Förderpreis Filmfest München Ein sehr einsamer Gewinner

Kein Drehbuch, keine Fördergelder, trotzdem großer Sieger: Beim Münchner Filmfest hat die Tragikomödie "Love Steaks" zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals in allen vier Kategorien des Förderpreises Neues Deutsches Kino gewonnen. Die außergewöhnliche Entscheidung stieß aber auch auf Kritik.


München - Überraschung hoch vier: Der Film "Love Steaks" hat beim Filmfest München in allen vier Kategorien den Förderpreis Neues Deutsches Kino gewonnen. Es war das erste Mal, dass die Preise für Regie, Produktion, Drehbuch und Schauspiel alle an denselben Film gingen. Zehn Filme hatten um die Auszeichnung konkurriert. "Letztendlich hat uns aber nicht nur das mutige und konsequent umgesetzte Konzept von 'Love Steaks' in der Gesamtheit beeindruckt, sondern auch jede der Einzelleistungen in allen Kategorien", begründete Jury-Mitglied und Schauspielerin Bibiana Beglau die Entscheidung am Freitag.

"Das ist eine sehr mutige Entscheidung", sagte Christoph Gröner, der die Reihe Neues Deutsches Kino zusammengestellt hatte. "Ich vertraue darauf, dass auch jeder andere Film seinen eigenen, guten Weg machen wird." Zwar zeigten die Gäste mit ihrem Applaus für jede Auszeichnung, dass sie dem Team die Preise gönnen, trotzdem gefiel die Jury-Entscheidung nicht jedem: "Das sieht ja aus, als hätte es in der Reihe nur einen guten Film gegeben, das stimmt aber nicht", sagte ein Gast. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für den Rest", meinte ein anderer. In der Reihe waren unter anderem starke Beiträge von Frauke Finsterwalder ("Finsterworld"), Axel Ranisch ("Ich fühl mich Disco") und Samuel Perriard ("Schwarzer Panther") nominiert.

Drehbuchpreis für fehlendes Drehbuch

Die Tragikomödie "Love Steaks" von Jakob Lass von der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam erzählt eine Liebesgeschichte, in der zwei Lebensentwürfe aufeinanderprallen: Gutes tun im Gegensatz zu wild leben.

Den Preis für das beste Schauspiel teilen sich die Hauptdarsteller Lana Cooper und Franz Rogowski. Ines Schiller und Golo Schultz bekamen den Preis für die beste Produktion. "Das ist unglaublich und unfassbar, gerade auch unter den Rahmenbedingungen, die nicht vorhanden waren", sagte Schultz. Der Film entstand ohne Senderbeteiligungen und Fördergelder. Für das beste Drehbuch wurden Jakob Lass, Timon Schäppi, Ines Schiller und Nico Woche ausgezeichnet. "Danke an die Jury, dass sie den Film mit dem Drehbuchpreis auszeichnet, der gar kein Drehbuch hat", sagte Schiller. Das Drehbuch war ein dramaturgisches Skelett ohne vorgeschriebene Dialoge.

In der Jury saßen neben Beglau die Regisseurin Angelina Maccarone und der Produzent Gerhard Meixner. Mit den insgesamt 70.000 Euro Preisgeld, gestiftet von der Bavaria Film, dem Bayerischem Rundfunk und der DZ Bank, will das Gewinner-Team wohl einen neuen Film drehen.

hpi/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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whis42per 06.07.2013
1. Bei allem Respekt...
...einem improvisierten Film den Preis für das beste Drehbuch zu verleihen, macht die einseitige Gesamtentscheidung komplett lächerlich! Zumal es insgesamt kein gutes Signal ist, bei einem solchen Festival die FÖRDERpreise komplett nur an ein Team zu vergeben. Da war wohl mehr ein kulturpolitischer Hintergedanke im Spiel als künstlerische Auswahlkriterien.
pömpel 06.07.2013
2.
endlich mal ein Film der nicht nach einem langweiligen Drehbuch gedreht wurde. Ist doch schön, dass es noch Künstler unter den Filmemachern gibt und nicht nur geldgeile Explosionsfilmer. Endlich mal nicht mehr nur der Mainstreamsumpf
mischpot 06.07.2013
3. Ein Videoausschnitt
hätte mehr gesagt als tausend Worte.
citropeel 06.07.2013
4. optional
Die Reaktionen der "leer" ausgegangen ist leider ziemlich peinlich. Ist das so eine Art künstlerischer Narzissmus, der da verletzt wurde?
Pat-Riot 06.07.2013
5. filmpreis
Nächstes Jahr werde ich dort ein Gedicht einreichen - vielleicht kriege ich den Kamerapreis dafür. Price is nice, buyer is higher
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