiz einer Erzählung aus, lassen erst die Atmosphäre entstehen, erlauben erst die Entwicklung von Charakteren, ermöglichen erst das 'sich Hineinversetzen'. Daher kann ich die Ansicht im Artikel überhaupt nicht nachvollziehen. Ich will gerne zweimal ins Kino gehen, wenn dafür Geschichte nicht so überhastet abgewickelt wird, was dann eher lieblos erscheint. Das ziehe ich dem üblichen actiongeladenen Popkornkino vor.
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"Harry Potter und die
Heiligtümer des Todes - Teil 1"

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"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1"

USA/Großbritannien 2010

Originaltitel: Harry Potter and the Deathly Hallows: Part I

Regie: David Yates

Drehbuch: Steven Kloves

Darsteller: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Helena Bonham Carter, Robbie Coltrane, Ralph Fiennes, Brendan Gleeson

Produktion: Heyday Films/Warner Bros. Pictures

Länge: 145 Minuten

Start: 18. November 2010

Offizielle Website zum Film



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