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Filmstar Rose McGowan: "Strippen musste ich nicht üben"

Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen: Im Horrorfilm "Planet Terror" spielt die US-Schauspielerin Rose McGowan eine Stripperin mit Maschinengewehr-Prothese. Mit SPIEGEL ONLINE sprach sie über ihren Schuhfimmel, perverse Deutsche und ihre Kindheit in einer bizarren Sekte.

SPIEGEL ONLINE: Frau McGowan, was haben Sie gedacht, als Sie das Drehbuch zu "Planet Terror" gelesen haben?

McGowan: Ich dachte, es ist komplett verrückt. Aber ich mag Verrücktes, ich liebe das Kino als eine Alternative zur Realität. Und wenn man schon einen verrückten Film macht, warum nicht richtig durchgeknallt? Es macht Spaß, so etwas zu spielen. Wissen Sie, wie die Drehbücher aussehen, die man mir normalerweise anbietet: Depressive hat gestörtes Verhältnis zu ihrem Vater und kann ihn nicht "Daddy" nennen. Dann rettet er sie und sie schluchzt am Ende: "Danke Daddy". So etwas bekomme ich ungefähr dreimal pro Woche. Das ist einfach zu dämlich.

SPIEGEL ONLINE: Werden Drehbücher in Hollywood generell immer dämlicher?

McGowan: Also in "Transformers" gab es einen Roboter mit Metallpenis, der damit auch noch gepinkelt hat. Das ist dämlich! Und irgendwie ekelhaft. Wenn man schon ekelhafte Filme dreht sollten sie wenigstens clever sein. Es gibt gewisse Regeln, die man einhalten sollte. Ein Penis aus Metall würde doch irgendwann rosten und abfallen.

SPIEGEL ONLINE: Fürchterliche Vorstellung. Ihr Auftritt als Stripperin in "Planet Terror" ist hingegen atemberaubend. Was ist wichtig, wenn man einen guten Strip hinlegen will?

McGowan: Meine Christian Louboutin Schuhe! Ein Freund von mir sagte, ich sei wahrscheinlich die einzige Stripperin auf diesem Planeten, die so teure Schuhe trägt. Normalerweise tragen sie nämlich diese günstigen Plastikschuhe. Das kam für mich aber nicht in Frage. Wenn ich mich schon ausziehe, dann doch bitte in schönen Schuhen. Also habe ich meine eigenen mitgebracht. Ich mache das oft. In Quentin Tarantinos "Death Proof" trage ich auch ein eigenes Paar. Ich liebe Schuhe und besitze eine Menge. Die Produzenten lieben mich deswegen. Wenn ich meine eigenen Schuhe mitbringe, müssen sie keine kaufen und sparen Geld.

SPIEGEL ONLINE: Nach eigener Aussage haben Sie 200 Paar Schuhe. Tragen Sie die auch alle, oder bewundern Sie sie nur?

McGowan: Natürlich trage ich sie. Das ist mal wieder typisch Mann! Fehlkäufe verschenke ich allerdings. Viele dieser Schuhe sind echte Kunstwerke. Und Männer haben doch auch unendliche viele Paare langweiliger Turnschuhe. Das thematisiert auch niemand als unnatürlich. Jedem das seine. Ich tue mit meinem Schuhfimmel ja niemandem weh.

SPIEGEL ONLINE: Zurück zu Ihrem spektakulären Auftritt in "Planet Terror": Wo haben sie Strippen geübt?

McGowan: Das musste ich nicht üben. Ich tanze einfach gerne und habe ein gutes Gefühl für Rhythmus. Das ganze Geheimnis dabei ist, nicht hinzufallen. Na gut, so habe ich vorher noch nie getanzt, aber ich bin lernfähig. Ehrlich gesagt bin ich einfach zum Dreh gefahren und dachte: Na gut, dann strippen wir heute mal.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie zwecks Recherche in einer Striptease-Bar?

McGowan: Nein. Ich war zweimal in meinem Leben in einer Striptease-Bar, einmal aus Versehen. Diese Orte machen mich fürchterlich traurig. Gar nicht so sehr, wenn ich mir die Frauen ansehe. Es sind die Männer, die ein absolut erbärmliches Bild abliefern. Einen Mann zu sehen, der da ganz alleine sitzt und auf die Bühne starrt, das wirkt so einsam und absolut traurig. Und in diesem Moment sind diese Kerle so weit von Frauen entfernt, als würden sie auf einem anderen Planeten leben. Ich finde es absolut deprimierend. Können Sie sich vorstellen, dass es Menschen gibt, die dort zu Mittag essen? Ich weiß nicht, ob so etwas in Europa existiert. Aber bei uns gibt es "All you can eat"-Lunch-Buffets in Strip-Bars. Unglaublich, oder? Sie zahlen fünf Dollar, essen ihre "Chicken Wings", während sie eine Stripperin anglotzen. Tragischer geht es ja wohl kaum noch.

SPIEGEL ONLINE: Kaum.

McGowan: Naja, ihr Deutschen seid ja auch nicht ganz ohne. Ihr seid doch auch ein bisschen pervers, wenn es um Sex geht, oder? Bei Euch passieren ja auch einige verrückte Dinge.

SPIEGEL ONLINE: Sie werden uns sicherlich gleich erzählen, was Sie meinen...

