Film-Tipp Zum Schießen, aber nicht komisch

Rasante Hongkong-Movies und Tarantino sind mal wieder schuld: In ihrem Geiste versucht sich Regisseur Michael Davis an einem atemlosen Action-Feuerwerk. Brutal witzig soll "Shoot 'em up" sein, brutal öde kommt der Film daher.

Von KulturSPIEGEL-Autor Andreas Banaski


Aus Hongkong stammt die Inspiration für "Shoot ’em up", neues Premiumprodukt für Schundfilm-Freaks und Trash-Anbeter (gibt’s ja auch im intellektuellen Lager): In einer Szene aus John Woos "Hard Boiled" von 1992 ballert sich der Held mit einem Baby im Arm den Weg frei. Damit ist auch schon alles zum Plot von "Shoot ’em up" gesagt. Das bisschen Handlungskrücke um das Duell Clive Owen (unglaublich stoisch) gegen Schurke Paul Giamatti (unglaublich chargierend) herum – ein dünnes Garn um Knochenmarkstransplantation in Tateinheit mit Waffenlobby-Politverschwörung (immerhin tolldreist für einen Film, der um Gewaltgeilheit kreist) – ist getrost zu ignorieren.

Filmszene aus "Shoot 'em up": Brutal öde
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Filmszene aus "Shoot 'em up": Brutal öde

Denn dieser feuchte Traum für Feuerwaffenfetischisten ist ein einziger durchgeknallter Schusswechsel – entschlackt von psychologischem Feinsinn, Beziehungsgegrübel und logischer Handlung. Nur Cum-Shots, wie im Porno. Da ist sich der Film für keinen Kalauer zu schade, wenn aus allen Rohren gefeuert wird und der Zeugungs- mit dem Tötungsakt zusammenkommt.

Hier nimmt sich nun der "Shoot 'em up"-Regisseur Michael Davis, der zuvor mit fünf Filmen kein Bein auf den Boden gekriegt hat, die anhaltende Konjunktur des Tarantino-Kniffs zu Herzen: brutal, aber mit Augenzwinkern. In Sachen originelle Todesfälle muss man schon gesehen haben, warum eine Mohrrübe auch mal den klaren Durchblick trüben kann oder wie Pistolenpatronen vor offenem Kamin den Terminus Handfeuerwaffe neu definieren. Hat man so nämlich noch nicht gesehen.

Das kann man dann, je nach Kinderstube, für degoutant und degeneriert halten (wie die "New York Times") oder für eine liebevolle Hommage an absurden Slapstick- und Bugs-Bunny-Cartoon-Sadismus (wie der "Rolling Stone" oder US-Starkritiker Roger Ebert).

Regisseur Davis listete übrigens vergangene Woche in der "Los Angeles Times" seine liebsten sieben Filmschießereien auf: Auf den Plätzen 1, 2 und 5 landeten Szenen aus Woos "Hard Boiled". Dieser Empfehlung sollten denn auch anspruchsvollere Actionfans nachkommen, denen "Shoot ’em up" auf Magen und Gemüt schlagen könnte, und gleich zur "Hard Boiled"-DVD greifen (dann natürlich nur in der ungeschnittenen Version für Erwachsene).

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insgesamt 3 Beiträge
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PatrickNoel 20.09.2007
1. Hard boiled
Ich habe "Hard boiled" schon vor einigen Jahren gesehen und muss sagen , dass er zur damaligen Zeit einer meiner Lieblingsfilme war. Ich bin gespannt auf "Shoot ´em up" und werde ihn mir im Kino anschauen. Als zukünftiger Vater mache ich mir allerdings Sorgen um das Trommelfell des Babys, das bei den wilden Schiessereien dabei war...
DJ Doena 20.09.2007
2. Karten sind reserviert
SpOn mochte den Film nicht? Ich glaub, dann guck ich ihn mir an.
sonntags 16.05.2010
3. Einfach mal nicht immer alles so ernst nehmen...
Ich fand diesen Film durchaus "Zum schiessen komisch" und empfehle ihn jedem werdenden Vater zur Einstimmung auf was da so alles kommt... Also mal ehrlich, abgesehen von den Schiessereien (sowas muss man mögen oder halt nicht) ist dieser Film vollgestopft mit originellen Anspielungen (http://www.imdb.com/title/tt0465602/trivia), Sprüchen (dringend auf englisch sehen!) und Ideen. Einer der besten Actionfilme der lezten Jahren, meiner Meinung nach, und von der Coolnes her schwer zu überbieten.
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