Goldene Palme bei Filmfestspielen Österreicher Haneke triumphiert erneut in Cannes

Der Regisseur Michael Haneke hat mit seinem Film "Amour" die Goldene Palme von Cannes gewonnen. Nach 2009 ist es bereits der zweite Hauptpreis für den Österreicher. Als beste Schauspieler wurden der Däne Mads Mikkelsen und zwei rumänische Newcomerinnen geehrt.

REUTERS

Michael Haneke gewinnt zum zweiten Mal die Goldene Palme: Mit seinem einfühlsamen Beziehungsdrama "Amour" überzeugte er erst die Kritiker, dann die Jury. Nur drei Jahre nach seinem großen Erfolg mit "Das weiße Band" konnte Haneke damit den Triumph beim wichtigsten Filmfestival der Welt wiederholen.

Den Juryvorsitz hatte in diesem Jahr der italienische Regisseur und Schauspieler Nanni Moretti ("Habemus Papam - Ein Papst büxt aus"). Neben Moretti saßen in der Jury: der Modedesigner Jean-Paul Gaultier, die Schauspielerinnen Hiam Abbass, Emmanuelle Devos und Diane Kruger, der Filmstar Ewan McGregor sowie die Filmemacher Andrea Arnold, Alexander Payne und Raoul Peck.

Den zweiten Platz ("Großer Preis der Jury") belegte die Mediensatire "Reality" des italienischen Regisseurs Matteo Garone. Den dritten Preis, den Prix du Jury, erhielt überraschend Cannes-Veteran Ken Loach für seine Sozialkomödie "Angel's Share". Der Brite war bereits zum zwölften Mal im Wettbewerb vertreten, 2006 hatte er mit "The Wind That Shakes the Barley" den Hauptpreis gewonnen. Der Mexikaner Carlos Reygadas gewann für "Post tenebras lux" den Preis für die beste Regie.

Einen Doppeltriumph gab es für die Hauptdarstellerinnen von des rumänischen Films "Beyond the Hills" zu feiern: Cosmina Stratan und Cristina Flutur gewannen zu gleichen Teilen den Preis als beste Darstellerinnen. Cristian Mungius Religionsdrama hatte kurz zuvor bereits den Preis für das beste Drehbuch gewonnen. 2007 war Mungiu für "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden.

Nächster Jahr dann Frauen?

In der Kategorie "Bester männlicher Darsteller" konnte sich der Däne Mads Mikkelsen mit seiner Rolle in dem Missbrauchsthriller "The Hunt" von Thomas Vinterberg durchsetzen. Mikkelsen galt neben "Amour"-Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant als klarer Favorit.

Als bestes Debüt wurde "Beasts of the Southern Wild" von Benh Zeitlin ausgezeichnet. Das Südstaaten-Drama hatte bereits in Sundance den großen Preis der Jury gewonnen.

In der wichtigen Nebenreihe Un Certain Regard wurde das Familiendrama "Después de Lucia" vom mexikanischen Regisseur Michel Franco als bester Film ausgezeichnet. Den Spezialpreis der Jury erhielt "Le Grand Soir" von Benoit Delépine und Gustave Kervern. Vorsitzender der 20-köpfigen "Un Certain Regard"-Jury war der Schauspieler Tim Roth.

Ob nächstes Jahr eine Frau einen der Hauptpreise mit nach Hause nehmen kann? Nach zwei Wochen anhaltender Kritik an der Einladungspolitik des Festivals äußerte dessen Präsident Gilles Jacob erstmalig Verständnis für die Forderung, mehr Arbeiten von Regisseurinnen im Wettbewerb zu zeigen. "Ich bin mir sicher, dass Thierry Frémaux, der Leiter der Auswahlkommission, nächster Jahr sorgfältiger nach Filmen von Frauen suchen wird", sagte er der britischen Sonntagszeitung "The Observer".

hpi/dpa/dapd

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.