Filmkritik "Erklärt Pereira" - Malerische Auferstehung

Vor der Kulisse des Lissabon der vierziger Jahre zeigt diese Bestseller-Verfilmung Marcello Mastroianni in seiner letzten Kinorolle.

Von Nataly Bleuel




Die spanischen Nationalisten schreien "Viva la muerte", und Monteiro Rossi will nicht über den Tod schreiben. Er mag das Leben. Aber der alte Pereira will sich davonstehlen. Er sinniert über die Auferstehung des Fleisches. Er spricht mit dem Bild seiner verstorbenen Frau. Er übersetzt französische Schriftsteller, die längst tot sind. Und er will den jungen Rossi dazu bringen, blutleere Nachrufe auf große Literaten zu verfassen: Wenn sie noch nicht gestorben sind, dann könnten sie es bald tun.

Früher war Pereira Lokal-Journalist in Lissabon. Jetzt vermeidet er die Zensur, indem er sich im Elfenbeinturm seiner Kulturredaktion einmottet. Jetzt ist das Jahr 1938: In Portugal herrschen die Faschisten, und in Spanien haben die Nazis Guernica in Schutt und Asche gelegt. Doch Pereira erklärt das Leben - und wofür es sich lohnt. Obwohl sich alles um den Tod dreht: Den eigenen, den geliebter Menschen und den der Demokratie.

Antonio Tabucchi schrieb einen wunderbar leichten Roman über schwere Zeiten. "Erklärt Pereira" wurde 1994 ein Bestseller in Italien und sogleich, unter Mitarbeit des Autors, von Roberto Faenza verfilmt: Eine ruhige, malerische und realistische Literaturverfilmung wie sie im Buche steht. Zum Schwingen gebracht von Ennio Morricone. Aber erst zum Leben erweckt von Marcello Mastroianni. Es war seine letzte große Rolle, und er hauchte Pereira eine ergreifend liebenswürdige Melancholie ein. Mastroianni erklärte, er habe sich sofort in Pereira verliebt: weil er ein stiller Held sei. Und weil er nicht den Eindruck gehabt habe, Pereira sei bereit für den Tod. Und brachte ihn zum Leben, bevor er starb.



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