McGowan: Na, wenn ich in Deutschland im Hotel durch die Programme zappe, gerate ich immer auf einen dieser merkwürdigen Pornokanäle. Also, ich kenne mich ja mit Pornos nicht so aus, aber das einzige, was da ständig zu sehen war, war der Penis, der in die Vagina stößt. Pausenlos, rein und raus. Baut man um diese Szenen nicht normalerweise ein paar schlecht gespielte Szenen, in denen es eine merkwürdige Liebesgeschichte gibt? Oder wenigstens einen Handwerker, der irgendwas reparieren will? So nach dem Motto: Wo steht der Fernseher, den ich reparieren soll? Ihr Deutschen kommt gleich zur Sache! Und bei Euch laufen diese Pornokanäle vierundzwanzig Stunden am Tag?

SPIEGEL ONLINE: Nein. Das ist ein Service, den es speziell für Hotelgäste gibt.

McGowan: Ach so. Ich will ja jetzt nicht prüde wirken, aber ich war wirklich ein bisschen schockiert, als ich das zum ersten Mal im Fernsehen gesehen habe. In den USA wäre so etwas unmöglich. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf. Bei uns dürfen Menschen im Fernsehen erschossen, abgestochen und erwürgt werden. Aber Sex ist absolut tabu. Und das findet Ihr Europäer wahrscheinlich merkwürdig.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Meinung über perverse Deutsche basiert hoffentlich ausschließlich auf seltsamen Erfahrungen mit dem Hotelfernsehen. Oder gab es da noch andere Erlebnisse?

McGowan: Ich habe diese Geschichte von einem Mann gehört, der sich mit einem anderen verabredet hat, um sich aufessen zu lassen. Das fand ich ziemlich gruselig. Ihr durchgeknallten Deutschen! Und dann habe ich auch noch gehört, dass ihr so etwas wie Lachseminare habt? Das ist so süß! In Japan gibt es so etwas auch: Ha, ha, ha! Wir sind jetzt alle ganz lustig.

SPIEGEL ONLINE: Ein Interview mit Ihnen ist besser als jedes Lachseminar. Es scheint, als könne man Sie relativ einfach schockieren.

McGowan: Das stimmt. Dabei wirke ich auf den ersten Blick gar nicht so, oder? Meine Schwester nennt mich immer "Miss Pollyanna". Kennen Sie "Pollyanna"? Das ist bei uns so ein britisches Mädchen aus einer Kindergeschichte, das immer ganz ordentlich angezogen, wohl erzogen und schnell schockiert ist. Ja, ich gerate schnell aus der Fassung.

SPIEGEL ONLINE: Ob Marilyn Manson, mit dem Sie einige Jahre liiert waren, da der richtige Partner für Sie war?

McGowan: Marilyn Manson war damals nicht so wild, wie viele glauben. Das ganze ist eine Rolle, die er spielt. Wahrscheinlich war ich verrückter als er. Wenn ich das sage, diskreditiere ich ihn ja nicht. Denn er bleibt auch so ein brillanter Musiker. Seine Bühnenidentität und der private Mann sind zwei verschiedene Dinge. Alice Cooper läuft ja zu Hause auch nicht mit verrücktem Make-up herum, wenn er Karten spielt. Er war jedenfalls nie das Monster, für das ihn manche halten.

SPIEGEL ONLINE: Man gewinnt den Eindruck, sie lassen sich nichts gefallen. Ist das richtig?

McGowan: Ja. Und ich glaube, auf vielen Ebenen funktioniere ich eher wie ein Mann. In der Regel trenne ich mich, wen es nicht mehr läuft, als monatelang an einer kaputten Beziehung zu arbeiten. Ich kann nicht verstehen, dass Frauen sich in Beziehungen unterordnen. Generell habe ich, gerade wenn es um Beziehungen geht, nicht dieselben Gedanken und Verhaltensweisen wie andere Frauen. Und wenn jemand im Straßenverkehr aus dem Auto steigt, um mich anzuschreien, dann vergesse ich, wie klein ich bin, steige auch aus und schreie zurück.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in einer bizarren religiösen Sekte, den "Kindern Gottes" aufgewachsen. Wie haben Sie diese Zeit unbeschadet überlebt?

McGowan: Ich habe sie gar nicht unbeschadet überlebt. Äußerlich wirke ich beinahe normal. Aber eigentlich bin ich vollkommen durchgedreht...(lacht). Ich erinnere mich, dass ich als Neunjährige mal in einem Flugzeug saß und die Dame neben mir meinte nach einer Stunde, in der ich mit ihr geredet hatte, ich solle ein Buch schreiben. Meine Jugend war wohl etwas ungewöhnlich. Aber als ich dann später aus der Toscana zu meinen Verwandten nach Amerika zog, kam es mir dort auch nicht normaler vor. Ich landete plötzlich in Oregon. Es sah überall aus wie in "Edward mit den Scherenhänden". Das war ein echter Kulturschock. Und für diese Menschen war ich ein Freak. Es war nicht einfach. Aber ich habe mich durchgebissen. Mit dreizehn Jahren bin ich ausgerissen.

SPIEGEL ONLINE: Woran haben die "Kinder Gottes" eigentlich geglaubt?

McGowan: Wissen Sie was? Das habe ich bis heute nicht begriffen. Ich glaube, sie waren in erster Linie ein Haufen Durchgeknallter. Sie nannten sich "Hippies für Jesus". Das ganze fing wohl mal mit den besten Vorsätzen an. Irgendwann geriet es dann außer Kontrolle - wie alle Sekten mit einer Hierarchie der Macht. Später wurde es dann wirklich schlimm. Es passierten sehr bizarre Dinge, über die ich hier nicht näher reden möchte. Aber wegen dieser Dinge sind wir dann mitten in der Nacht geflüchtet. Glücklicherweise habe ich eher die idyllischen Sektenzeiten erlebt und nicht die verrückten.

Das Interview führte Christian Aust

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