Filmfestival "Melancholia"-Darstellerin Dunst in Cannes geehrt

Der Eklat um Regisseur Lars von Trier hat ihr nicht geschadet. Die US-Amerikanerin Kirsten Dunst ist bei den Filmfestspielen von Cannes als beste Schauspielerin für ihre Rolle in Triers "Melancholia" ausgezeichnet worden. Terrence Malicks Werk "The Tree of Life" bekam die Goldene Palme.

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Cannes - "Melancholia" wird also doch geehrt - trotz des Skandals um Regisseur Lars von Trier, der sich in einer Pressekonferenz mit peinlichen Äußerungen zur Nazi-Zeit aus dem Festival katapultiert hatte. Hauptdarstellerin Kirsten Dunst musste nicht darunter leiden. Sie wurde als beste Schauspielerin geehrt. "Wow, was war das für eine Woche", sagte Dunst bei ihrer Dankesrede, und bedachte den nicht anwesenden von Trier mit warmen Worten: "Ich möchte Lars dafür danken, mir die Gelegenheit gegeben zu haben, derart tapfer zu sein." Dunst spielt in dem apokalyptischen "Melancholia" eine depressive Frau, die mit den Marotten ihrer Familie kämpft, während sich ein Planet auf Kollisionskurs mit der Erde befindet.

Die Hauptpreis des Festivals von Cannes, die Goldene Palme, geht in diesem Jahr an den amerikanischen Regisseur Terrence Malick für sein Werk "The Tree of Life". Der Siegerbeitrag des wichtigsten Filmfestivals der Welt ist ein philosophisches Drama über die menschliche Existenz und die Natur mit prominenter Besetzung: Sean Penn, Brad Pitt und Jessica Chastain spielen die Hauptrollen.

Malick nimmt Goldene Palme nicht persönlich entgegen

Malick war auf der Preisverleihung nicht anwesend, stattdessen nahmen die beiden Produzenten Sarah Green und Bill Pohlad die Auszeichnung entgegen. Der 67-jährige Regisseur besuchte auch beim diesjährigen Festival keine einzige Veranstaltung. Malick sei als öffentlichkeitsscheu verrufen und tatsächlich darauf bedacht, nicht aufzufallen, "aber ich weiß, er freut sich riesig über diesen Preis", sagte Pohlad bei der Verleihungsgala. Es ist bereits die zweite Auszeichnung in Cannes für Malick: 1979 gewann er für "In der Glut des Südens" den Preis für die beste Regie.

Der Grand Prix der Jury ging zu gleichen Teilen an den Türken Nuri Bilge Ceylan für "Once Upon a Time in Anatolia" und an die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne für "The Kid with a Bike".

Von Triers dänischer Kollege Nicolas Winding Refn wurde für "Drive" als bester Regisseur ausgezeichnet. Der Jury-Preis ging an den französischen Film "Polisse", den Drehbuch-Preis gab es für "Footnote" aus Israel.

Der Preis für den besten Darsteller ging an den 38 Jahre alten Franzosen Jean Dujardin für seine Leistung in dem Schwarz-Weiß-Stummfilm "The Artist". Er dankte der Jury mit einem Kniefall für die Ehrung.

Andreas Dresen gewinnt Nebenpreis - und rührt das Publikum zu Tränen

Seit dem 11. Mai wetteiferten 20 Filme um die Goldene Palme, allerdings kein einziger deutscher Film. Gleich zu Beginn des Festivals bekam der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci die Goldene Palme für sein Lebenswerk verliehen.

Am Samstagabend wurden bereits die Preise in der Nebenkategorie "Un certain regard" vergeben. Hier teilen sich der deutsche Regisseur Andreas Dresen ("Halt auf freier Strecke") und der Koreaner Kim Ki-Duk ("Arirang") die Auszeichnung.

Der Film Dresens erzählt die Geschichte eines 40-jährigen Familienvaters, bei dem ein unheilbarer Gehirntumor festgestellt wird und der nur noch wenig Zeit hat, um von Frau, Kindern und seinem Leben Abschied zu nehmen. Erst vor etwa einer Woche hatte der deutsche Regisseur das Drama fertiggestellt, das das Publikum in Cannes zu Tränen rührte und in dem er auch eigene Erfahrungen verarbeitete. "Vergangenes Jahr war ein Jahr der Trennungen sowie des Todes von engen Freunden", sagte Dresen bei der Ehrung.

Auch im angeschlossenen Kurzfilmwettbewerb "Cinéfondation" gewann eine deutsche Produktion: "Der Brief" von Doroteya Droumeva erhielt den ersten Preis. Zum 64. Filmfest waren mehr Prominente an die Croisette gekommen, als in den Jahren zuvor, darunter Angelina Jolie, Brad Pitt und Antonio Banderas. Im vergangenen Jahr hatte der thailändische Film "Onkel Boonmee" die Goldene Palme gewonnen.

fdi/dpa

insgesamt 1 Beitrag
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spawn478 23.05.2011
1. Leider
Leider hat so eine Auszeichnung in Cannes nichts mehr zu bedeuten. Die werden heute nach ganz banalen Kriterien vergeben: Ist der Preisträger möglichst bekannt und kann Cannes sich in seinem Glanz sonnen?
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