Filmfestival von Venedig Goldener Löwe für Ang Lee - Preise für Blanchett und Pitt

Erneuter Triumph für den aus Taiwan stammenden Star-Regisseur Ang Lee: Zum zweiten Mal binnen zwei Jahren bekam er in Venedig den Preis für den besten Film. Als Darsteller geehrt wurden Cate Blanchett und Brad Pitt.


Venedig - Oscar-Gewinner Ang Lee erhielt heute den Hauptpreis des Festvials für seinen erotischen Spionage-Thriller "Se, Jie" ("Lust, Caution"). Der Künstler, der seit 20 Jahren in den USA lebt, widmete die Auszeichnung dem kürzlich gestorbenen schwedischen Meisterregisseur Ingmar Bergman. Ang Lee war bereits vor zwei Jahren mit einem Goldenen Löwen für seinen Western "Brokeback Montain" geehrt worden.

Wieder ein Goldener Löwe: Preisträger Ang Lee
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Wieder ein Goldener Löwe: Preisträger Ang Lee

Der silberne Löwe für die beste Regie ging an Brian De Palma für seinen kritischen Beitrag zum Irak-Krieg "Redacted". Den Coppa Volpi als beste weibliche und männliche Darsteller erhielten die australische Schauspielerin Cate Blanchett für ihre Rolle des Kult-Sängers Bob Dylan in "I'm not there" sowie Hollywood-Star Brad Pitt für seine Rolle in dem Western "The assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" (Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford).

Den Sonderpreis der Jury teilen sich in diesem Jahr zwei Regisseure: Todd Haynes erhielt die Auszeichnung für seine Bob Dylan-Collage "I'm Not There", der französisch-tunesische Regisseur Abdellatif Kechiche für seinen Film "La Graine et le Mulet" - ein warmherziges Porträt einer armen Einwandererfamilie in Frankreich.

Für ihre Darstellung der jungen Rym in Kechiches Film wurde die
junge algerisch-tunesisch-französische Schauspielerin Hafsia Herzi als größte Entdeckung des Festivals gefeiert.

Mit dem silbernen Löwen für sein Gesamtwerk wurde der russische Regisseur Nikita Mikhalkov ausgezeichnet. Der italienische Starregisseur Bernardo Bertolucci ("Der letzte Tango", "Der letzte Kaiser") erhielt einen Goldenen Ehrenlöwen für sein Lebenswerk. Der 66-Jährige wurde bei der festlichen Gala vom Publikum mit stürmischem Applaus frenetisch
gefeiert.

Unter den 22 Wettbewerbsfilmen war erneut kein eigener deutscher Beitrag. Es gab lediglich zwei deutsche Co-Produktionen, die allerdings in Nebenreihen liefen. Es handelte sich um den Dokumentarfilm "Staub" von Hartmut Bitomsky und die schwarze Tragikkomödie "Freischwimmer" von Regissur Andreas Kleinert.

Deutsche Künstler haben seit langem Pech in Venedig: Den bisher letzten deutschen Löwen gab es 1982 für "Der Stand der Dinge" von Wim Wenders. Das Filmfest am Lido von Venedig gilt neben Berlin und Cannes als das weltweit wichtigste Festival.

Die Entscheidung der Jury unter der Leitung des chinesischen
Regisseurs Zhang Yimou war nicht einfach: Einige Kritiker sprachen von Ernüchterung am Lido. Zwar liefen mehrere Hollywood-Produktionen mit großer Starbesetzung, ein wirklich großer, mitreißender Film war jedoch nach vorherrschender Meinung nicht darunter.

Die Filmfest am Lido von Venedig feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen - auch wenn es erst die 64. eigentlichen Festspiele sind: In manchen Jahren fand das auch als La Mostra bekannte Großereignis gar nicht statt, in anderen wurde das Festival ohne eigentlichen Wettbewerb veranstaltet.

Die Preisträger der 64. Filmfestspiele von Venedig

Goldener Löwe für den besten Film: "Lust, Caution" von Ang Lee

Goldener Ehrenlöwe für das Lebenswerk: Bernardo Bertolucci

Silberner Löwe für die beste Regie: "Redacted" von
Brian De Palma

Spezialpreis der Jury: "Le Grain et le Mulet" von
Abdellatif Kechiche und "I'm Not There" von Todd Haynes

Speziallöwe für das geschlossenste Werk: "12" von
Nikita Mikhalkov

"Coppa Volpi" für den besten Schauspieler: Brad Pitt in
"The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford"
von Andrew Dominik

"Coppa Volpi" für die beste Schauspielerin:
Cate Blanchett in "I'm Not There" von Todd Haynes

Marcello-Mastroianni-Preis für die beste schauspielerische
Nachwuchsleistung:
Hafsia Herzi, in "La Graine et le mulet"
von Abdellatif Kechiche


kai/AFP/dpa

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