Cannes Filmfestspiele verbannen Netflix aus Wettbewerb

Noch 2017 konkurrierten zwei Produktionen des Streaming-Anbieters um die Goldene Palme - jetzt ist er offiziell raus aus dem Wettbewerb. Das Netflix-Geschäftsmodell widerspreche der Idee von Cannes.

Netflix-Filmplakat in Cannes
REUTERS

Netflix-Filmplakat in Cannes


Thierry Frémaux musste viel Kritik einstecken, als er im vergangenen mit "Okja" und "The Merowitz Story" gleich zwei Netflix-Produktionen zu der 70. Ausgabe der Filmfestspiele von Cannes in den Wettbewerb eingeladen hatte: Kritiker monierten unter anderem, dass die nur für Netflix-Abonnenten produzierten Filme in Cannes vor allem eine gefällige Werbeplattform erhielten.

Prompt änderte das altehrwürdige Filmfestival schon damals seine Statuten : Ab diesem Jahr muss jeder Wettbewerbsfilm einen Kinostart in Frankreich aufweisen. Nun ist Netflix ganz offiziell raus aus dem Wettbewerb, wie Festivalleiter Frémaux ankündigte.

"Im vergangenen Jahr, als ich die beiden Filme auswählte, dachte ich, ich könnte Netflix überzeugen, sie auch in die Kinos zu bringen. Sie lehnten das ab", zitiert "The Hollywood Reporter" Frémaux. Zwar nehme Cannes die Streamingdienste als neue mächtige Filmproduzenten ernst und hinterfrage sich selbst ständig, sagte er. Aber "die Geschichte des Kinos und die Geschichte des Internets sind zwei völlig unterschiedliche Dinge". Netflix habe eingesehen, dass sein Geschäftsmodell der Idee von Cannes widerspreche.

Auch Spielberg übt Kritik

Auch Regisseur Steven Spielberg sprach sich am Wochenende gegen eine Gleichberechtigung von Netflix-Produktionen und dem klassischen Kino bei Wettbewerben aus. "Ich glaube nicht, dass Filme, die lediglich für kürzer als eine Woche in ein paar wenigen Kinos laufen, eine Chance auf einen Oscar verdienen", sagte der Regisseur in einem Interview.

Hintergrund ist unter anderem, dass mit "Mudbound" ein Netflix-Film gleich in mehreren Kategorien für einen Oscar nominiert war. Er war allerdings nur eine Woche in ausgesuchten Kinos in New York und Los Angeles zu sehen.

brs



insgesamt 31 Beiträge
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liberalerfr 26.03.2018
1. Cannes wird zum Büttel der alten Filmindustrie
Cannes verabschiedet sich von der Realität und macht sich zum Büttel der alten Filmindustrie. Man kann nur hoffen, dass sich entweder die anderen Filmfestivals weiter offen für den Wettbewerb zeigen, oder sich alternative Festivals bilden, die die Newcomer berücksichtigen.
br0iler 26.03.2018
2. klassisches Kino hat bald ausgedient
Die Zukunft gehört den Streaming-Diensten. Kann man blöd finden, ist aber so. Die Kinopreise sind mittlerweile so abgefahren, das ein Jahresabo billiger ist, als zwei Familienbesuche mit Knabberei im Kino. Davon abgesehen, kann man sooft schauen wie man will, man kann unterbrechen, wiederholen, in vielen Sprachen schauen uvm. Von der RIESIGEN Auswahl, ganz zu schweigen. Da die Qualität/Größe der TV-Screens und Soundanlagen dem Kinoerlebnis immer näher kommen, fällt es mir schwer einen Grund zu finden, ins Kino zu gehen. Das Kriterium in Frankreich im Kino gelaufen zu sein, halte ich für einen Vorwand. Aber Oscar oder Cannes ist für mich eh kein Qualitätsmerkmal. Es gibt so gute Schauspieler, Autoren oder Filme die nie einen dieser Preise erhalten haben oder werden.
BertieBallermann 26.03.2018
3. Gut, dass es
Netflix gibt. Anderes als der 7. Aufguss von Marvel fällt der traditionellen Filmindustrie ja nicht mehr ein. Auch viele neue umd sehr gute Schauspieler erhalten in Netflix Filmen und Serien ein Chance, während in der alten Filmindustrie immer mehr Kinder von ehemaligen Schauspielern auftauchen. Auch das ist Nepotismus.
abwinken 26.03.2018
4. Es war einmal
Das soll wohl ein letztes Aufbäumen sein? Nützt aber nichts. Das alte Kino ist am Absterben.
elgrandee 26.03.2018
5. Absurde Begründung
Mittlerweile haben etliche Serien der Streamingdienste eine höhere Qualität als im Grunde alles, was im gesamten letzten Jahr im Kino gezeigt wurde. Offenkundig hat man das auch in cannes registriert und alleine die Formalie „im Kino gelaufen“ gibt diesem unwichtigen Preis noch eine Daseinsberechtigung. Das Kino ist tot. Das lässt sich auch nicht mehr ändern, in Zeiten von großen Fernsehern und erschwinglichen Projektoren. Die grotesken Ticketpreise tun ihr übriges-einmal Kino mit Familie kostet ein Jahr Netflix/Amazon. Die Wahl ist leicht getroffen.
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