Filmstar in Rage Til, bitte schweigen Sie!

Til Schweiger, Deutschlands einziger Filmstar, feiert mit seiner Komödie "Keinohrhasen" einen phänomenalen Erfolg - zu Recht. Doch plötzlich sieht er überall nur noch Feinde und nervt die Branche mit lautem Gezeter.

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Er macht Werbung für Bier, für Boss und nun auch für die Fleischerinnung: In seiner neuesten Rolle spielt Til Schweiger die beleidigte Leberwurst, und das mit Verve. Weil seine Erfolgskomödie "Keinohrhasen", die dieser Tage die Sechs-Millionen-Zuschauer-Grenze überschreitet und die erfolgreichste deutsche Produktion seit über drei Jahren ist, nicht am Rennen um die Deutschen Filmpreise – die "Lolas" – teilnimmt, die am kommenden Freitag in Berlin vergeben werden, will er nun einen eigenen Preis ins Leben rufen. Er, der große Publikumsliebling, fühlt sich übergangen, unterschätzt, missachtet von der kulturellen Elite.

Die Filmakademie, die seit 2005 die Filmpreise vergibt, behauptet indes, Schweiger habe sich nicht an die Einreichungsregularien gehalten. Er sah das anders, trat Anfang des Jahres unter großem medialen Getöse aus der Akademie aus und wenige Wochen später wieder ein. Schweiger kleinlaut: "Wenn ihr mich noch haben wollt..." Sie wollten, schließlich kann es ja auch großen Jungs passieren, dass sie mal kurz austreten müssen. Doch nun, nachdem der Streit schon beigelegt schien und klar ist, dass "Keinohrhasen" im nächsten Jahr beim Filmpreisrennen mitlaufen kann, greift Schweiger in der "Süddeutschen Zeitung" die Akademie erneut an und wirbt für seinen eigenen Preis – wie ein gedemütigter Boxer, der einen neuen Verband gründet, um einmal Meister zu werden.

Von einem Star erwarten wir Coolness, Lässigkeit, Souveränität. All das verkörpert Schweiger in seinen Filmen wie nur sehr wenige Schauspieler, und deshalb ist er so populär und völlig zu Recht so erfolgreich. Doch jenseits der Leinwand wirkt er in letzter Zeit immer häufiger, als müsse er Minderwertigkeitsgefühle mit betonter Rotzigkeit kaschieren. "Keine Sau", so krakeelte er, kenne die meisten der für den Filmpreis nominierten Werke – und tat damit so, als wären die "Lolas" – die mit einem Preisgeld bis zu einer halben Million Euro dotiert sind – so etwas ähnliches wie Erfolgsprämien für Kassenschlager. Doch sie sind Kulturpreise.

Hätte Schweiger einen PR-Berater, wäre der fällig

In seinen gern im Posaunenton vorgetragenen Verlautbarungen, für die er in den Medien immer wieder dankbare Verstärker findet, erweckt Schweiger den Eindruck, ein erfolgreicher Film sei automatisch ein guter Film. Das allerdings glaubt selbst in Hollywood kein Mensch. Jerry Bruckheimer wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, für seine Produktionen "Top Gun", "Pearl Harbor" oder "Armageddon" Oscar-Nominierungen zu fordern, nur weil diese Filme gewaltige Hits waren. Auch Til Schweiger muss zugeben, dass er in seinem Leben schon an so einigen Keinpreisfilmen beteiligt war. Andererseits darf ein Film aber nicht für Preise disqualifiziert werden, nur weil ihn Millionen Zuschauer gesehen haben.

Tatsächlich hat Schweiger mit "Keinohrhasen" eine sehr pfiffige und einfallsreiche Komödie gedreht – als Co-Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion. Kritiker, die das auch so sehen, mag er und deshalb lädt er Journalisten gerne handverlesen zu Vorführungen ein. Die anderen, die ihm nicht passen, dürfen sich seinen Film dann am Starttag ganz normal im Kino ansehen. So gibt er jenen Journalisten, die ihn bisher tatsächlich mit Klischees und Vorurteilen auf die billigste Weise angegriffen haben, die Gelegenheit, ihn sich mit guten Gründen ordentlich vorzuknöpfen. Hätte Schweiger einen PR-Berater, wäre der jetzt fällig. Aber da Schweiger fast alles allein macht, müsste er sich selbst rausschmeißen.

