DVD-Tipps des Monats: Nimm die Faust, mein Schätzchen

Kennen Sie die Venusier? Nein? Dann schauen Sie sich "Planet der Stürme" an, einen absoluten Klassiker des Science-Fiction-Genres. "Napoleon" lässt Ihnen die Kiefer runterklappen - was auch bei "Chasing Amy" passieren kann. Denn Dialoge über Faustverkehr sind ja eher selten in Liebeskomödien.

Worum geht's?

Der Film dreht sich um den Aufstieg von Napoléon Bonaparte vom starrköpfigen Schuljungen zum gefürchteten Feldherren. Mindestens genau so sehr ging es Regisseur Abel Gance allerdings darum, zu zeigen, was für eine visuelle Wucht das Kino entfalten kann. Außerdem zeigt der Stummfilm von 1927 Spezialeffekte, die uns auch heute noch den Kiefer runterklappen lassen.

Welche Info passte nicht mehr in unser Video?

"Napoleon" war ein Meisterwerk - aber beim Publikum hatte der Stummfilm keinen großen Erfolg. Unter anderem deshalb, weil im selben Jahr mit "The Jazz Singer" der erste abendfüllende Spielfilm mit Ton das Kino revolutionierte. Den Misserfolg seines Meisterwerks konnte Gance jahrzehntelang nicht verschmerzen. Noch in den sechziger Jahren bemühte sich der Regisseur darum, die Rechte an "Napoleon" zu kaufen und drehte sogar Szenen nach, um eine endgültige Schnittfassung des ursprünglich neunstündigen Films zu erstellen.

Und was ist das Beste am Film?

Das viereinhalbstündige Mammutwerk erinnert daran, wie überwältigend es sein kann, seine Berührungsängste zu überwinden und sich den großen Brocken der Filmgeschichte zu stellen. "Napoleon" belohnt seine Zuschauer dafür überreich.

Worum geht's?

Der Film von "Clerks"-Regisseur Kevin Smith ist eine Liebeskomödie, die lustvoll alle Regeln des Genres zerschmettert: Die Traumfrau des Hauptdarstellers ist eine Lesbe. Statt total niedlichen, tollpatschigen Sex zu haben, spricht das Paar lieber ausführlich über die Pros und Contras des Faustverkehrs. Und statt uns ein ordentliches Happy End zu liefern, verstört "Chasing Amy" uns mit einem der brachialsten Gefühle-Showdowns der Filmgeschichte.

Welche Info passte nicht mehr in unser Video?

Die Lieblingsszene von Benjamin Maack. In der führen Ben Affleck und Jason Lee einen absolut denkwürdigen Dialog über Freundschaft. Schon allein für diese 30 Sekunden lohnt "Chasing Amy".

Und was ist das Beste am Film?

"Chasing Amy" mag peinlich sein. Ja, an vielen Stellen schämt man sich fremd, weil sich die Figuren so doof benehmen. Aber Menschen sind ja bekanntlich doof. Und so stecken in Smiths dritten Kinofilm mehr Wahrheiten (angenehme und unangenehme) über die Liebe, als in "Vom Winde verweht", "Casablanca" und "West Side Story" zusammen.

Worum geht's?

Eine internationale Truppe von Astronauten begibt sich auf eine Expedition zur Venus. Als sie dort landet, entdecken die Weltraumabenteurer eine Urzeitwelt mit Dinos, fleischfressenden Pflanzen - und Spuren einer scheinbar längst untergegangenen Zivilisation von Venusiern.

Welche Info passte nicht mehr in unser Video?

Pawel Kluschanzew, der das Original "Planet der Stürme" drehte, das in den USA zu "Die Reise zum prähistorischen Planeten" umgeschnitten wurde, war der Spezialeffekte-Visionär der Sowjetunion. Hauptsächlich drehte er Lehrfilme. Doch ihm gelangen zwei Klassiker des Sci-Fi-Genres: Sein einziger Spielfilm "Planet der Stürme" und "Der Weg zu den Sternen"; eine populärwissenschaftliche Dokumentation, die mögliche Szenarien der Eroberung des Weltraums durch den Menschen zeigt. Der Film wurde zu einer wichtigen Inspirationsquelle für viele US-Regisseure. In "2001 - Odyssee im Weltraum" etwa, zitiert Stanley Kubrick einige von Kluschanzews Visionen fast eins zu eins.

Und was ist das Beste am Film?

Dass man alle drei Versionen dieses Trips zur Venus ansehen kann. Kluschanzews "Planet der Stürme" sowie "Die Reise zum prähistorischen Planeten" gibt es auf DVD, "Voyage To The Planet Of Prehistoric Women" ist in den USA "public domain" und kann zum Beispiel hier angesehen werden.

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