Filmsatire "Shopping-Center King" Polizeiwillkür? Gekauft!

Jody Hills Komödie "Shopping-Center King" versucht den Grenzgang zwischen tumbem Klamauk und ätzender Farce. Manchmal sogar erfolgreich.

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Beide Filme, die der amerikanische Regisseur Jody Hill bislang gedreht hat, handeln von größenwahnsinnigen Männern. Und von Bescheidenheit hält er offenbar selbst auch nicht viel. Zu seinem neuen Werk "Shopping-Center King" habe er sich von den Scorsese-Klassikern "King of Comedy" und "Taxi Driver" inspirieren lassen, ließ Hill die Öffentlichkeit wissen.



Das sind stattliche Vorbilder für ein Lustspiel, das auf den ersten Blick wirkt wie das Instant-Remake des kürzlich gestarteten Kalauer-Hits "Der Kaufhaus Cop" mit Kevin James. Doch selbst wenn sich "Shopping-Center King" ebenfalls um den Sicherheitschef eines Einkaufszentrums dreht, harmlos geht es diesmal nicht zu.

Filmheld Ronnie (Seth Rogen) ist kein liebenswerter Loser, sondern ein Widerling, der vom Polizistendasein vor allem deshalb träumt, weil er unbedingt mal jemanden abknallen möchte.

Er lebt noch bei seiner alkoholkranken Mutter (Celia Weston). Seine Liebe zu einem süßen aber fiesen Parfümerie-Mädchen (Anna Faris) bleibt unerwidert, und sein Freundeskreis beschränkt sich auf ein paar vertrottelte Kollegen vom Supermarkt-Sicherheitsdienst.

Er könnte einem leid tun, hielte er sich nicht für den Allergrößten - und hätte er nicht diesen Hang zu schwerer Beleidigung und Körperverletzung.

Als ein Exhibitionist anfängt, in Ronnies Shopping-Center sein Unwesen zu treiben, beginnt die Wandlung des Mietcops zum Psychopathen.

Und als ihm nach einer demütigenden Bewerbung endlich klar wird, dass er es nie zu einem offiziellen Polizisten bringen wird, springen auch die letzten Sicherungen raus. Er wird noch brutaler, grausamer, und trotzdem ist er sich immer sicher, das Richtige zu tun.

Als Zuschauer wird man zunehmend unsicher, wie man zu dem Antihelden stehen soll. Man schwankt zwischen Sympathie und Abscheu.

Irgendwann scheinen auch im Film die Grenzen von Wahn und Wirklichkeit zu verwischen: Am Ende könnte die Kamera ganz Ronnies Perspektive eingenommen haben, man hat den Eindruck, als verfolge man das Geschehen selbst aus den Augen eines Wahnsinnigen. Die anfangs billigen Gags weichen einem hintergründigen, finsteren Humor, der Film entwickelt sich zu einer faszinierenden Mischung aus Klamauk und Farce.

Für alle, die eine leichte Komödie erwartet haben (was angesichts des irreführenden Trailers kein Wunder wäre), könnte das ein anstrengender, vielleicht sogar ärgerlicher Kinoabend werden. Doch eine Chance verdient dieses merkwürdige Experiment allemal.



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gewuerzolive, 18.06.2009
1. Noch 'ne Filmempfehlung
Aus England: "Hot Fuzz" von den Leuten, die die ulkige Zombiesatire "Shaun of the Dead" gemacht haben. Hierzulande nur ein DVD-Release, da er sehr stark auf britische Verhältnisse zugeschnitten ist. Scheint mir ein ähnliches Kaliber zu sein.
don_kanalje 01.04.2011
2. nicht ganz richtig
Zitat von gewuerzoliveAus England: "Hot Fuzz" von den Leuten, die die ulkige Zombiesatire "Shaun of the Dead" gemacht haben. Hierzulande nur ein DVD-Release, da er sehr stark auf britische Verhältnisse zugeschnitten ist. Scheint mir ein ähnliches Kaliber zu sein.
Offizieller Kinostart war am 14.06.07 deutschlandweit in ca. 300 Kinos. Besucher: 257.034 aber Recht haben Sie trotzdem: Ein toller Film :-)
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