Schauspieler-Legende Armin Mueller-Stahl sagt Kino langsam Adieu

Armin Mueller-Stahl macht weiter Pause vom Schauspielberuf. Der 83-jährige Star aus "Die Manns" und "Illuminati" möchte lieber malen als vor der Kamera stehen. Dafür hat er eine überzeugende Begründung.

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Dresden - Die letzte Rolle in einem großen Film liegt schon Jahre zurück. Und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Armin Mueller-Stahl spürt nämlich kein Verlangen mehr nach Filmkameras. "Im Moment lodert das Innere, das Feuer nicht", sagte er am Samstag in Dresden. Dort wurde eine Ausstellung mit rund 120 Gemälden und Grafiken des Künstlers eröffnet. Auch die besten Angebote lockten nicht, seine Leidenschaft gehöre der Kunst. "Die Malerei überwiegt momentan."

Beim Malen sucht der in Kalifornien und bei Lübeck an der Ostsee lebende Schauspieler ("Shine", "Die Manns") immer wieder nach neuen Themen, Formen und Gestaltungsmöglichkeiten. "Manchmal wird es mehr abstrakt, manchmal konkret, das ist sehr unterschiedlich." Malen sei Genuss und gebe ihm Energie. Eine Rückkehr auf die Leinwand ist dennoch nicht unmöglich. "Ich sage nicht ausschließlich Nein zu allem, was außerhalb der Malerei ist."

2006 hatte Mueller-Stahl angekündigt, nur zwei, drei Rollen spielen zu wollen: "Dann sage ich der Schauspielerei adieu." Er müsse nicht mehr mit hängender Zunge von einem Film zum nächsten rennen und auch niemandem mehr beweisen, dass er noch gut im Geschäft sei, sagte er damals. So wie die Schauspielerei funktioniere, könne er sie nicht ernst nehmen. Er finde es bizarr, wenn US-Stars 30 Millionen Dollar pro Film verlangen könnten. Seien sie außerdem am Verkauf beteiligt, kämen sie auf 300 Millionen Dollar. "Und es ist vollkommen absurd, dass ein Produzent noch viel mehr verdienen kann", beschwerte sich Mueller-Stahl.

Aus der DDR nach Hollywood

An seine Ankündigung, nur noch zwei, drei Filme zu machen, hat sich der Schauspieler dann doch nicht ganz gehalten. Er spielt mit in "Tödliche Versprechen - Eastern Promises", "Buddenbrooks", "The International" und "Illuminati" sowie in diversen kleineren Produktionen.

Der gebürtige Ostpreuße aus Tilsit wurde in der DDR zunächst als Star gefeiert, er kam auf rund 60 Hauptrollen in Kino- und Fernsehfilmen. Damals wurde der examinierte Konzertgeiger mit Auszeichnungen geradezu überschüttet. Doch mit der Gunst der DDR-Oberen war es Ende 1976 schlagartig vorbei, als Mueller-Stahl zu den prominentesten Unterzeichnern der Resolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann gehörte.

1980 siedelte er vom Osten in den Westen Berlins über. Dort konnte er seine Karriere fast nahtlos fortzusetzen. Bereits 1981 hatte er eine dankbare Rolle in Rainer Werner Fassbinders Film "Lola", wo er einen "pedantischen Moralisten" spielte. 2001 verkörperte er in dem mehrteiligen Fernsehfilm "Die Manns" den Schriftsteller Thomas Mann.

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insgesamt 2 Beiträge
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nhorwath 22.11.2014
1. Irgendwie macht ihn das sympathisch
dieser Verzicht auf "mehr und mehr und noch mehr" dieser Geldgeilheit auf Kosten anderer.Und das Malen ist ein sehr beruhigender Ausgleich bei dem man auch zeigen kann was man kann.Auch wird er jetzt nicht gerade das Herzflattern bekommen wie so mancher arme Künstler der nicht weiß ob er morgen Geld für etwas zu essen hat.
n01 22.11.2014
2. Mit 83 darf man das;-)
Zitat von nhorwathdieser Verzicht auf "mehr und mehr und noch mehr" dieser Geldgeilheit auf Kosten anderer.Und das Malen ist ein sehr beruhigender Ausgleich bei dem man auch zeigen kann was man kann.Auch wird er jetzt nicht gerade das Herzflattern bekommen wie so mancher arme Künstler der nicht weiß ob er morgen Geld für etwas zu essen hat.
Ich denke, mit 83 kann, darf und sollte man, wenn man ansonsten finanziell abgesichert ist, auch ruhig mal seinen eigenen Wünschen nachgehen.
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