Filmreife Flops Abgedreht und abgelehnt

Dieter Bohlen als Kino-Comic? "Big Brother"-Zlatko als Krimi-Star? Für deutsche Produktionsfirmen schien der Sprung der Boulevard-Helden auf die Leinwand ein sicheres Geschäft. Doch die Filme selbst erwiesen sich als unsäglich - und als finanzielles Desaster.


Medien-Universalist Bohlen: Gezeichnet, aber nicht veröffentlicht
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Medien-Universalist Bohlen: Gezeichnet, aber nicht veröffentlicht

Was macht eigentlich Dieter Bohlen? Keine CD, keine Castingshow, kein Enthüllungsbuch - der Mann ist wie vom Erdboden verschluckt. Seinem Comic-Ich geht es nicht besser. Der Kinoverleiher Universum Film hatte für Herbst 2004 groß das Zeichentrickwerk "Dieter - Der Film" angekündigt. Dann verschob die Firma den Starttermin auf den 27. Januar 2005. Mittlerweile heißt es bei Universum: "Wir können nicht sagen, ob der Film ins Kino kommt." Bisherige Kosten: 6,5 Millionen Euro. Einnahmen: nicht absehbar.

Wahrscheinlich wird der Zeichentrick-Dieter nie auf der Kinoleinwand erscheinen. "Der Vertrieb gibt durchschnittlich 50 Prozent der Produktionskosten für Marketing aus", sagt Filmmanager Jürgen Schau, bis 2003 Deutschlandchef der Columbia Tristar. Diese zusätzliche Investition lohne sich natürlich nur, wenn der Verleiher vom Erfolg des Projekts überzeugt sei - bei einem Bohlen-Film fraglich, zumal der Medienhype um den Talentshow-Unternehmer und Werbestar deutlich abgeflaut ist.

Schau schätzt, dass etwa ein Fünftel der für den deutschen Markt gedachten Produktionen dieses Schicksal teilt. Es trifft einerseits amerikanische Filme, die zu stark auf ein US-Publikum zugeschnitten sind - "wenn es zum Beispiel nur um Baseball geht", so der Manager. Andererseits verkalkulieren sich auch viele deutsche Produktionen. "Als Verleiher sitze ich dann in einer Probevorführung und denke mir: Oh Gott, im Drehbuch sah das noch so gut aus."

"Big Brother"-Star Zlatko Trpkovski: Angeblich so gut wie John Wayne
BMG - Hansa

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Meist sei ein Übermaß an Ego der Kreativen für die Flops verantwortlich. Die Verleiher bekämen den Film zwar in einer recht frühen Phase zu sehen, könnten aber manchmal nichts mehr retten. So wird wohl auch die Realverfilmung der "Nick Knatterton"-Comics mit Jens Schäfer nie das Licht der Welt erblicken. Nach einer desaströsen Testvorführung auf der Münchner Filmwoche wurde das bereits 2001 abgeschlossene Projekt auf Eis gelegt. Laut Co-Produzent Marcus Rosenmüller verschliss es sechs Drehbuchautoren. Am Ende waren acht Millionen Euro Produktionskosten, davon eine Million Förderung von der Filmstiftung Nordrhein-Westaflen, dahin. Der Filmverleih Helkon Media ging 2002 in Insolvenz.

Auch "Mr. Boogie", eine Detektivkomödie mit "Big Brother"-Kandidat Zlatko Trpkovski, schlummert ungenutzt und wohltemperiert in einem Kölner Filmlager. Dabei verglich Produzent Frank Dragun Zlatko seinerzeit gar mit John Wayne und Robert Mitchum, die auch immer nur sich selbst gespielt hätten. Doch nach einem Rechtsstreit der Produzenten Ena-Film mit dem Verleih Highlight Film und einer Meldung der "Bild"-Zeitung, dass "Mr.Boogie" ein unfassbar schlechtes Machwerk sei, konnte sich das Publikum nie eine eigene Meinung bilden. Eine Verwertung auf Video in Kooperation mit Aldi scheiterte ebenso wie der Verkauf an einen Fernsehsender.

Popstar Küblböck: Schnell verflogener Kinozauber
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Popstar Küblböck: Schnell verflogener Kinozauber

Deutschlands Pop-Bubi Daniel Küblböck strandete mit seinen Kinoambitionen zwar nicht in den Regalen der Verleiher. Das Kinodebüt des Ex-"Superstar"-Kandidaten geriet jedoch letztes Jahr zur umfassenden Pleite an der Kinokasse. Mochte die "Süddeutsche Zeitung" auch schwärmen, "Daniel, der Zauberer" sei "ein verrückter, subversiver Film geworden, weil er gegen Häme und Ironie das Spielerische und Unschuldige am Kino wieder entdeckt" - die Zuschauer blieben fern. In den ersten vier Tagen nach Start wollten nur rund 8800 Besucher das kübelböcksche Filmmärchen sehen. Viele Betreiber nahmen "Daniel der Zauberer" nach kürzester Zeit wieder aus dem Programm.

Immerhin im DVD-Regal überdauern Til Schweiger und Hollywood-Star Nick Nolte; die beiden Stars sind gemeinsam in der deutschen Produktion "Investigating Sex", einer Komödie über eine mondäne Intellektuellenrunde in den zwanziger Jahren, zu sehen. "Ein großer Fortschritt", findet Jürgen Schau. "Dank des DVD-Booms lassen sich die Verluste eines Kinoflops inzwischen immerhin begrenzen." Auf lange Sicht helfen nach Meinung des Filmmanagers aber nur eine stärkere Verzahnung von Produktion und Verleih, sprich bessere Kontrollen, mehr Testvorführungen und Marktforschung.

Steffen Becker, ddp



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