Filmpreis "Das weiße Band" ist deutscher Oscar-Kandidat

Es gewann die Goldene Palme in Cannes, nun soll es auch den Oscar holen: Michael Hanekes unheimliches Dorfdrama "Das weiße Band" wird als deutscher Beitrag in das Rennen um den Preis für den besten fremdsprachigen Film gehen.


München - Eine von German Films einberufene Fachjury wählte "Das weiße Band" am Mittwoch für die deutsche Bewerbung um den Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film aus, teilte das Exportzentrum für deutsche Filme mit.

Der Film des österreichischen Regisseurs hatte im Mai die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes gewonnen und startet am 10. September in den deutschen Kinos. Für Haneke war es nach "Die Klavierspielerin" und "Caché" der dritte Beitrag im Wettbewerb von Cannes, aber der erste Hauptgewinn. Nun könnte dem vor allem in Frankreich und Deutschland hochverehrten Autorenfilmer auch in den USA Ruhm und Ehre winken.

In den kommenden Wochen werden zahlreiche Länder ihre ausgewählten Filme bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles einreichen. Am 2. Februar 2010 gibt die Academy dann bekannt, welche dieser Filme tatsächlich nominiert werden und beim Oscar-Wettbewerb mitmachen können. Von den Bewerbungen aus aller Welt werden lediglich fünf in die engere Wahl kommen.

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs

Hanekes Film, untertitelt als "eine deutsche Kindergeschichte", spielt am Vorabend des Ersten Weltkriegs in einem Dorf in der Uckermark. Der Ort wird von mysteriösen Unfällen mit Todesfolge heimgesucht, die sich scheinbar willkürlich quer durch die Bevölkerung ziehen. Doch bald stellt sich heraus, dass die Unglücksfälle in Wahrheit Bestrafungen sind - und die Täter nicht so unschuldig, wie man denken könnte.

Die Kritiker sahen in Hanekes Film eine Parabel auf die Entgleisung von autoritären Strukturen und die Anfänge des deutschen Faschismus. Letztlich aber geht es vor allem, wie so oft in den Filmen des Regisseurs ("Funny Games"), um die Beschäftigung mit Gewalt und Ängsten. Für Haneke, dessen Filme zumeist auf Französisch gedreht werden, ist es das erste deutschsprachige Werk seit der Kafka-Verfilmung "Das Schloss", bei dem er selbst Regie führt.

Erneut geht damit ein im Ansatz zeitgeschichtlicher deutscher Film auf die Reise zu den Oscars. In diesem Jahr trat Produzent Bernd Eichinger - erfolglos - mit dem RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" an, 2007 gewann Florian Henckel von Donnersmarck die Trophäe mit seinem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen". In den Jahren zuvor schickte German Films unter anderem das Widerstandskämpfer-Porträt "Sophie Scholl" und den Führerbunker-Film "Der Untergang" nach Los Angeles.

bor/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.