Filmarbeiten in Bosnien: Drehverbot für Angelina Jolie

Bloß eine Liebesgeschichte im bosnischen Bürgerkrieg? Angelina Jolie will in ihrem Regiedebüt von einer Frau erzählen, die sich in ihren Vergewaltiger verliebt. Bosniens Kulturminister hat dem Hollywood-Star jetzt die Drehgenehmigung entzogen: Der Film könne die Opfer verletzen.

Angelina Jolie: Drehverbot in Bosnien Fotos
AP

Sarajevo/Hamburg - Zu Drehbeginn gab sich Angelina Jolie enthusiastisch. "Ich will so viele lokale Leute wie möglich involvieren und so viel lernen wie ich kann", twitterte die 35-jährige Schauspielerin ("Salt", "Der fremde Sohn"), die derzeit auf dem Balkan an ihrem Debüt als Filmregisseurin arbeitet. Jolie hatte in Ungarn mit den Dreharbeiten begonnen und wollte die Schlussszenen im November in Bosnien drehen. Doch ihre Gastgeber sind alles andere als begeistert: Der Kulturminister der muslimisch-kroatischen Föderation Gavrilo Grahovac hat jetzt die Dreherlaubnis annuliert.

Schuld ist offensichtlich das Drehbuch: Das Erstlingswerk der Oscar-Preisträgerin spielt im Bosnien während des Bürgerkriegs von 1992 bis 1995. Medien in Sarajevo berichteten, die Hauptfigur sei eine junge muslimische Frau, die von einem serbischen Soldaten vergewaltigt wird, in den sie sich später verliebt. Hauptdarstellerin ist die bosnische Schauspielerin Zana Marjanovic. "Die Story schlägt sich politisch nicht auf eine Seite, es ist einfach eine Liebesgeschichte, die während des Krieges spielt", erklärte die 27-Jährige einem bosnischen Radiosender.

"Diese Geschichte ist eine Lüge."

Das sehen Opferorganisationen anders: Die Vereinigung "Women - war victims" (Frauen - Kriegsopfer) nannte die Liebesgeschichte zwischen einer vergewaltigten Frau und dem Täter nicht akzeptabel. Sie könne Vergewaltigungsopfern weitere emotionale Leiden zufügen. "Diese Geschichte ist eine Lüge. Unter den tausenden Berichten von im Krieg vergewaltigten Frauen findet sich kein Einziger, der von einer Liebesgeschichte zwischen dem Opfer und ihrem Vergewaltiger berichtet", sagte die Präsidentin des Vereins, Bakira Hasecic.

Die Proteste der Organisation bewegten Kulturminister Grahovac dazu, dem Jolie-Team die Dreherlaubnis wieder zu entziehen. Die Genehmigung werde erst wieder erteilt, wenn das Drehbuch geändert worden sei, sagte Grahovac am Mittwoch.

Hollywoods bestbezahlte Schauspielerin ist nicht nur die Regisseurin - sie hat auch das Drehbuch geschrieben und produziert den Film. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Brad Pitt engagiert sie sich als Botschafterin der Uno-Flüchtlingsorganisation UNHCR für die Opfer des bosnischen Bürgerkriegs. Erst im April hatte das Schauspieler-Paar Bosnien besucht, um auf das Schicksal der über Hunderttausend Flüchtlinge aufmerksam zu machen, die auch 15 Jahre nach Kriegsende nicht in ihre Heimatorte zurückkehren können.

twi/dpa/afp

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