Film-Tipp Unchristlicher Klamauk

Nachdem es mit seiner Komikerkarriere bergab ging, spielte Robin Williams eine Weile lieber bedrohliche Geistesgestörte, ohne durchschlagenden Erfolg. In seinem neuen Film versucht er es nun als lustiger Psychopath - und scheitert noch kläglicher.

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Eigentlich soll es an dieser Stelle ja immer um eine besondere Empfehlung der KulturSPIEGEL-Redaktion gehen und nicht um einen gemeinen Filmveriss. Dennoch hier mein Tipp des Tages: Sehen Sie sich auf gar keinen Fall den neuen Robin-Williams-Film "Lizenz zum Heiraten" an, der heute in die deutschen Kinos kommt. Der wird als fröhliche Familienkomödie beworben, dabei handelt es sich in Wirklichkeit um einen unerträglichen, 90-minütigen Horrortrip.

Darsteller Krasinski, Moore: Unchristliche Quälerei
Warner Bros. Ent.

Darsteller Krasinski, Moore: Unchristliche Quälerei

Es geht um das nette Pärchen Sadie und Ben (verschwendet: Mandy Moore und John Krasinski), das sich schrecklich lieb hat und die baldige Hochzeit plant. Leider will die künftige Braut nur in einer bestimmten Kirche heiraten, und damit sind die beiden und mit ihnen die Zuschauer dem dort ansässigen Geistlichen hilflos ausgeliefert: Robin Williams als Furcht erregender Reverend Frank.

Als solcher zwingt er alle Paare vor der Trauung zu einem menschenunwürdigen dreiwöchigen Hochzeitskurs, der zeigen soll, ob die beiden Parteien nun auch tatsächlich füreinander bestimmt sind. Weil der Film sonst vorbei wäre, lassen sich Ben und Sadie treudoof darauf ein, und ihre Empörung hält sich auch in Grenzen, als Reverend Frank dem Fast-Bräutigam eine blutige Nase schlägt, vorehelichen Sex verbietet, die Wohnung der beiden verwanzt, die zwei mit Fäkalien-absondernden Roboterbabys zum Einkaufen schickt und Sadie mit Begeisterung nach ihren Lieblingsstellungen ausfragt. Als ergebenen Helfer hat der (unverheiratete) Pater ständig einen nicht minder nervtötenden kleinen Jungen im Schlepptau, was unerklärlicherweise niemand auch nur ein bisschen fragwürdig findet.

Vier Autoren haben am Drehbuch gewerkelt, kein einziger brauchbarer Witz ist dabei herausgekommen. Ein platter Gag reiht sich an den nächsten, alles was womöglich eine Pointe hätte werden können, wird umgehend von Robin Williams zu Tode gekalauert. Regisseur Ken Kwapis hat offenbar gar nicht erst versucht, seinen Hauptdarsteller gelegentlich im Zaum zu halten. Williams hat völlig freie Hand und macht einen Charakter, der es doch eigentlich nur gut meint und sich als liebenswerter Sympathieträger entpuppen soll, zum soziopathischen Widerling.

Als übersentimentalen Scherzbold wie in "Patch Adams" oder "Der 200 Jahre Mann" will Williams schon lange niemand mehr sehen. Auch seine Versuche als gruseliger Psychopath in "One Hour Photo" oder "Insomnia - Schlaflos" kamen beim Publikum nicht wirklich an. Doch mit der Kombination aus Witz und Wahnsinn hat Robin Williams einen neuen filmischen Tiefpunkt erreicht, und es gibt keinen Grund, warum man diesem als Zuschauer beiwohnen müsste.

Schauen Sie sich lieber den Zombie-Reißer "28 Weeks Later" von Juan Carlos Fresnadillo an, der läuft ebenfalls heute an. Das ist wenigstens ehrlicher Horror, dazu sogar gut gemacht und spannend. Und verursacht trotzdem weniger Alpträume als "Lizenz zum Heiraten".



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
helgomat 30.08.2007
1. Zu harte Kritik
Mag sein daß ein Film wie One Hour Photo beim Publikum floppte. Dennoch war es eine hervorragende schauspielerische Leistung von Williams. Es liegt auch eher nicht an ihm, sondern an schlechten Drehbüchern bzw. schlechten Angeboten. Mag auch sein daß der Film "Lizenz zum heiraten" ein totaler Reinfall ist. Aber deshalb ist Robin Williams kein schlechter Schauspieler. Der Artikel liest sich so als ob R.W. ausgedient hätte und nichts mehr kann. Mit schlechtem Material kann man nun mal nicht optimal arbeiten. Das schlechte Material ist hier das Drehbuch und ggf. Regiseur & Co. Genauso wie ein Musiker mal schlechte Songs oder Alben abliefert, kann auch ein schauspieler mal schlechte Filme machen. Man muss ihn deshalb nicht gleich zerreissen.
Knighter 30.08.2007
2. -
Zitat von helgomatMag sein daß ein Film wie One Hour Photo beim Publikum floppte. Dennoch war es eine hervorragende schauspielerische Leistung von Williams. Es liegt auch eher nicht an ihm, sondern an schlechten Drehbüchern bzw. schlechten Angeboten. Mag auch sein daß der Film "Lizenz zum heiraten" ein totaler Reinfall ist. Aber deshalb ist Robin Williams kein schlechter Schauspieler. Der Artikel liest sich so als ob R.W. ausgedient hätte und nichts mehr kann. Mit schlechtem Material kann man nun mal nicht optimal arbeiten. Das schlechte Material ist hier das Drehbuch und ggf. Regiseur & Co. Genauso wie ein Musiker mal schlechte Songs oder Alben abliefert, kann auch ein schauspieler mal schlechte Filme machen. Man muss ihn deshalb nicht gleich zerreissen.
one hour photo fand ich auch gut. aber dass es an schlechten angeboten oder rollen liegt ist nicht nachvollziehbar. vielen schauspielern ist es fast schon schnuppe, was sie da drehen. ganz furchtbare beispiele sind morgan freeman und ben kingsley, die sich aber schon lange für nichts mehr zu schade sind, solange genug moneten fließen. die leben offenbar nach einer mitnehmer-mentalität...
furtherinstructions, 30.08.2007
3. Mork ruft Orson
Hmm, ich hatte den zu langen Trailer gesehn und war schon entnervt. Wenn das mit Williams so weitergeht droht bald die Kinoversion von "Mork and Mindy" oder schlimmeres wie "Good Morning Vietnam 2: Radio Baghdad!"
Hasagno 30.08.2007
4. Der Trailer allein verursachte bei mir schon leichte Übelkeit...
Hab am Wochenende den Trailer im Kino gesehen! Allein diese paar Minuten waren schon schrecklich. Klingt nach einem wirklich abartig schlechten Film! Schade dass Robin Williams offenbar seine filmische Schaffenskrise nicht überwinden kann...
laeufergott, 30.08.2007
5. Sehr lustig...
...also die Kritik - nicht Robin William, der war schon immer unerträglich - und nie ein guter Schauspieler! Alle Filme mit ihm sind nicht zum aushalten und dieser scheint -- nach der kurzen Vorschau, die ich gesehen habe -- auch wieder unterirdisch zu sein. Ich mag die Kritik - sehr unterhaltsam geschrieben... und treffend :).
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