Viele Stars wachsen mit ihrem Erfolg, indem sie Größe zeigen. Til Schweiger wirkt kleiner, seit "Keinohrhasen" durch die Decke geht. Fast vierzig Millionen Euro hat der Film inzwischen eingespielt, und jetzt will Schweiger noch Siegerkränze. Das wirkt gierig. Er ist, wie schon gesagt, unser einziger großer Filmstar. Wir möchten, dass er es bleibt. Dann sollte er nur endlich mal anfangen, sich wie einer zu verhalten.

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insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 21.04.2008
1. Til Schweiger vs. Tom Cruise
Deutschje Til-Schweiger-Filme gefallen mir regelmäßig ganz gut (Knocking on Heaven's Door", "Was tun, wenn's brennt?", "Wo ist Fred?", "KeinOhrHasen"), amerikanische eher nicht so sehr. Was der Kerl privat treibt ist mir genau so egal wie bei Tom Cruise.
b00ze 21.04.2008
2. (K)ein großer Künstler
Filme mit Til Schweiger sind für mich eine definitive "No-Go-Area". Es gibt nur wenige Schauspieler, die noch schlechter sind. Und seine seltsame Stimme gibt der Unkunst den Rest. Ich gönne ihm einen Preis für sein Lebenswerk - und dann bitte abtreten.
doctor manhattan 21.04.2008
3. Mein Duff
Lieber Lars-Olav Beier, Til Schweiger kann unmöglich Deutschlands einziger Filmstar sein. Ausgeschlossen. Denken wir alle mal zusammen nach… gibt es nicht irgendjemanden in der schauspielenden Zunft mit Genug Intellekt eine Bierdose alleine öffnen zu können? Dass musste die Dana nämlich immer machen für den Til. Keine Ahnung wie er jetzt an sein Bier kommt. D'oh.
SethSteiner 21.04.2008
4. Schweiger ist für mich nichts besonderes.
Ich kann weder Schweiger noch deutsche Filme im allgemeinen recht gut leiden. Ab und zu gibt es natürlich ausnahmen, aber zumeist können deutsche nicht mehr als Schnulzenfilme, Teeniefilme untersten Niveaus und Historienfilme drehen und das alles dann noch nicht mal unbedingt gut, zumeist darf dann auch noch ein überaus künstlerischer Film draus werden, der pseudotiefgründig an die Werte des Menschen appeliert. Ein Sin City, Independence Day, Pan`s Labyrinth oder gar Herr der Ringe hat dieses Land nicht zu bieten, stattdessen Darsteller die sich bereitwillig für jeden Schmu hergeben statt sich mit ihrem Geld vielleicht mal für was besonderes einzusetzen, was wirklich großes. Bully hatte doch einen netten SciFi Film geschafft, warum kann man das nicht mal ohne zwanghafte Homosexualität und Comedy umsetzen? Nicht das ich was dagegen hätte, nur bei dem Thema ist einfach zu viel auf dem Markt, besonders von ihm. Aber es ist doch möglich wie man sieht sowas hinzukriegen, stattdessen seh ich mit Keinohrhasen zum hundertsten mal das halbhässliche Entlein und den coolen Macho, tut mir leid aber für mich ist das an Ödität nicht zu überbieten. Und wenn wir dann doch mal zumindest ein nettes Thema ergreifen, der Rote Baron, dann ist es wieder viel zu unkritisch. Zugegeben, die Liebesschnuzle dadrin war absolut fehl am Platz und die eigentlichen Luftkämpfe und Action zu wenig, aber warum dann ausgerechnet bemängelt werden muss das zuwenig Kritik drin ist, ist eigentlich unglaublich. Ich will keine Filme mehr an deren Ende steht wie böse wir deutschen sind und wie pöse Krieg ist und das Gewalt ganz dolle schlimm ist, ich will Action und unterhalten werden und das auch gern mit deutschem Gut ohne zu schwingende Moralkeule, immerhin wüsste ich nicht das Richthofen jetzt versucht hat nur Juden abzuschießen. Es ist ein Fliegerfilm, bei Top Gun will ich auch nichts hören von wegen das ja auch Indianer in der Air Force fliegen, wen intressierts? Mich jedenfalls nicht. Um nochmal zu Schweiger zurück zukommen, er ist für mich nichts besonderes, kein großer Schauspieler sondern die absolute deutsche Standardkost. Wenn er einen Aragorn verkörpert, einen Constable Crane aus Sleepy Hollow, dann lass ich gern nochmal mit mir reden. Bis dahin ist er für mich Grütze.
Foul Breitner 21.04.2008
5. Fragezeichen
Na, ich denke, ein guter Film wäre auch nominiert worden. Mit seiner schauspielerischen Schlechtleistung in mäßigen, sich aus finanziellen Gründen dem Zeitgeist anbiedernden Streifen, dürfte er es immer schwer haben.
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