Film Don Cheadle

Der US-Schauspieler gilt als Meister seines Fachs und müsste eigentlich schon längst ein Star sein ­ er hat nur die falsche Hautfarbe.


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n Hollywood, so scheint es, ist Schwarz immer noch eine Art Tarnfarbe. Schauspieler mit schwarzer Haut werden gern übersehen, wenn Oscar-Nominierungen verteilt oder Hauptrollen in großen Filmen vergeben werden. "Keine Frage: Wenn ein weißer Schauspieler das gleiche Talent wie Don Cheadle hätte und in den vergangenen Jahren in den gleichen Filmen gespielt hätte", sagt Regisseur Steven Soderbergh, "wäre er ein Star."

Soderbergh, Regisseur von "Erin Brockovich" und "Traffic", ist nicht allein mit seinem Unverständnis. Schon 1996, als Cheadle für seine Darstellung des Gangsters Mouse in dem Film "Teufel in Blau" von der Kritik gepriesen wurde, war die Verwunderung groß, dass der Schauspieler nicht auf der Liste der Oscar-Nominierungen auftauchte. "Die Tatsache, dass ich nicht nominiert wurde, hat mir genauso viel Publicity gebracht, wie es ein Oscar getan hätte", erinnert sich Cheadle, der Ende der Achtziger in "Colors ­ Farben der Gewalt", einem Film über die Gangs in Los Angeles, erstmals Aufmerksamkeit erregte und Anfang der Neunziger durch seine Rolle als Staatsanwalt in der TV-Serie "Picket Fences" einem breiten Publikum bekannt wurde.

Seit dieser Zeit hat der Sohn eines Psychologen sein Talent ein ums andere Mal eindrucksvoll bewiesen: in Filmen wie "Bulworth", "Out of Sight", "Boogie Nights" und jetzt in Soderberghs neuestem Meisterwerk "Traffic ­ Macht des Kartells" (Start: 5.4.). Cheadle spielt mit einer Intensität, die Kritiker mit der von Robert De Niro oder Gene Hackman vergleichen.

Aber Cheadle ist ein Schwarzer, De Niro ein Weißer. "Ich möchte nur Rollen spielen, in denen die Rasse ein Thema ist", sagt er, "sie spielt immer eine Rolle, vor allem in den USA ­ Farbenblindheit ist lächerlich." Diese Erfahrung hat der Schauspieler in seinem Leben häufig machen müssen, weil er als Schwarzer in vornehmlich weißen Mittelstandsvororten aufwuchs. Und in Hollywood erging es ihm nicht anders.

Eine schwierige Situation für einen wie Cheadle, der keine Klischee-Rollen spielen will; der Vater von zwei Töchtern hofft auf Filme, die er stolz seiner Familie zeigen kann. Immerhin: In Soderberghs nächstem Film, dem Rat-Pack-Remake "Ocean's Eleven", ist Cheadle in der Rolle von Sammy Davis Jr. zu sehen. Dieser kämpfte in der rassistischen Showbiz-Welt der fünfziger und sechziger Jahre um Anerkennung und Würde, wurde aber von seinen weißen Freunden oft nur belächelt.

Sammy Davis Jr. hatte Cheadle schon 1998 in einer TV-Produktion gespielt und war dafür mit dem wichtigen amerikanischen Fernsehpreis "Golden Globe" ausgezeichnet worden. Vielleicht klappt es dann auch mit dem verdienten Oscar.

Jörg Böckem





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