Filmklassiker "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" Auf ewig Romy

Während man darauf wartet, wie sich Jessica Schwarz in der ARD als Romy Schneider macht, sollte man sich nochmal das Original vergegenwärtigen. Schneiders letzter Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" ist nicht ihr größtes Werk - zeigt aber, warum sie die Größte war.

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Seit über 27 Jahren ist Romy Schneider tot - und immer noch ist die Welt besessen von ihr. Als brillante Schauspielerin hat sie es genauso zum Mythos gebracht wie als tragische Existenz; der frühe Tod mit 43 Jahren ließ sie endgültig zur Legende werden.

Über sie geredet wird immer noch, im Moment sogar wieder etwas mehr. Denn am 11. November läuft in der ARD eine aufwendige Schneider-Biografie im Abendprogramm, und viele fragen sich, ob die junge und zweifellos talentierte Schauspielerin Jessica Schwarz dem Original auch nur annähernd gerecht werden kann.

Von dem Hype will jeder profitieren, der irgendwelche Schneider-Produkte im Angebot hat, und so ist es kein Zufall, dass gerade "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" neu auf DVD erschienen ist.

Romys letzter Film

Aus künstlerischer Sicht ist das Drama von Jacques Rouffio keiner der wichtigeren Romy-Schneider-Filme wie "Der Swimmingpool", "Trio Infernal" oder "Das Verhör". Aber es ist ihr letzter, und schon wegen der Widmung am Anfang ein Faszinosum für Schneider-Verehrer in aller Welt: "Für David und seinen Vater" steht da - für ihren vierzehnjährigen Sohn, der 1981 bei dem Versuch, über einen Eisenzaun zu klettern, aufgespießt wurde und ums Leben kam, und für ihren Ex-Mann, der sich zwei Jahre zuvor umgebracht hatte.

"Die Spaziergängerin von Sans-Souci" ist damit das letzte Dokument des viel zitierten "gebrochenen Herzens", an dem Schneider aus Sicht vieler Fans kurz nach der Premiere starb. Vor allem aber ist der Film ein Dokument ihrer schaupielerischen Einzigartigkeit.

In einer Doppelrolle spielt Schneider einerseits die Frau von Max Baumstein (Michel Piccoli), dem Leiter einer Hilfsorganisation, der ohne jede Vorwarnung und scheinbar motivationslos den Botschafter von Paraguay erschießt. In den ausschweifenden Rückblenden in die Nazi-Zeit ist sie dann Elsa Wiener, eine elegante Deutsche, die den damals zwölfjährigen Max bei sich aufnimmt, nachdem seine Eltern umgebracht worden sind. Als ihr Mann verhaftet wird, flieht sie mit Max nach Paris und kämpft von dort aus für die Entlassung ihres Mannes. Wofür sie einen grausamen Handel mit dem deutschen Diplomaten Ruppert von Leggaert (Mathieu Carrière) eingehen muss. Dem Mann, der viele Jahre später als südamerikanischer Botschafter von Max getötet werden wird.

Romy lässt die wirre Dramaturgie vergessen

Die komplizierte Dramaturgie ist Regisseur Rouffio dann auch etwas wirr geraten, und das gelegentliche melodramatische Pathos mag nie recht zünden zwischen den Schwenks in die kühle Gegenwart des Gerichtssaals, in dem Baumsteins Fall verhandelt wird. Aber Romy Schneider!

Tragische Figuren jenseits ihres "Sissi"-Traumas lagen ihr besonders, eben weil sie sich weigerte, die Tragik in die erwartbaren großen Gesten umzusetzen. Wenn um sie herum das Pathos regierte, blieb sie subtil. In "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" lässt sie die Kamera einfach ihr Gesicht lesen und vertraut darauf, dass der Zuschauer schon verstehen wird, was in dieser Figur vorgeht. Niemand konnte Traurigkeit so überzeugend in ihre Augen legen wie Romy Schneider, und gleichzeitig so ehrlich strahlen, wenn ihrer Figur ein Moment des Glücks erlaubt war.

Sie war eine der großen Künstlerinnen unter den Schauspielerinnen, allein das macht auch "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" zum Kunstwerk.


"Die Spaziergängerin von "Sans-Souci" (Universum), auf DVD erschienen



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joschitura 29.10.2009
1. Hype - und kein Ende
Was den neuen Romy-Film angeht: Jessica Schwarz, eine eher mäßig begabte Schauspielerin spielt darin die auch nur mäßig begabte Schauspielerin Romy S. - da muss sich Frau Schwarz ja schon mal nicht allzu sehr verstellen. Und was den Hype (Das ist das richtige Wort!) um Romy angeht:es gibt nicht einen einzigen Film mit Romy S., den man sich heute noch freiwillig anschauen würde, geschweige denn einen der künstlerisch bedeutsam wäre. Warum dann der Hype ? Weil allzu viele Leute nicht unterscheiden können zwischen dem tragischen Schicksal einer Frau und ihrer schauspielerischen Begabung. Romy S.wird posthum zur Ikone stilisiert, weil ihr tristes Privatleben in gefühlsduseligen Artikeln oder Fotobänden immer wieder auf die Rollen in ihren Filmen projiziert wird.
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