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Filmfestivals: Lars von Trier freut sich über seine Cannes-Pleite

Der dänische Regisseur Lars von Trier freut sich darüber, dass sein Film "Dogville" offenbar zu kontrovers war, um bei den Filmfestspielen in Cannes einen Preis zu gewinnen. Sagt er zumindest. Am schlimmsten, so ließ er verlauten, wäre es gewesen, hätte man ihm einen Trostpreis verliehen.

Regisseur von Trier in Cannes (mit Nicole Kidman und Stellan Skarsgard): "Jetzt weiß ich, dass das, was ich mache, richtig ist"
AP

Regisseur von Trier in Cannes (mit Nicole Kidman und Stellan Skarsgard): "Jetzt weiß ich, dass das, was ich mache, richtig ist"

Kopenhagen - "Er ist froh, dem Hexenkessel Cannes entronnen zu sein". Vibeke Windelow, Produzentin von "Dogville", äußerte sich am Dienstag in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" über den Gemütszustand des Regisseurs Lars von Trier, der am Sonntag bei der Verleihung der Goldenen Palme von Cannes leer ausging - obwohl er schon früh als Favorit der diesjährigen Filmfestpiele an der Croisette gehandelt wurde. Stattdessen entschied sich die Jury unter Leitung des französischen Regisseurs Patrice Chéreau dafür, Gus Van Sants politisch korrektes High-School-Dramolett "Elephant" zum Gewinner des Festivals zu küren.

Eine rein politische Entscheidung, behauptet Vibeke Windelow, denn von Triers Film "Dogville" sei von Anfang an als antiamerikanisch betrachtet worden. In der Tat hatte die Geschichte einer jungen Frau (Nicole Kidman), die auf der Flucht vor Gangstern in einem abgelegenen Dorf in den Rocky Mountains landet und dort Schreckliches erlebt, während des Festivals für Kontroversen unter den anwesenden Journalisten und massiver Kritik seitens der US-Presse gesorgt. Hätte "Dogville" in Cannes gewonnen, hätte das nicht gerade dazu beigetragen, die seit dem Irak-Krieg bestehende Kluft zwischen Frankreich und den USA zu kitten - so lautet die viel spekulierte These der Feuilletonisten und Festival-Analysten, die sich in den vergangenen Tagen über den Konsens-Sieg von "Elephant" verwundert zeigten.

Lars von Trier jedoch, berichtet Windelow, habe seine Festival-Pleite sehr gut aufgenommen: "Er sagte mir: 'Jetzt weiß ich, dass das, was ich mache, richtig ist. Aber es war so provokativ, dass die Jury es nicht belohnen wollte'". Das Schlimmste für den Cannes-Gewinner von 2001, so Windelow, wäre es gewesen, einen Trostpreis verliehen zu bekommen.

Zumindest ein inoffizieller Preis wurde in Cannes an "Dogville" verliehen: Die "Palme Dog", der Preis für die beste Hunde-Darstellung ging an Moses, eine mit Kreidestrichen gezeichnete Kläffer-Silhouette am bewusst rudimentär gehaltenen Set des Von-Trier-Films.

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