Filmfestspiele von Venedig Clooney, Ai Weiwei und Kechiche im Wettbewerb

An Stars herrscht zumindest kein Mangel: Die Filmfestspiele von Venedig haben ihr Programm bekannt gegeben. Wie so oft sind viele US-Filme dabei und mit ihnen Matt Damon, Julianne Moore und Jennifer Lawrence.

Julianne Moore und Matt Damon in "Suburbicon"
Concorde

Julianne Moore und Matt Damon in "Suburbicon"


"Birdman", "Gravity", "Spotlight" und "La La Land": In den vergangenen Jahren haben sich die Filmfestspiele von Venedig als das Festival etabliert, bei dem spätere Oscar-Gewinner ihre umjubelte Weltpremiere feiern.

Auch 2017 dürfte der Wettbewerb am Lido viele der Filme enthalten, die im Februar bei den Academy Awards beste Chancen haben. Am Nachmittag gab Festivalleiter Alberto Barbera bekannt, dass sowohl die neuen Filme von George Clooney und Guillermo del Toro als auch von Darren Aronofsky und Abdetallif Kechiche (Cannes-Gewinner mit "Blau ist eine warme Farbe") dabei sein werden.

Zuvor war bereits verkündet worden, dass die Filmfestspiele mit "Downsizing" von Alexander Payne eröffnen würden. Auch Payne ist ein äußerst Oscar-affiner Filmemacher, zwei Mal hat er bereits den Preis für das beste adaptiere Drehbuch gewonnen (für "Sideways" und "The Descendants").

Die Satire "Downsizing" ist nun ein Originalstoff. Matt Damon spielt darin einen Ergotherapeuten, der die Maxime vom Downsizing ganz persönlich nimmt: Er lässt sich auf zehn Zentimeter schrumpfen, um Ressourcen zu sparen und anderen nicht zur Last zu fallen. Kristen Wiig spielt seine Frau, ebenfalls dabei sind Christoph Waltz, Laura Dern und Neil Patrick Harris.

Etliche Stars kann auch der zweite Film aufweisen, bei dem Damon mitspielt. Mit der schwarzen Komödie "Suburbicon" setzt George Clooney ein Drehbuch der Coen-Brüder um. Damon verkörpert darin einen Familienvater, dessen Vorstadtsidylle in Folge eines Einbruchs in sich zusammenstürzt. Seine Co-Stars sind Julianne Moore, Oscar Isaac und Josh Brolin.

Ein kleiner PR-Coup ist Festivalchef Barbera mit der Programmierung von "mother!" von Darren Aronofsky ("Black Swan") gelungen. Paramount, das Studio hinter dem Film, wollte erst keine Festivalpremiere, da man Angst hatte, es könnten zu viele Spoiler zu dem Horrorthriller bekannt werden und so den Spaß an dessen Wendungen und Enthüllungen verderben. Barbera scheint Paramount umgestimmt zu haben, dem Publikum am Lido zu vertrauen. Zudem kann er sich auf einen Auftritt von Jennifer Lawrence auf dem roten Teppich freuen: Sie spielt die Hauptrolle in "mother!".

Überhaupt scheint Barbera ein glückliches Händchen mit den Hollywood-Studios gehabt zu haben: Während in Cannes keines von ihnen im Wettbewerb vertreten war, zeigt Paramount in Venedig drei Filme (neben "mother!" noch "Suburbicon" und "Downsizing"), Fox Searchlight zwei ("The Shape of Water" von Guillermo del Toro, "The Billboards Outside Ebbing, Missouri" von Martin McDonaugh) und Universal einen ("Victoria and Abdul" von Stephen Frears mit Judi Dench als englischer Königin, der Film läuft allerdings außer Konkurrenz).

Im Gegensatz zu Cannes muss sich Venedig auch nicht mit der Frage herumschlagen, wie mit Netflix im Wettbewerb eines Filmfestivals umzugehen sei: Der Streamingdienst zeigt hier nur seine erste italienische Eigenproduktion "Suburra" sowie die Serie "Wormwood" von Errol Morris in Sonderprogrammierungen.

Nominell ist übrigens auch ein Film aus Deutschland im Wettbewerb vertreten. "Human Flow" von Ai Weiwei behandelt die globalen Flüchtlingsströme. Dafür hat der chinesische Künstler, der seit längerem in Deutschland lebt, im Verlauf eines Jahres in über 23 Ländern gedreht. Ais Film und "Ex Libris - The New York Public Library" von Frederick Wiseman sind die einzigen Dokumentarfilme im diesjährigen Aufgebot. Dokumentarfilme haben es aber traditionell in Venedig nicht so schwer wie auf anderen Festivals.

Mit vier Filmen ist Italien nach den USA mit sechs Filmen das am häufigsten vertretene Land. Für ein italienisches Festival keine Besonderheit, aber das italienische Kino gilt seit kurzer Zeit wieder als besonders vital und vielfältig. 2017 könnte sich dieser Ruf verfestigen mit Filmen von Sebastiano Riso ("Una Famiglia") oder Andrea Pallaoro ("Hannah").

Ein besonderer Gast ist in diesem Jahr Abdellatif Kechiche, der mit dem Liebesdrama "Mektoub, My Love: Canto Uno" seinen ersten Film seit dem Cannes-Triumph "Blau ist eine warme Farbe" von 2013 zeigt. Um die Romanverfilmung fertig stellen zu können, hat Kechiche nach eigenen Angaben seine Goldene Palme verkauft. Ob es deshalb nichts mit einer Premiere an der Croisette wurde?

Insgesamt konkurrieren 21 Filme um den Goldenen Löwen. Der Jury sitzt in diesem Jahr die Schauspielerin Annette Bening vor, ihr zur Seite stehen die Filmemacher Yonfan, Michel Franco, Edgar Wright ("Baby Driver") und Ildiko Enyedi (diesjährige Berlinale-Gewinnerin mit "Körper und Seele"), die Schauspielerinnen Rebecca Hall, Anna Mauglalis und Jasmine Trinca sowie der Filmkritiker David Stratton.

Die Filmbiennale läuft vom 30. August bis 9. September.

DER WETTBEWERB IM ÜBERBLICK

- "Human Flow" von Ai Weiwei (Deutschland/USA);

- "Mother!" von Darren Aronofsky (USA);

- "Suburbicon" von George Clooney (USA);

- "The Shape Of Water" von Guillermo Del Toro (USA);

- "L'Insulte" von Ziad Doueiri (Frankreich/Libanon);

- "La Villa" von Robert Guediguian (Frankreich);

- "Lean on Pete" von Andrew Haigh (Großbritannien);

- "Mektoub, My Love: Canto Uno" von Abdellatif Kechiche (Frankreich);

- "The Third Murder" von Koreada Hirokazu (Japan);

- "Jusqu'a La Garde" von Xavier Legrand (Frankreich);

- "Ammore e Malavita" von Manetti Bros. (Italien);

- "Foxtrot" von Samuel Maoz (Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz)

- "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" von Martin McDonaugh (Großbritannien);

- "Hannah" von Andrea Pallaoro (Italien/Belgien/Frankreich);

- "Downsizing" von Alexander Payne (USA);

- "Angels Wear White" von Vivian Qu (China/Frankreich);

- "Una Famiglia" von Sebastiano Risio (Italien);

- "First Reformed" von Paul Schrader (USA);

- "Sweet Country" von Warwick Thornton (Australien);

- "The Leisure Seeker" von Paolo Virzi (Italien);

- "Ex Libris - The New York Public Library" von Frederick Wiseman (USA).

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