Filmfestspiele Venedig "Goldener Löwe" für den Iraner Jafar Panahi

Die Hollywood-Stars gingen leer aus: Der Kritikerfavorit "Dayereh" des Iraners Jafar Panahi setzte sich in Venedig gegen 20 Wettbewerber durch. Zu den Gewinnern zählt auch Julian Schnabels Dichter-Porträt "Before Night Falls".


Gewinner: Jafar Panahi und seine Trophäe
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Gewinner: Jafar Panahi und seine Trophäe

Venedig - Der renommierte iranische Regisseur Jafar Panahi, 40, ist beim Filmfestival in Venedig mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet worden. Er erhielt den Preis am Samstagabend für seinen Wettbewerbsbeitrag "Dayereh" (Der Kreis), der die Geschichte von acht Frauen erzählt, die im Iran mit den Einschränkungen der Gesellschaft kämpfen, die ihnen auf Grund ihres Geschlechts auferlegt wurden.

"Dayereh" ist Panahis dritter Spielfilm nach "Badkonake Sefid" (Der weiße Ballon, 1995) und "Ayneh" (Der Spiegel, 1997), mit denen er etliche internationale Preise gewann. "Ich komme aus dem Iran, einem alten Land. Einem Land voll Menschen, die das Leben lieben. Menschen, die mich zu meinen Filmen inspirieren", sagte Panahi, nachdem ihm der Preis verliehen worden war. Der Film wurde im Iran bisher nicht gezeigt. "Ich hoffe, dass die Auszeichnung die Aufmerksamkeit auf die Probleme der Frauen in seinem Land lenken wird", erklärte Panahi.

Bester Schauspieler: Javier Bardem freut sich über seinen "Volpi Award"-Pokal
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Bester Schauspieler: Javier Bardem freut sich über seinen "Volpi Award"-Pokal

Als bester Schauspieler wurde Javier Bardem ausgezeichnet, der in dem US-Film "Before Night Falls" von Julian Schnabel spielt. Der Beitrag des amerikanischen Künstlers über das Leben des homosexuellen kubanischen Autors Reinaldo Arenas wurde darüberhinaus mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Den Preis der besten Schauspielerin erhielt Rose Byrne für ihre Hauptrolle in dem australischen Beitrag "The goddess of 1967" von Clara Law. Der indische Regisseur Buddhadeb Dasgupta bekam für sein Werk "Uttara" (Die Ringer) den Spezialpreis für die beste Regie.

Als bestes Debüt eines Regisseur kürten die Juroren "La faute a Voltaire" von Abdel Kechiche. Der Film "I Cento Passi" (100 Schritte) des italienischen Regisseurs Marco Tullio Giordana erhielt den Preis für das beste Drehbuch. Darin geht es um einen jungen Sizilianer, der einen Mafiaboss herausfordert und ermordet wird. Überreicht wurden die Preise von Jury-Präsident Milos Forman.

Der einzige Film mit starker Hollywood-Präsenz ging völlig leer aus: Robert Altmans "Dr.T And The Women" mit Richard Gere, Helen Hunt und Laura Dern bekam keinerlei Auszeichnung. Unter den 20 Wettbewerbsfilmen in Venedig war im zweiten Jahr hintereinander kein deutscher Beitrag. Deutsche Kritiker hatten moniert, dass der Regisseur Tom Tykwer seine neue Produktion "Der Krieger und die Kaiserin" lediglich in einem Nebenprogramm vorstellen konnte.

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